URI:
       # taz.de -- Kriegsgefahr in der Ukraine: Bange Blicke gen Osten
       
       > Die USA warnen vor einem unmittelbaren Angriff Russlands auf die Ukraine.
       > Doch andere Länder schätzen die Gefahr als weit geringer ein.
       
   IMG Bild: Abwarten und Fahne schwenken: Demo in Kiew wegen des Konflikts mit Russland am Samstag
       
       Kiew taz | Noch drei Tage bis zur Intervention“ betitelt das oppositionelle
       ukrainische Portal strana.best einen Artikel zu einem womöglich
       bevorstehenden russischen Angriff auf die Ukraine. Am Mittwoch soll
       Russland in der Ukraine einmarschieren, glaubt zumindest US-Präsident Joe
       Biden nach Angaben der Plattform [1][politico.com]. Insbesondere Israel
       nimmt sich die US-Warnung zu Herzen, die israelische Zeitung [2][Ha’a]retz
       berichtet, die israelische Regierung habe Warnungen aus den USA erhalten,
       dass der Einmarsch möglicherweise auch schon am Dienstag stattfinden werde.
       
       Israel und die USA stehen mit ihrer Furcht vor einem russischen Einmarsch
       nicht allein. 35 Staaten haben mittlerweile ihre Bürger:innen
       aufgerufen, die Ukraine zu verlassen, da sie einen militärischen Konflikt
       befürchten. Dazu gehörten Australien, Großbritannien, Lettland, Kanada,
       Griechenland, Neuseeland, die Niederlande, Norwegen, Finnland, Südkorea,
       Japan, Belgien, Deutschland, Litauen, Kuwait und der Irak.
       
       Deutschland hat sein Konsulat von der ostukrainischen Stadt Dnipro nach
       Lwiw verlegt, auch das US-Konsulat ist bereits nach Lwiw umgezogen, wo es
       allerdings nur sehr eingeschränkte Leistungen anbietet. Gleichzeitig haben
       die USA sämtliche Militärberater aus der Ukraine abgezogen, berichtet
       Pentagon-Sprecher John Kirby auf Twitter.
       
       Zuvor hatten bereits die britischen Militärberater das Land verlassen.
       Lettland hat sich bereit erklärt, im Kriegsfall zehntausend ukrainische
       Flüchtlinge aufzunehmen, berichtet die Wochenzeitung Dserkalo Tyschnja. In
       der Ukraine selbst ist von Panik wenig zu spüren. Im Straßenbild sieht man
       keine Militärs, Reservisten wurden nicht einberufen. Der Abgeordnete Wadim
       Rabinowitsch von der Oppositionsplattform für das Leben berichtet indes auf
       seiner Facebook-Seite, dass man Abgeordneten nun eine Ausreise untersagt
       habe.
       
       ## Immer mehr Flüge gecancelt
       
       Die Türkei sieht keine Anzeichen eines bevorstehenden russischen
       Einmarsches. In seiner Einschätzung beziehe sich das türkische
       Außenministerium auf seine Kanäle in Belarus und Russland, berichtet das
       Portal strana.best. Auch Frankreich sehe keine Anzeichen eines
       bevorstehenden Einmarsches, heißt es weiter.
       
       Und der Abgeordnete der ukrainischen Regierungspartei Diener des Volkes,
       [3][Egor Tschernew], der der Vorsitzende der ukrainischen Delegation bei
       der Parlamentarischen Versammlung der Nato ist, sieht in der Kampagne um
       einen russischen Einmarsch eine „Spezialoperation der USA“, deren Aufgabe
       es sei, Russland zu dämonisieren und die Nato zu mobilisieren.
       
       Unterdessen werden immer mehr Flüge von der Ukraine und in die Ukraine
       gecancelt. So musste am Sonntag ein Flug der Fluggesellschaft SkyUP von
       Funchal nach Kiew im moldauischen Chișinău außerplanmäßig landen, nachdem
       der Besitzer des Flugzeugs der Fluggesellschaft während des Flugs ein
       Anfliegen der Ukraine untersagt hatte.
       
