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       # taz.de -- Rassistischer Angriff auf 17-Jährige: Brisanz nicht erkannt
       
       > Die Polizei korrigiert sich: Der rassistische Übergriff am Samstag war
       > kein Maskenstreit. Wie konnte es zu der Falschmeldung kommen?
       
   IMG Bild: Der rassistische Angriff ereignete sich am Samstagabend an einer Straßenbahnhaltestelle
       
       Berlin taz | Es ist ein Vorfall, der zu Recht für viel Aufruhr gesorgt hat:
       Ein 17-jähriges Mädchen wird erst in der Straßenbahn und dann an einer
       Haltestelle in Prenzlauer Berg von drei Männern und drei Frauen rassistisch
       beleidigt und zusammengeschlagen. Dilan Sözeri trägt in der Bahn eine
       Maske, die Angreifer*innen nicht.
       
       Als der Fall in den Tagen darauf durch die Medien geht, ist die Situation
       angeblich eine andere: „Sechs Fahrgäste schlagen Maskenverweigerin
       krankenhausreif“, schreibt die Berliner Zeitung, „Erwachsene verprügeln
       17-Jährige, weil sie keine Maske trägt“, titelte der Focus. Die
       Berichterstattung basiert auf einer Meldung der Polizei, in der von einem
       „Streit über eine fehlende Mund-Nase-Bedeckung“ die Rede ist. Als Sözeri in
       einem Instagram-Video den Tathergang schildert und Überwachungsaufnahmen
       ihre Aussage bestätigen, [1][korrigiert die Polizei ihre Pressemitteilung].
       Doch wie konnte es überhaupt zu der Falschmeldung kommen?
       
       „Die Pressemitteilung war nicht falsch“, sagt Polizeisprecher Michael
       Gassen. „Sie entsprach den Informationen, die uns zu dem Zeitpunkt
       vorlagen. Wir haben aber von Anfang an geschrieben, dass es ein
       rassistischer Angriff war.“ Das stimmt, auch in der ersten Meldung ist von
       rassistischen Beleidigungen die Rede – aber erst im dritten Satz. Vorher
       heißt es, die fehlende Maske der 17-Jährigen habe zu dem Streit geführt.
       „Allerdings“, räumt Gasser ein, „haben wir den Auslöser des Vorfalls falsch
       interpretiert. Es ging nicht darum, dass die Geschädigte keinen
       Mund-Nasen-Schutz getragen hat.“
       
       Er führt die Falschinformation auf ein Missverständnis bei der Aufnahme der
       Strafanzeige zurück: Beteiligte hätten den Einsatzkräften geschildert, dass
       [2][rassistische Beleidigungen gefallen seien] und Sözeri aufgefordert
       wurde, ihre Maske aufzusetzen. Zwei richtige Aussagen – aus denen die
       Beamt*innen die falschen Schlüsse gezogen haben. „Das haben wir dann
       auch festgestellt, nachdem die Videoaufnahmen der BVG gesichtet wurden und
       ganz klar feststand: Ne, so war es nicht, ganz im Gegenteil.“
       
       ## Es gibt keine Auslöser für Rassismus
       
       Denn sicher ist, dass Sözeri als einzige Beteiligte eine Maske trägt, als
       die Gruppe sie in der Bahn angeht. Erst als alle aussteigen, zieht sie die
       Maske ab. Daraufhin, so schildert es Sözeri, habe eine der Frauen ihr „ins
       Gesicht gegrabscht“, und sie aufgefordert, ihre Maske wieder anzuziehen.
       Die Jugendliche wird weiter bedroht, geschlagen und getreten, später kommt
       sie mit etlichen Prellungen und einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus.
       Wann und wie lange die 17-Jährige selbst von der Polizei zu dem Vorfall
       befragt wurde, konnte Gassen der taz nicht beantworten.
       
       Doch auch wenn die Polizei den Tathergang zunächst falsch kommuniziert hat
       – auf eine mangelnde Sensibilität der Beamt*innen für Rassismus lässt
       der Fall zunächst nicht schließen: Die Einsatzkräfte vor Ort haben den
       Vorfall als rassistischen Übergriff aufgenommen und an den Staatsschutz
       weitergegeben, sagt Gasser. Dass sei schon vor der Richtigstellung
       passiert, schließlich habe der Auslöser der Tat für die Bewertung des
       Sachverhalts erstmal keine Bedeutung.
       
       Sprich: Ein rassistischer Übergriff ist ein rassistischer Übergriff, egal,
       was ihm vorausgegangen ist. Keine Provokation, keine angebliche Mitschuld,
       kein Fehlverhalten rechtfertigt Rassismus und Gewalt. Offen bleibt, warum
       die Polizei die Ereignisse nicht auch in ihrer ersten Pressemitteilung
       genau so gewichtet hat.
       
       11 Feb 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/2021/pressemitteilung.1174189.php
   DIR [2] /Angriff-auf-junge-Berlinerin/!5834436
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Johanna Jürgens
       
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