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       # taz.de -- Plastikmüll aus Deutschland in die Welt: Weniger Kunststoffabfall exportiert
       
       > Kritiker warnen vor Umweltschäden durch Müllexporte. Die grüne
       > Umweltministerin Steffi Lemke will die Ausfuhren weitgehend unterbinden.
       
   IMG Bild: Ein Zollbeamter vor einem Container mit Plastikmüll am Hafen von Tanjung Priok, Indonesien
       
       Berlin dpa | Deutsche Firmen haben 2021 deutlich weniger [1][Plastikmüll
       exportiert] als zuvor. Im vergangenen Jahr seien rund 697.000 Tonnen
       Kunststoffabfall ins Ausland transportiert worden und damit ein Drittel
       weniger als 2020, teilte der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-,
       Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) mit. Dabei geht es etwa um
       Industriefolien, Produktionsabfälle und Lebensmittelverpackungen. Auf Basis
       einer Branchenschätzung von 2019 fallen jedes Jahr in Deutschland etwa 6
       Millionen Tonnen getrennt gesammelte Kunststoffabfälle an.
       
       In Deutschland anfallender Plastikabfall muss verwertet werden. Er wird zu
       Kunststoffgranulaten verarbeitet oder endet als Brennmasse in Kraftwerken.
       Die Granulate werden zur Herstellung neuer Produkte genutzt, etwa
       Polyesterkleidung, Mülltüten oder Straßenpoller. Dies kann auch im Ausland
       geschehen.
       
       BDE-Chef Peter Kurth wertet den Rückgang der Exportmenge positiv. Es zeige
       sich, dass die Inlandsnachfrage nach den Rohstoffen gestiegen sei. Der
       Branchenvertreter gab aber zu bedenken, dass auch stärkere
       Importrestriktionen asiatischer Staaten und die Coronapandemie samt
       unterbrochener Lieferketten eine Rolle gespielt haben dürften. Der Rückgang
       sei aber so deutlich, dass man hieraus einen Trend ableiten könne, zumal
       schon im vergangenen Jahr die Exportmenge gesunken sei, so Kurth – damals
       um 9 Prozent.
       
       Änderungen gab es bei der Liste der Importeure. Jahrelang war China der
       Hauptabnehmer. Die Qualität des Abfalls, den China aus aller Welt
       importiert hatte, war mitunter gering, und er wurde nur teilweise
       ordnungsgemäß recycelt – andere Teile blieben als Müll in der Umwelt.
       Peking reagierte und verschärfte vor einigen Jahren die Importregeln für
       Abfälle. Die Müllströme verlagerten sich. Ab 2018 war Malaysia der
       abnehmerstärkste Importeur von deutschem Plastikmüll. Auch Indien,
       Indonesien und Vietnam bekamen größere Mengen. Das hatte Folgen. So sorgte
       deutscher Plastikmüll für Aufsehen, der in der Wildnis von Malaysia illegal
       deponiert worden war.
       
       ## Müllexporte nur noch in Recyclinganlagen
       
       Der neuen Statistik zufolge ist [2][Malaysia] von Platz 1 auf Platz 4 der
       stärksten Importeure deutschen Plastikmülls abgerutscht. Die Menge
       schrumpfte von 170.000 Tonnen auf 46.000 Tonnen. Neuer Spitzenreiter sind
       die Niederlande mit einer Kunststoff-Importmenge aus Deutschland von
       136.000 Tonnen, das waren 12 Prozent weniger als 2020. Ausfuhren in
       EU-Nachbarstaaten wie die Niederlande gelten als weniger kritisch, weil die
       Recycling-Standards dort ähnlich hoch sind. Die Türkei wiederum ist in dem
       neuen Ranking auf Platz 2, es ging einen Platz nach oben.
       
       [3][Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne)] will den Export von
       Plastikmüll ins Ausland weitgehend unterbinden. „Ich setze mich auf
       EU-Ebene für ein weitgehendes Exportverbot ein“, sagte die Ministerin dem
       Tagesspiegel. Das lasse sich sinnvollerweise aber nur im Rahmen des
       EU-Binnenmarkts regulieren, damit es in der Praxis nicht immer wieder
       unterlaufen werde. „Außerdem will ich schon bald mit den Bundesländern
       besprechen, wie wir den Vollzug der bestehenden Regeln verbessern können.“
       Im Ampel-Koalitionsvertrag ist vorgesehen, das der Export von Abfällen
       europarechtlich nur noch in „zertifizierten Recyclinganlagen“ möglich sein
       soll.
       
       Umweltschützer sehen das Thema Abfallausfuhren sehr kritisch. Sie warnen
       vor Umweltschäden, wenn der Müll in ärmeren Staaten landet und sein
       weiterer Verbleib kaum kontrolliert wird. So werde die Türkei nun zu einer
       „traurigen Nummer 2 der deutschen Plastikmüll-Exporte“, sagt
       Greenpeace-Expertin Viola Wohlgemuth. Dort seien in der Vergangenheit immer
       wieder nicht recycelbare Abfälle gelandet. „Die Belastung ist nun so groß,
       das die Türkei 2021 ein Importverbot für bestimmte Plastikabfälle, zum
       Beispiel den Import von gemischten sowie mechanisch sortierten
       Kunststoffen, erlassen hat.“ Die Verbotsvorgaben seien aber zu schwach,
       Importe von Müll aus Deutschland blieben in der Türkei ein Problem, sagt
       Wohlgemuth.
       
       11 Jan 2022
       
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