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       # taz.de -- Spannung zwischen Gaza und Israel: Angst vor dem nächsten großen Knall
       
       > Der Hungerstreik eines Palästinensers in israelischer Haft könnte zur
       > Eskalation führen. Der „Islamische Dschihad“ droht mit einer „Explosion“.
       
   IMG Bild: Solidaritätsdemonstration für den hungerstreikenden Hisham Abu Hawash in Ramallah am 2. Januar
       
       Tel Aviv taz | Es könnte der Funke sein, der eine erneute Eskalation
       zwischen den militanten Organisationen Hamas und „Islamischer Dschihad“ im
       Gazastreifen und in Israel herbeiruft:
       
       Der Islamische Dschihad warnte vor einer „Explosion“, sollte der sich in
       israelischer [1][Verwaltungshaft] befindende Hisham Abu Hawash sterben. Abu
       Hawash befindet sich seit mehr als 140 Tagen im [2][Hungerstreik], um gegen
       seine Inhaftierung zu protestieren.
       
       Verwaltungshaft bedeutet, dass ein Gefangener ohne Prozess und Anklage auf
       unbestimmte Zeit festgehalten werden kann. Knapp 500
       Palästinenser*innen werden derzeit in Verwaltungshaft in israelischen
       Gefängnissen festgehalten.
       
       „Ein Streichholz genügt“, sagt Nahost-Experte Yoram Meital. Daran habe sich
       seit vergangenem Mai, als die Situation mit einem elf Tage dauernden Krieg
       zwischen der militanten, den Gazastreifen kontrollierenden Hamas und Israel
       eskalierte, nichts geändert.
       
       ## Zentrale Konflikte zwischen Israel und Gaza ungelöst
       
       Am vergangenen Samstag flogen von Gaza aus zwei Raketen nach Israel, die im
       Meer vor Tel Aviv landeten. Die Hamas sagte, dass die Wetterverhältnisse
       den Abschuss ausgelöst hätten. Das israelische Militär griff in Folge laut
       dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett eine Raketenwerkstatt
       und Stützpunkte der Hamas an.
       
       Das grundlegende Problem sieht Meital darin, dass der [3][Krieg im Mai]
       allein mit der Vereinbarung beendet wurde, die Waffen ruhen zu lassen –
       nicht mit einem ausgehandelten Waffenstillstand, der zentrale
       Konfliktpunkte zwischen den Parteien beseitigt hätte.
       
       Zentrale Konflikte sind auch acht Monate nach der letzten Eskalation noch
       ungeklärt, etwa um den Geldtransfer aus Katar nach Gaza.
       
       Israel ist dabei, einen überwachten Weg für den Geldtransfer zu finden, was
       die Hamas ihrer Haupteinnahmequelle berauben und die militante Organisation
       bedrängen dürfte. Bis zum Mai kam das Geld in Koffern mit Bargeld über die
       Grenze, vieles davon ist Medienberichten zufolge direkt in die Hände der
       Hamas geflossen. Hamas verliert nun laut Nahost-Experten Meital innerhalb
       des Gazastreifens an Popularität, auch angesichts der sich dramatisch
       verschlechternden Lebensbedingungen der Bevölkerung.
       
       ## Hamas profitiert im Westjordanland
       
       Auch gab es bisher keine Einigung in Sachen Gefangenenaustausch. In den
       Händen der Hamas befinden sich die Leichen der zwei im Krieg von 2014
       getöteten israelischen Soldaten. Außerdem vermutlich zwei israelische
       Gefangene, die unabhängig voneinander 2014 und 2015 mit unklarer Motivation
       die Grenze nach Gaza selbst passiert haben. Anstrengungen, diese gegen
       Palästinenser*innen in israelischen Gefängnissen auszutauschen,
       scheiterten bisher.
       
       Hamas’ Taktik gegen finanzielle Bedrängnis und sinkende Beliebtheit im
       Gazastreifen war schon im vergangenen Krieg, sich als Beschützer der
       palästinensischen Sache zu gerieren. Damit konnten sie vor allem unter den
       Palästinenser*innen Ostjerusalems und im Westjordanland enorm an
       Popularität gewinnen.
       
       Die wenigsten Palästinenser*innen dort fühlen sich noch von dem mit
       autoritärer Hand regierenden, 86-jährigen Mahmoud Abbas vertreten. 75
       Prozent der Palästinenser*innen im Westjordanland fordern seinen
       Rücktritt.
       
       Gleichzeitig ist die Frustration unter Palästinenser*innen angesichts
       von zunehmender Siedlergewalt im Westjordanland groß, genauso wie
       angesichts der als Symbol dienenden Situation im Ostjerusalemer Stadtteil
       Sheikh Jarrah, die im Mai mit zu der Eskalation beigetragen hatte. Nach wie
       vor sind dort Palästinenser*innen von Zwangsräumung bedroht. Für
       viele Palästinenser*innen steht dieser Konflikt stellvertretend für
       eine politische Absicht von israelischer Seite, die
       Palästinenser*innen aus der umkämpften Stadt Jerusalem zu vertreiben.
       
       Hoffnung auf Ruhe wird überschattet von vielen Gründen für eine erneute
       Eskalation.
       
       3 Jan 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Palaestinenser-in-Israels-Gefaengnissen/!5811048
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   DIR [3] /Menschenrechtler-zu-Gefechten-in-Nahost/!5790222
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Judith Poppe
       
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