# taz.de -- Deutschland im zweiten Corona-Winter: Luxusware PCR-Test
> Kostenloser Nachcheck nach positivem Selbsttest: Ist doch ganz einfach?
> Von wegen – in der Pandemie stehen Menschen mit weniger Geld wieder an.
IMG Bild: Warten auf den Test: Schlange vor einem landeseigenen Testzentrum in der Berliner Leinestraße
Letztens twittert jemand einen abfotografierten positiven Schnelltest:
„Jetzt wird es richtig teuer.“ Er befindet sich in einem anderen Land, wo
ein PCR-Test wohl sehr teuer ist. Ich denke: Zum Glück bin ich in
Deutschland!
Kurz darauf: Bumm, positiver Schnelltest. Google sagt, dass mich ein
PCR-Test mit einem Ergebnis am nächsten Tag 54,90 Euro kostet,
„Same-day-PCR-Test“ 74,90 Euro, „Express-Test“ in 3,5 bis 4,5 Stunden für
99 Euro. Peanuts. Irgendwann hatte ich aus den Coronanews aber
herausgefiltert, dass man bei positivem Schnelltest oder Corona-App-Warnung
einen kostenlosen PCR-Test bekommt. SPD, Hartz IV, aber [1][Deutschland
immer noch stabil,] immer noch Sozialstaat, freue ich mich.
Im privaten Testzentrum, dessen Räume an eine großzügig geschnittene
Kunstgalerie oder eine minimalistische Hipsterbäckerei im Hamburger
Schanzenviertel erinnern, lehnt man mich freundlich, aber bestimmt ab.
Die zuvorkommenden Mitarbeiter:innen (zu welchen Bedingungen
arbeiteten sie hier wohl?) haben aber eine Liste der landeseigenen
Testzentren ausgedruckt, säuberlich in Klarsichtfolie verpackt und auf dem
Tresen so positioniert, dass sie sofort einen Finger drauflegen können:
nächstgelegene Station Müllerstraße, Wedding. Okay, cool, denke ich, ist
nicht weit weg. Dann schaue ich auf die Uhrzeiten: Ist schon Feierabend.
## Anlegen mit der Security?
Am nächsten Tag verweist mich dort ein hektischer, aber um Freundlichkeit
kämpfender junger Mann, der unter einem Pavillon hervorspringt, auf den
Barcode, der an einem Bauzaun hängt und vom Schneeregen durchfressen ist.
Ich scanne, aber kann mich nicht anmelden. Kein Netz. Überlastet?
Bevor ich das Problem angehen kann, pöbelt mich ein älterer Herr von der
Seite an. Der Mann reckt den Arm und zeigt in weite Ferne. Ich habe mich
unwissentlich vorgedrängelt, weil ich davon ausgegangen bin, dass die
Warteschlange hier endet. Also laufe ich los. Ich laufe und laufe. Und ich
erreiche das Ende in einer Parallelstraße. Hinter mir stellt sich eine Frau
an, die einen Roman liest. Der Roman wird immer nasser. Viele husten in der
Schlange. Nicht alle haben FFP2-Masken.
Ein Securitymann geht rum und schnauzt jene an, die nur eine medizinische
Maske tragen. Was sollen sie jetzt machen? Losgehen, die richtige Maske
besorgen und sich wieder ganz hinten anstellen? Oder sich mit der Security
anlegen? Laufend kommen neue Leute an. Sie reagieren unterschiedlich auf
die Schlange. Manche zögern keinen Moment, d[2][rehen sich um und gehen.
Zum privaten PCR-Express?] Andere reihen sich resigniert ein.
Nach knapp zwei Stunden steckt mir jemand in einem kleinen Raum mit nur
zwei Teststationen endlich einen Stab in den Rachen. Das Ergebnis wird in
24 bis 48 Stunden versprochen, es kommt nach 48 Stunden. Viele ältere und
migrantische Menschen scheiterten in der Teststation schon an der
Anmeldung. Ich hätte ihnen gerne geholfen. Aber mir war saukalt und ich
musste wieder ins Trockene kommen.
14 Jan 2022
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## AUTOREN
DIR Volkan Ağar
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