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       # taz.de -- Corona-Leugner auf den Straßen: Es dürfen nicht noch mehr werden
       
       > Man muss den Protesten der Rechten und Corona-Leugner die Luft nehmen.
       > Wir müssen uns um mehr Impf-Aufklärung bemühen. Ein Wochenkommentar.
       
   IMG Bild: Gegenprotest: Demo gegen Corona-Leugner*innen in Berlin
       
       Weit über 10.000 Menschen demonstrierten diese Woche in Berlin und
       Brandenburg gegen die Corona-Maßnahmen. Diese Proteste waren von
       Fehlinfomationen über das Virus begleitet, von Rechtsradikalität und Gewalt
       – [1][auch gegen JournalistInnen]. Neonazis haben das Gefühl, die Straßen
       gehörten ihnen und manch andere erleben das auch so.
       
       Es ist aber zum einen wichtig festzustellen, dass die Demonstrierenden
       nicht alle ungeimpft sind. Und dass zum anderen nicht alle Ungeimpften
       demonstrieren gehen. Selbst wenn alle Demonstrierenden in Brandenburg
       ungeimpft gewesen wären, würde sie nicht einmal 10 Prozent der ungeimpften
       Bevölkerung in Brandenburg ausmachen.
       
       Es gibt also zwei auseinanderklaffende Zahlen: Die Zahl der Ungeimpften,
       und die weitaus kleinere Zahl der Demonstrierenden. Die meisten Menschen,
       die sich bis heute nicht haben impfen lassen, wollen das auch nicht tun.
       Spätestens seit der Diskussion um eine wahrscheinlicher werdende allgemeine
       Impfpflicht könnten diese Menschen ihre Interessenvertretung bei den
       Demonstrationen suchen, wenn sie nicht das Gefühl haben, dass irgendjemand
       anderes ihre Impfangst ernst nimmt.
       
       ## Vorbild Bremen
       
       Die Differenz zwischen den Zahlen gibt aber auch Grund zu hoffen – dass man
       die schlecht Informierten vielleicht doch noch erreicht. Die Stadt Bremen
       ist mit [2][99,4 Prozent geimpften über 18 Jährigen], das Bundesland mit
       der höchsten Impfquote. Ihre Impfstrategie: Von Anfang an niedrigschwellige
       Angebote, besonders in strukturschwachen Stadtteilen.
       
       Die allermeisten Ungeimpften geben an, keine Impfgegner zu sein. So zeigen
       mehrere Studien – zuletzt von der [3][Hans-Böckler-Stiftung:] Sie haben
       Angst. Viele fürchten, dass die Impfstoffe nicht ausreichend getestet sind,
       haben Bekannte bei denen die Impfstoffe zu starken Nebenwirkungen geführt
       haben oder kennen Menschen, bei denen das Virus einen sehr harmlosen
       Verlauf nahm. Dabei sind überproportional viele Menschen mit geringem
       Einkommen und Migrationshintergrund ungeimpft, berichtet unter anderem das
       [4][Robert-Koch-Institut].
       
       Wir müssen uns fragen, wer hier eigentlich warum auf die Straße geht. Der
       Weg, die Demonstrationen zu stoppen sind Informationskampagnen, Dialog und
       Aufklärung. Man muss der rechten Hetze die Luft abdrehen, den Zulauf durch
       die Impfgegner*innen, die mit ihnen auf die Straße gehen. Auf den Demos
       selbst braucht es Infostände. Auch, weil es definitiv keine Entschuldigung
       dafür gibt, mit Nazis zu marschieren.
       
       25 Dec 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Angriffe-bei-Querdenken-Protest/!5817189
   DIR [2] https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Impfquotenmonitoring.html
   DIR [3] https://www.lohnspiegel.de/thematische-analysen-20014-geringverdienende-im-impfrueckstand-34150.htm
   DIR [4] https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Projekte_RKI/COVIMO_Reports/covimo_studie_bericht_8.pdf?__blob=publicationFile
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Hanno Rehlinger
       
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