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       # taz.de -- Sturm in Berlin und Brandenburg: Feuerwehr ruft Ausnahmezustand aus
       
       > Sturmtief „Nadia“ sorgt für Chaos: Berliner*innen sollen das Haus
       > nicht verlassen. Ein Mann wird von einem umstürzenden Wahlplakat
       > erschlagen.
       
   IMG Bild: Die Bäume hielten nicht mehr Stand: Feuerwehreinsatz im brandenburgischen Stahnsdorf
       
       Berlin/Potsdam dpa | Die Berliner Feuerwehr hat wegen des Sturmtiefs
       „Nadia“ am Sonntagmorgen den Ausnahmezustand ausgerufen. Die Bürger der
       Stadt werden gebeten, bei Sturm und Gewitter das Haus nicht zu verlassen,
       wie die Feuerwehr per Twitter mitteilte.
       
       Netzstecker und Antennenkabel sollen demnach von Fernsehern und Computern
       abgezogen werden. Abflüsse von Balkonen und Terrassen sollen frei von Laub
       und Blüten bleiben. Sonnenschirme und Markisen sollen geschlossen werden.
       
       Die Feuerwehr bittet die Bürger, kleinere Wasserschäden selbst zu regeln.
       Die Rettungskräfte sollen sich demnach auf größere Einsätze konzentrieren.
       Brände und Notfälle können weiterhin über Notruf 112 gemeldet werden.
       Regen- und Sturmschäden würden jedoch nach Priorität abgearbeitet werden.
       
       Ein Fußgänger im brandenburgischen Beelitz ist von einem umstürzenden
       Wahlplakat schwer verletzt worden und wenig später gestorben. Das Plakat
       kippte am Samstagabend kurz nach 22 Uhr aus unbekannten Gründen auf den
       Mann, erklärte ein Sprecher des Polizeilichen Lagedienstes am
       Sonntagmorgen. Die B.Z. berichtete zuerst.
       
       Das Plakat war anlässlich der kommenden Landratswahlen in
       Potsdam-Mittelmark aufgestellt worden. Medienberichte über weitere
       Verletzte im Zusammenhang mit dem Plakat konnte der Lagedienst zunächst
       nicht bestätigen. „Die Ermittlungen zur Ursache laufen noch“, sagte ein
       Sprecher.
       
       „Nadia“ hatte in Berlin schon in der Nacht zu Sonntag für zahlreiche
       Feuerwehreinsätze gesorgt. Von Samstagabend, 20 Uhr, bis Sonntagmorgen
       kamen rund 250 Einsätze zusammen, wie die Berliner Feuerwehr per Twitter
       mitteilte. Probleme bereiteten demnach überwiegend umgestürzte Bäume auf
       Gehwegen und Fahrbahnen sowie die Sicherung loser Bauteile.
       
       Ein Zug der Berliner S-Bahn krachte zwischen Pichelsberg und Spandau gegen
       einen umgestürzten Baum. Niemand sei verletzt worden, sagte eine
       Bahnsprecherin am Sonntagmorgen. Der Baum stürzte demnach am Samstagabend
       gegen 23 Uhr auf die Schienen – vermutlich durch eine Böe des Sturmtiefs.
       Wegen der Bergung musste die S-Bahnstrecke gesperrt werden. Wie lange die
       Sperrung andauern würde, war zunächst unklar.
       
       Die Feuerwehrleitstelle in Brandenburg/Havel berichtet über mehr als 100
       Einsätze wegen umgestürzter Bäume, abgedeckter Dächer und umgekippter
       Wahlplakate. Auch die Feuerwehrleitstelle Lausitz in Cottbus meldete rund
       150 Einsätze, vor allem wegen umgestürzter Bäume. In Drahnsdorf
       (Dahme-Spreewald) habe der Sturm einen Flügel eines Windrads angerissen,
       sagte der Sprecher der Leitstelle. Verletzt wurde niemand.
       
       ## Viele Schäden in Norddeutschland
       
       Zuvor hatte „Nadia“ vor allem in Hamburg und Schleswig-Holstein für
       Hunderte Einsätze von Polizei und Feuerwehren gesorgt. Meist ging es dabei
       um umgestürzte Bäume, umherfliegende Gegenstände oder herabfallende
       Dachziegel. Mehrere Menschen wurden leicht verletzt.
       
       Allein in Hamburg meldete die Feuerwehr 450 wetterbedingte Einsätze seit
       Samstagmorgen. Die Polizei musste fast 300 Mal ausrücken. Neben
       Sturmschäden kam es in Hamburg auch zu Hochwassereinsätzen, denn um kurz
       nach Mitternacht wurde der Fischmarkt im Stadtteil St. Pauli überflutet.
       Der Wasserstand erreichte laut dem Bundesamt für Schifffahrt und
       Hydrographie 2,84 Meter über dem mittleren Hochwasser. Mehrere Autos wurden
       beschädigt. Außerdem fuhr sich durch den erhöhten Wasserstand ein
       Binnenschiff unter der Freihafenelbbrücke fest. Am frühen Sonntagmorgen
       konnte es freigeschleppt werden, teilte die Feuerwehr mit.
       
       In Schleswig-Holstein traf der Sturm unter anderem die Region Lübeck
       schwer. 350 Einsätze verzeichnete die Polizei seit Samstagmorgen. Unter
       anderem kippte ein 3,5 Tonnen schwerer Laster auf der Fehmarnsundbrücke um.
       Mittlerweile ist diese voll gesperrt. Auch ein Auto sei auf der Brücke
       verunglückt – wegen des starken Windes könnten aber keine
       Abschleppfahrzeuge zur Unfallstelle fahren, teilte die Polizei mit.
       Außerdem stürzte ein Baum auf die Autobahn 21 – insgesamt acht Menschen
       wurden dabei leicht verletzt.
       
       In einer früheren Version schrieben wir, dass der Kandidat der
       Piratenpartei in Beelitz seinen Wahlkampf beendet hätte. In einer
       Pressemitteilung am Sonntag erklärte er: „Wie …mitgeteilt, haben wir aus
       Respekt vor den Angehörigen des Verunfallten die Planen der Bauzäune
       abgehangen. Ich möchte sie bitten, irgendwie richtigzustellen, dass ich
       nicht den Wahlkampf komplett beende.“
       
       30 Jan 2022
       
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