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       # taz.de -- Impfstoffproduktion in Afrika: Umstrittene Container
       
       > Biontech plant, mobile Produktionsanlagen für die Herstellung von
       > Impfstoffen in Afrika aufzustellen. Das gefällt nicht allen.
       
   IMG Bild: Biontech-Gründer Ugur Sahin stellte seine Pläne für die Herstellung von Impfstoffen in Afrika vor
       
       KAMPALA taz | Es war ein großes Medienevent: Der Marburger
       Impfstoffhersteller [1][Biontech], der eine Patentfreigabe strikt ablehnt,
       lud am Mittwoch afrikanische Staatspräsidenten in das Werk nach Deutschland
       ein. Ruandas Präsident Paul Kagame und dessen Amtskollege aus Senegal,
       Macky Sall sowie Nana Akufo-Addo aus Ghana sind nach Marburg gereist, um
       sich die deutsche Impfstoffproduktion anzusehen. Gemeinsam mit WHO-Direktor
       Tedros Ghebreyesus und Biontech-Gründe Ugur Sahin sollte dort der Start von
       Biontechs Afrika-Offensive gefeiert werden.
       
       Biontech plant in Afrika mobile Produktionsanlagen für Impfstoffe
       hochzuziehen. Die sogenannten Biotainer sollen in Senegal, Ruanda und
       eventuell in Südafrika aufgestellt werden. In den Containern könnten laut
       dem Unternehmen nicht nur Corona-Impfstoffe, sondern auch [2][Malaria]-
       oder Tuberkulosevakzine produziert werden. Sehr schlau hatte Biontech schon
       im Oktober 2021 angekündigt, das erste Werk im Senegal zu bauen.
       
       Da war bereits seit acht Monaten klar, dass dessen Präsident Macky Sall im
       Februar 2022 den Vorsitz der AU übernehmen würde. Kurz nach seiner Wahl
       Anfang Februar hatte Sall noch gesagt, dass Ziel der AU sei, „unsere
       pharmazeutische und medizinische Souveränität so schnell wie möglich
       sicherzustellen“. Am Mittwoch in Marburg klang er konzilianter: Der Besuch
       sei „ein weiterer wichtiger Meilenstein in Senegals Ziel, eine durchgängige
       Impfstoffproduktion in Afrika und für Afrika zu schaffen“. Er freue sich
       auf die Zusammenarbeit mit BioNTech bei der Installation des modularen
       Produktionssystems für die Herstellung von mRNA-Impfstoffen in Dakar in den
       kommenden Monaten.
       
       „Plan dauert zu lange“ 
       
       99 Prozent aller Impfstoffe in Afrika werden importiert. Ziel der AU ist
       es, mit eigenen Produktionsstätten dafür zu sorgen, dass die Hersteller
       Afrikas Interessen zuerst im Blick haben. Doch gegen die
       Biontech-Initiative gibt es viel Kritik: „Mit dem Bau der Werke unter
       europäischer Regie wird versucht, die Kernforderung der AU zu übergehen und
       den Afrikanern Wissen und Preisgestaltung vorzuenthalten“, sagt Anne Junge
       von medico international.
       
       Ärzte ohne Grenzen weisen zurecht daraufhin, dass der Biontech-Plan zu
       lange dauert: Wir haben in einer Studie 120 Pharmafirmen im Globalen Süden
       identifiziert, die in der Lage sind, innerhalb von Monaten in die
       Produktion von mRNA-Impfstoffen einzusteigen, würde Biontech einem
       Technologietransfer zustimmen“, so Lara Dovifat, Impfstoffexpertin von
       Ärzte ohne Grenzen. Es gibt also viel zu diskutieren bei dem
       EU-Afrika-Gipfel diese Woche: Den „runden Tisch zu Gesundheitssystemen und
       Impfstoffproduktion“ leitet unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz.
       
       16 Feb 2022
       
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