       Die Reisenden wurden dann mit vier Bussen in die Ukraine gebracht.
       Möglicherweise werden in der kommenden Woche viele Flüge ausfallen.
       strana.best berichtet unter Berufung auf eine eigene Quelle, bei den
       Versicherern von Flugzeugen gäbe es aktuell Pläne, ab Montag die
       Versicherungsgarantien für Flüge über der Ukraine zurückzuziehen. Damit
       wäre dann der internationale Flugverkehr der Ukraine weitgehend
       paralysiert.
       
       Unterdessen hat der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine
       am Freitag einen weiteren oppositionellen Fernsehsender, den Kanal Nasch,
       vom Äther genommen. Man habe sich zu dieser Entscheidung durchgerungen,
       zitiert das Portal poglyad.tv den Chef des Sicherheits- und
       Verteidigungsrates, Olexij Danilow, nachdem der Inlandsgeheimdienst SBU
       antiukrainische Propaganda bei Live-Sendungen des Kanals Nasch festgestellt
       habe. Der Besitzer des Kanals, Jewgeni Murajew, 45, wehrt sich gegen den
       Vorwurf, er sei prorussisch.
       
       Russland habe ihn auf eine schwarze Liste gesetzt und verweigere ihm so
       seit nun schon vier Jahren die Einreise.
       
       Vor einem Jahr hatte der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat den
       Sendern 112.ua, Zik, Newsone, Ukrlive und Pershij Nesaleshnij, die dem
       prorussischen Politiker Viktor Medwetschuk zugerechnet werden, die
       Sendegenehmigung entzogen. Wenig später löschte auch Youtube auf Betreiben
       der ukrainischen Regierung deren Accounts.
       
       13 Feb 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.politico.com/newsletters/national-security-daily/2022/02/11/putin-could-attack-ukraine-on-feb-16-biden-told-allies-00008344
   DIR [2] https://www.haaretz.com/israel-news/.premium-israel-s-foreign-ministry-declares-state-of-emergency-over-russia-ukraine-tensions-1.10607522
   DIR [3] https://www.facebook.com/cherneve
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bernhard Clasen
       
       ## TAGS
       
   DIR IG
   DIR Russland
   DIR Nato
   DIR Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
   DIR Wladimir Putin
   DIR Russland
   DIR Russland
   DIR Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
   DIR Ukraine
   DIR Russland
   DIR Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Sicherheitsexperte über Energiepolitik: „Russland mangelt es nicht an Geld“
       
       Der estländische Verteidigungsexperte Kalev Stoicescu erklärt, wie und
       warum Europa sich von russischem Gas unabhängig machen sollte.
       
   DIR Russland-Nato-Krise: Kiew fordert Ultimatum von Scholz
       
       Kanzler Scholz besucht Moskau. Die USA schließen ihre Botschaft in Kiew.
       Und die Linkspartei bringt Merkel als Vermittlerin ins Gespräch.
       
   DIR Konflikt zwischen Russland und Ukraine: In der Vorkriegszeit
       
       Jeden Tag gibt es neue düstere Vorhersagen darüber, wann ein Krieg in der
       Ukraine beginnen könnte. Warum die Stimmung so bedrohlich erscheint.
       
   DIR Kiewer Stimmen zum Ukraine-Konflikt: „Ich weiß, was Krieg ist“
       
       Die Menschen in der Ukraine scheinen relativ gelassen mit der Kriegsgefahr
       umzugehen. Über ihre Angst vor dem Krieg schweigen die meisten.
       
   DIR Scholz vor Reise nach Kiew und Moskau: Auf schwieriger Mission
       
       Am Montag reist Olaf Scholz nach Kiew, dann nach Moskau. Die Lage sei
       „sehr, sehr ernst“, sagt der Kanzler.
       
   DIR Estland und sein großer Nachbar: Hart an der Grenze
       
       Im Osten Estlands treffen die EU und Russland aufeinander, viele Menschen
       dort haben russische Wurzeln. Wie blicken sie auf den Ukraine-Konflikt?