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       # taz.de -- Debatte über Corona-Quarantäne: Tor auf für Omikron
       
       > Die Quarantänezeiten sollen verkürzt werden. Die Bevölkerung wird damit
       > den Preis für Versäumnisse bei der Pandemiebekämpfung zahlen.
       
   IMG Bild: Zuhausebleiben wegen Corona: dauert bald nicht mehr so lange
       
       Es ist nie falsch, über den eigenen Tellerrand zu gucken. Im Fall von
       Corona hat sich die deutsche Politik am Tellerrand allerdings häuslich
       eingerichtet – um zu warten. [1][Die Israelis boostern] und senken ihre
       Inzidenz? Super, dann machen wir das auch. Frankreich und Spanien verkürzen
       im Angesicht der neuen Omikron-Variante und deren rasanter Verbreitung die
       Quarantäne? Toll, uns fällt auch nichts Besseres ein.
       
       Und so steht kurz nach dem Jahreswechsel genau das auf dem Plan für [2][die
       kommende Ministerpräsidentenkonferenz]. Kontaktpersonen und Infizierte
       sollen früher raus aus Quarantäne und Isolation. Details sind unbekannt,
       aber die finden sich bis Freitag sicher noch.
       
       Immerhin, statt der Wirtschaft steht nun die [3][„kritische Infrastruktur“]
       im Fokus. Dass man den Betrieb von Feuerwehr, Polizei, Energieversorgern
       und medizinischen Einrichtungen schützen will, klingt auch vernünftig. Dass
       man sie schützen möchte, indem man potenziell oder nachweislich Infizierte
       frühzeitig in den Job zurückschickt, leuchtet weniger ein.
       
       Es zeigt eher, welchen Preis die Bevölkerung jetzt für das politische
       Zögern der vergangenen Monate zahlen muss. Denn wäre es mit zeitig
       eingeführten Maßnahmen gelungen, die Inzidenz vor der Ankunft von Omikron
       und darüber hinaus niedrig zu halten, hätte man es nach all den
       vollmundigen Ankündigungen tatsächlich geschafft, eine hohe Impfquote zu
       erreichen – man müsste die Infrastruktur jetzt nicht vor ihrem Kollaps
       bewahren, indem man das Risiko einer noch schnelleren Verbreitung eingeht.
       
       Normalerweise müssen Kontaktpersonen derzeit zehn Tage zu Hause bleiben,
       das ist bereits ein verkürzter Zeitraum gegenüber den ursprünglichen zwei
       Wochen. Er lässt sich mit einem negativen PCR-Test schon jetzt halbieren.
       Über die Isolationsdauer Infizierter entscheidet das zuständige
       Gesundheitsamt. Wer virusfrei ist, kann arbeiten, wer noch Virus
       produziert, bleibt isoliert. Was genau man daran noch verkürzen will, ohne
       dem Virus die Tore zu öffnen, ist gerade angesichts von Omikron vollständig
       schleierhaft.
       
       ## Vieles ist noch unklar bei Omikron
       
       Viele Fragen in Bezug auf die neue Virusvariante sind nämlich immer noch
       offen. Fest steht nur, dass Omikron ansteckender ist als Delta. Aber was
       das für die Dauer der Ansteckungsfähigkeit bedeutet, ob das Virus sich viel
       stärker oder viel länger vermehrt und Infizierte unabhängig vom Impfstatus
       infektiös sind – das ist bislang nicht ausreichend untersucht. Vieles ist
       noch unklar
       
       Es gibt deshalb bessere Mittel, um das Land und sein Gesundheitssystem über
       die kommenden Wochen hinaus am Laufen zu halten. Maßnahmen verschärfen,
       Inzidenz wieder senken – und endlich die Impfquote erhöhen. Das wäre doch
       eine gute Idee.
       
       3 Jan 2022
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Coronaimpfungen-in-Deutschland/!5809047
   DIR [2] https://www.ndr.de/nachrichten/info/Neue-Corona-Regeln-Das-gilt-im-Bund-und-in-Laendern,bundlaenderberatungen100.html
   DIR [3] /Omikron-Variante-gefaehrdet-Versorgung/!5821243
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Kathrin Zinkant
       
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