# taz.de -- Forderung nach verbilligtem Sprit: Irrational und anachronistisch
> Ja, wegen der explodierenden Energiepreise brauchen
> Geringverdiener:innen Unterstützung. Doch ein „Tankrabatt“ ist das
> falsche Instrument.
IMG Bild: Zapfpistole in Berlin: Langfristig hilft kein Rabatt und keine Mehrwertsteuersenkung
Es ist bizarr: Russland finanziert den Krieg gegen die Menschen in der
Ukraine mit Einnahmen aus Öl-, Gas- und Kohleexporten. Doch statt das
größte Energiesparprogramm aller Zeiten aufzulegen, diskutiert die deutsche
Politik darüber, wie [1][die steigenden Spritpreise vom Staat aufgefangen
werden] können. Sofortmaßnahmen zum Spritsparen, wie es ein schnell
umsetzbares Tempolimit für Autobahnen wäre, oder autofreie Sonntage? Dass
sich die FDP dagegen stemmt, aber den Sprit verbilligen will, zeigt, wie
irrational und anachronistisch ihr Verhältnis zum Auto ist.
Dabei ist durchaus richtig: Die Regierung muss etwas unternehmen, damit die
explodierenden Energiepreise Geringverdiener:innen und auch weite
Teile der Mittelschicht nicht ruinieren oder Betriebe zur Geschäftsaufgabe
zwingen. Hebammen, Handwerker:innen und andere, die auf ihr Fahrzeug
angewiesen sind und die die steigenden Preise überfordern, brauchen schnell
Unterstützung, etwa Geldzahlungen oder Steueraussetzungen.
Aber eine Spritpreisbremse für alle ist nicht das richtige Instrument. Denn
mit ihr wird kein Liter Benzin oder Diesel [2][weniger verbraucht]. Und
genau darum muss es mit Blick auf Putins Kriegskasse und das Klima gehen.
Mag sein, dass der Staat, wie von Finanzminister Christian Lindner
vorgeschlagen, punktuell die Spritpreise dämpfen kann. Auf Dauer wird das
aber nicht möglich sein. Die Bürger:innen müssen sich darauf einstellen,
dass Energie sehr viel kostbarer wird. Langfristig hilft kein Rabatt und
keine Mehrwertsteuersenkung. Alle müssen umsteuern, und es ist Aufgabe der
Regierung, die Bürger:innen dabei kräftig zu unterstützen, zum Beispiel
mit einem Austauschprogramm für energieintensive Geräte und Heizungen,
einer Solardach-Offensive oder Hilfen zur Wärmedämmung von Häusern.
## Die Grünen enttäuschen
Wo bleiben die Preissenkungen im ÖPNV und bei der Deutschen Bahn? Wo die
großen Kampagnen für Fahrgemeinschaften auf dem Land? Die Welt ist voller
guter Ideen und Alternativen zum einsamen Autofahren. Aber die
Bundesregierung greift sie nicht auf. Das ist enttäuschend von einer
Regierung mit grüner Beteiligung.
Statt das Umsteuern voranzubringen, will die Ampel offenbar auch
Besitzer:innen von Luxuskarossen und diejenigen unterstützen, die 900
Meter zum Bäcker unbedingt mit dem Auto fahren müssen, obwohl sie gut zu
Fuß sind oder das Rad nehmen könnten. Das ist das Gegenteil von klug. Aber
leider nicht neu. Wie bei der Pendler:innenpauschale und anderen
Autosubventionen müssen Menschen mit wenig Geld wieder einmal
[3][argumentativ dafür herhalten], dass Wohlhabende ihre Privilegien
verteidigen.
14 Mar 2022
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## AUTOREN
DIR Anja Krüger
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