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       # taz.de -- Reinlichkeits-Kult in Peking: Putzige Roboter für die Hygiene
       
       > Der Alltag bei den Olympischen Spielen ist von Desinfektion geprägt.
       > Menschen und Maschinen wischen und reinigen alles, was irgendwo
       > auftaucht.
       
   IMG Bild: Und täglich grüßt der Coronatest
       
       Nun bin ich also drin in der Blase, „within the closed loop“, wie es in der
       Olympiasprache von Peking heißt. Ich gehöre dazu. Aber überall, wohin ich
       meinen Fuß setze, wird mir klargemacht, [1][dass ich unrein bin]. Pffft,
       pffft. Kaum habe ich den Stuhl verlassen, auf dem ich saß, als ich mein
       Frühstück eingenommen habe, wird er desinfiziert.
       
       Verlasse ich das Hotel, muss ich durch eine Sicherheitsschleuse, die von
       vier jener weiß gekleideten Hygieneoffiziere betrieben wird, die mich
       streng durch ihre Arbeitsschutzbrillen anschauen.
       
       Vor dem Hotel winkt mir eine nett lächelnde ältere Dame entgegen. Sie sitzt
       in dem Container, an dem mir jeden Morgen ein Rachenabstrich für den
       täglichen PCR-Test genommen wird. Ihre Arme stecken in zwei riesigen
       Gummihandschuhen, die aus dem Container ragen. So kann sie mich
       gewissenhaft mit dem Abstrichstäbchen bearbeiten, ohne mir wirklich
       nahezukommen.
       
       Das erste, was ich dann sehe, wenn ich das Pressezentrum betrete, ist der
       putzige Roboter, der den grau lackierten Betonboden dieses riesigen
       Gebäudes putzt. Er ist nicht alleine. Er teilt sich die Arbeit mit fünf
       Frauen, die mit ihren großen Wischmopps in der Eingangshalle auf- und
       abmarschieren. Eine sitzt auf einer Art Putztraktor mit Wischvorrichtungen
       vorne dran und hinten.
       
       ## Hilfe nach dem Stuhlgang
       
       Wenn ich mit der Rolltreppe runter in den Arbeitsraum fahre, muss ich an
       einem Mann vorbei, der während dieser Winterspiele dafür zuständig ist, den
       Handlauf zu reinigen. Steht er den ganzen Tag da? Pffft, pffft.
       
       Komme ich im Gang zu den Toiletten jenen runden Tonnen zu nahe, die mich so
       nett anblinken, öffnen sie ihren Deckel und bieten mir an, Müll in ihnen zu
       entsorgen. Wahrscheinlich kann man diese Mülltonnen auch mit dem Internet
       verbinden, denke ich mir und frage mich, ob die [2][Digitalisierung]
       wirklich auch beim Mülleimer ankommen muss.
       
       Wenn ich dann die Toilette betrete, begrüßt mich ein Mann mit einem
       Zerstäuber in der Hand. Nach jedem Klogang macht er sich ans Werk. Pffft,
       pffft. Wenn ich die Tür vom Sitzabort nach getanem Geschäft öffne, steht er
       schon da und zwängt sich an mir vorbei in die Kabine. Ich bin froh, dass er
       nicht schon vorher eingedrungen ist, um mir bei der Körperreinigung
       behilflich zu sein. Da wäre mir, wenn überhaupt, ein Roboter lieber. Der
       Mann im Klo jedenfalls schaut so streng, dass ich mir die Hände so lange
       wasche, wie man es mir damals zu Beginn der Coronapandemie beigebracht hat.
       
       Bin ich jetzt sauber? Pffft, pffft. Kaum habe ich das Waschbecken
       freigegeben, wird es desinfiziert.
       
       6 Feb 2022
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Rüttenauer
       
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