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       # taz.de -- Facebook droht mit Aus in Europa: Der alte Mann und das Meta
       
       > Der Meta-Konzern droht in einem internen Bericht, Facebook und Instagram
       > in Europa abzuschalten. Unser Autor fände den digitalen Zwangsdetox
       > super.
       
   IMG Bild: Leben ohne Facebook: ungeahnte Aussichten auf eine nicht mehr für möglich gehaltene Lebensqualität
       
       Zum ersten Mal seit 2004 [1][hat Meta] weniger User als im Quartal zuvor,
       was den Börsenwert des Social-Media-Unternehmens um 240 Milliarden Dollar
       verringert – ein Erdrutsch sondergleichen.
       
       Wer aber ist [2][überhaupt diese Meta]? Nun, wer wie ich immer noch nicht
       mitbekommen hat, dass das Unternehmen Facebook schon seit Oktober 2021
       „Meta“ heißt, sagt wahrscheinlich zu Twix auch noch Raider, zu einem Tesla
       „Automobil“ und zu einem Boomer „junger Mann“. Genau dieses aus der Zeit
       Gefallene prägt mittlerweile die Meta-Gemeinde.
       
       Der Nachwuchs fehlt. Facebook ist längst ein Medium für uns Alte. Meine
       zahllosen Nichten und Neffen treiben sich dort schon lang nicht mehr herum.
       Na gut, so kann ich ihnen eben auch nicht zum Geburtstag gratulieren, das
       kriegen die dann ja gar nicht mit, wenn bei mir aufpoppt: „Krethi und
       Plethi haben Geburtstag. Hilf ihnen beim Feiern!“
       
       Ich bin ohnehin ein böser Onkel, doch damit automatisch auch ein guter
       Facebook-Kunde. So ist es der eigentlich ja zu begrüßende Rückgang an bösen
       Onkels dieser Welt, der dem Medium so zu schaffen macht. Die einen sterben,
       die andern gehen ins Gefängnis, die dritten rüber zu Telegram.
       
       Doch nicht nur demografische beziehungsweise Mentalitätsverschiebungen und
       Konkurrenz wie Tiktok lassen dem ergrauten Riesen die Luft aus dem
       Rollator, sondern auch sein eigener Hang zur Selbstzerstörung. Die
       [3][fiesen europäischen Datenschutzregulierungen] verhindern den Transport
       europäischer Kundendaten auf US-amerikanische Server.
       
       ## Beleidigte Leberwurst
       
       „So kann ich nicht arbeiten“, [4][kontert Meta] diese unbequemen
       Altwelt-Rudimente von Recht, Demokratie und Gesellschaftsgedanken. Und
       belegt sich daraufhin ein Eigentor dick mit beleidigter Leberwurst in
       Gestalt der Drohung, Facebook sowie dessen eingeborenen Sohn Instagram in
       Europa stillzulegen.
       
       Ein sterbender alter Arsch, den niemand mag, droht, sich allein im Wald in
       die Luft zu sprengen. So what? Es wäre im Grunde gar zu schön. Auch wir
       mittelalten bösen Onkels und Tanten würden davon profitieren. Schließlich
       hält selbst uns oftmals nur noch der Sucht- und Gewohnheitsfaktor bei der
       Stange.
       
       Das verheißungsvolle Versprechen des Netzwerks, uns aus seinen Maschen zu
       entlassen, sollten auch wir als Chance begreifen. Ein Entzug ist möglich
       und eröffnet uns ungeahnte Aussichten auf eine nicht mehr für möglich
       gehaltene Lebensqualität.
       
       Unser Leben wird nicht nur schöner, sondern obendrein länger. Zum einen
       gefühlt, zum anderen aber auch in Wirklichkeit. Denn der Blutdruck sinkt
       wieder auf ein gesundes Maß, sobald wir nicht mehr jeden Morgen beim Öffnen
       des teuflischen Mediums von aggressiven Rants schlechtgefickter Best Ager
       angeschrien werden.
       
       ## Es wartet das gute Gespräch
       
       Schluss auch mit der permanenten Zeitverbrennung auf dem Scheiterhaufen
       eines sinnentleerten, eskapistischen Medienkonsums. Der digitale
       Zwangsdetox reißt uns endlich aus unserer Komfortzone, die doch nur ein
       goldener Käfig aus eitlen Ablenkungen ist. Auf dem Sofa wartet nun das gute
       Gespräch, im Bett das gute Buch und in der Wanne das gute Badeentchen.
       
       Manchmal male ich mir in meinen Träumen aus, wie die Befreiung aussehen
       wird: In der Silvesternacht von Sankt Nimmerlein auf Armageddon werden bis
       kurz vor Ultimo, wie seit Wochen schon, nur noch Katzenvideos zu
       klassischer Musik (Moll!) gezeigt. Um Mitternacht verabschiedet sich Mark
       Zuckerberg mit seiner vorgezogenen Neujahrsansprache. „Thank you and
       goodbye …“
       
       An dem Äuglein-Symbol oben in der Live-Übertragung sieht man, dass weltweit
       nur noch elf Leute zugucken. Die Letzte macht dann das Licht aus.
       
       7 Feb 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Facebooks-neuer-Name/!5808878
   DIR [2] /Facebooks-Metaverse/!5812202
   DIR [3] /Facebook-schafft-Gesichtserkennung-ab/!5809449
   DIR [4] https://d18rn0p25nwr6d.cloudfront.net/CIK-0001326801/14039b47-2e2f-4054-9dc5-71bcc7cf01ce.pdf
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Uli Hannemann
       
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