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       # taz.de -- Atompolitik der EU: Streit gehört dazu
       
       > EU-Befürworter:innen, die Atomkraft ablehnen, bringt die Idee einer
       > klimafreundlichen Atomenergie in ein Dilemma. Der Kampf muss weitergehen.
       
   IMG Bild: Nach 35 Jahren endlich stillgelegt: Atomkraftwerk Brokdorf
       
       Es ist ein echter Schuss vor den Bug von Grünen. Ausgerechnet die
       hierzulande größten Fans des europäischen Projekts müssen nun wegstecken,
       dass ihre geliebte Europäische Union der Atomkraft [1][ein formidables
       Greenwashing verpasst]. Die Welt soll vor der Klimaerwärmung gerettet
       werden, indem man sie dem Risiko einer Jahrtausende währenden Verstrahlung
       aussetzt. So einen ökologischen Unsinn von politischen
       Mitstreiter:innen muss man erst mal verkraften.
       
       Damit nicht genug, strahlen konservative Möchtegernrechthaber auch noch vor
       Schadenfreude. Jetzt werde man sehen, wie europäisch die Grünen sind, die
       sonst stets Polen und Ungarn kritisieren, [2][höhnte etwa Ulf Poschardt von
       der Welt.] Da kann man sich schon mal grün ärgern.
       
       Aber sind die Grünen nun dazu verdonnert, den nuklearen Unsinn mitzutragen,
       wenn sie ihre transnationalen Ideale nicht verraten wollen? Im Gegenteil!
       Die EU lebt vom demokratischen Streit, vom Dissens, vom politischen
       Wettbewerb. Ganz ähnlich übrigens wie Deutschland, wo man über Jahrzehnte
       vehement die Atomkraft bekämpfen konnte, ohne gleich den demokratischen
       Staat in Gänze ablehnen zu müssen.
       
       Daher darf, ja muss sogar eine ökologisch geprägte Bundesregierung mit
       aller Vehemenz den Vorstoß der EU-Kommission zurückweisen. Und wenn Brüssel
       dennoch der [3][Atomlobby] den roten Teppich ausrollt, ist das zwar eine
       politische Niederlage. Aber selbst dann würde Deutschland keinesfalls dazu
       verpflichtet, qua europäischem Wert neue Reaktoren zu bauen.
       
       Wer das mit den erznationalen Regierungen in Polen und Ungarn auf eine
       Stufe stellt, die mit ihrem Vorgehen gegen die Pressefreiheit oder eine
       unabhängige Justiz gegen Grundpfeiler der EU verstoßen, spielt bewusst mit
       gezinkten Karten. Denn ein erbittert geführter Streit um die richtige
       Politik gegen den Klimawandel ist kein Verstoß gegen europäische Werte, er
       schmückt die Europäische Union, gerade weil man dabei verlieren kann.
       
       3 Jan 2022
       
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