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       # taz.de -- Internet in Peking: Olympische Mauer
       
       > Die digitale Freiheit für Olympiareporter endet im Hotel im dritten
       > Stockwerk. Versuche, die Hindernisse zu überwinden, werden schnell
       > unterbunden.
       
   IMG Bild: Olympiahotel: Schutzvorrichtungen gegen das Coronavirus und mitunter auch gegen freies Internet
       
       Durch das Hotel, in dem ich [1][in Peking] untergebracht bin, verläuft eine
       Mauer. Es ist die große olympische Mauer. Sie trennt die ersten beiden
       Stockwerke von den höher gelegenen Etagen. Unten gibt es das olympische
       Internet, wo mir alle Websites und Dienste zur Verfügung stehen, die ich
       auch zu Hause in Berlin nutze. Oben im dritten Stock, in dem mein Zimmer
       liegt, kann ich nur das aufrufen, was im nichtolympischen China erlaubt
       ist. Komme ich nach getaner Arteit in mein Zimmer, erlebe ich die
       vielleicht einzigen chinesischen Momente meiner Reise zu den Spielen. Das
       ist gar nicht mal so einfach, denn ich muss auf einiges verzichten.
       
       Ich kann keine Nachricht über Whatsapp schicken. Und andere
       Messengerdienste verweigern mir ebenfalls die Kommunikation. Ich bin
       abgehängt [2][von Facebook] und Twitter, was zwar ungewohnt ist, aber
       irgendwie auch wurscht. So kann ich mir nicht anschauen, welche Story die
       chinesisch-amerikanische Postersportlerin Eileen Gu auf Instagram gerade
       wieder rausgehauen hat. Als ihr vorgeworfen wurde, dass ihre Fans in China
       ihr sowieso nicht folgen können, meinte sie in einer Antwort auf Instagram,
       jeder könne sich doch einen VPN-Tunnel legen, auf dass ihm die
       nichtchinesische Welt offenstehe.
       
       Der Post ist längst wieder gelöscht und ich denke mir, dass es so einfach
       nun auch wieder nicht ist mit den Tunneln. Denn der Weg unter der Großen
       Firewall der Chinesen hindurch, den mir die Techniker der taz gewiesen
       haben, funktioniert nicht mehr. Zwei Tage lang konnte ich damit über den
       Umweg Deutschland ins Netz. Dann ging nichts mehr. Auch meine Mails kann
       ich auf dem Hotelzimmer nicht abrufen.
       
       Dazu muss ich runtergehen ins Foyer, wo das Olympianetz herrscht, zu dem
       alle Zugang haben, deren Akkreditierungsnummer dafür freigeschaltet ist.
       Die freundlichen Damen und Herren vom Hygieneteam, von denen ich leider
       nicht weiß, wie sie aussehen, weil sie wirklich immer diese weißen
       Ganzkörperanzüge, Schutzbrillen, Haarnetze und Masken tragen, gehören nicht
       dazu.
       
       Aber auch meine Versuche, die Mauer zu überwinden, scheitern. Die Anmeldung
       beim chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo misslingt. Die
       Bestätigungs-SMS auf mein Handy, die es für die Anmeldung braucht, will
       einfach nicht ankommen. Wie lautet nochmal das Motto der Spiele, das auch
       an dem blickdichten Zaun aufgetragen ist, der mein Olympiahotel von
       Restchina abtrennt? „Together for a shared future“. Nun ja.
       
       18 Feb 2022
       
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