# taz.de -- Aus für Tennisprofi Novak Đoković: Der „Djoker“ hat sich verrechnet
> Đoković wird in seiner serbischen Heimat gefeiert. Das Volk, das sich
> gern benachteiligt fühlt, stellt sich geschlossen hinter den Tennisprofi.
IMG Bild: Kann sich erst einmal ausruhen: Tennisprofi Đoković darf nicht bei den Australian Open mitspielen
Für Novak Đoković war alles angerichtet. In Melbourne wollte sich der
Ausnahmeathlet mit seinem zehnten Turniersieg bei den Australian Open und
seinem dann 21. Grand-Slam-Titel zum alleinigen Rekordchampion küren.
Niemand, so schien es, hätte sich dem „Djoker“ auf dem Weg zur
Krönungsmesse in den Weg stellen können. Nun wird Đoković [1][von einem
Gegner ausgebremst], den er und seine ihm verfallenen Fans nicht auf dem
Schirm hatten: seiner eigenen grenzenlosen Borniertheit.
Die Regeln waren stets klar: Eine Einreise nach Australien, das aktuell
unter einer Inzidenz von knapp 3.000 stöhnt, setzt für Ausländer einen
vollständigen Impfschutz voraus. Ohne Wenn und Aber. Novak Đoković wollte
das nicht wahrhaben. Als erfolgreicher Profisportler und Multimillionär
wähnte er sich über Recht und Gesetz erhaben. Und wurde eines Besseren
belehrt.
Doch schon lange geht es in diesem ganzen Theater nicht mehr um einen
einzelnen Sportler. Um Novak Đoković wurde ein abstruser Opferkult
konstruiert, der aktuell prominenteste Sohn Serbiens avancierte zum Symbol
seiner Heimat – einer Nation, die traditionell dazu neigt, sich
benachteiligt zu fühlen. Und zum [2][Helden der Unvernünftigen und
Ignoranten aller Welt], die sich zu Erwachten und Rebellen verklären.
Novaks Vater Srdjan Đoković sparte zuletzt nicht mit Pathos, erklärte
seinen Sohn ironiefrei zum „Führer der freien Welt“ und verglich ihn gar
mit Jesus Christus. Diese „freie Welt“ stünde geschlossen hinter Novak,
erklärte Srdjan und zählte auf: den Balkan, den Nahen und Fernen Osten,
China, Indien, ganz Afrika und „Mütterchen Russland“. Für westliche
Nationen blieb kein Platz in dieser Riege.
Serbiens Präsident Aleksandar Vučić, der 1998 als Informationsminister
unter dem nationalistischen Kriegsverbrecher Slobodan Milošević die freie
Presse unterdrücken ließ, palavert unterdessen von „unerbittlicher
politischer Verfolgung“. Von einer angeblichen Hexenjagd auf Novak Đoković,
der als Serbe davon abgehalten werden soll, den Schweizer Roger Federer und
den Spanier Rafael Nadal abzuhängen.
So versammelt er die Mehrheit einer Nation hinter sich, die dem Westen
spätestens seit den jugoslawischen Nachfolgekriegen mit Skepsis und
Ablehnung begegnet. Ihm gegenüber steht die Regierung Australiens, die es
kaum hätte rechtfertigen können, einem prominenten Impfverweigerer in
seiner Hybris eine Extrawurst zu braten. Australiens Politik und Justiz
haben gezaudert, jedoch letztlich das einzig Richtige getan. Denn Novak
Đoković ist weder Held, Symbol noch Opfer. Sondern schlicht ein einfältiger
und [3][arroganter Egoist].
17 Jan 2022
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## AUTOREN
DIR Mirko Schmid
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