URI:
       # taz.de -- Russland und Putins Strategien: Auf Augenhöhe mit den USA
       
       > Menschenrechtsorganisation verboten, mit Biden telefoniert, die EU
       > düpiert – die letzte Woche des Jahres lief gut aus Putins Sicht.
       
   IMG Bild: Ausblick? Im Januar sollen die Gespräche vor allem über den Ukrainekonflikt weitergehen
       
       Die letzte Woche des Jahres lief für Russlands Präsidenten Wladimir Putin
       gut. Das jährliche Plansoll ist erfüllt. Das Projekt, [1][mit der
       Menschenrechtsorganisation Memorial endlich Tabula rasa zu machen], wurde
       erfolgreich abgeschlossen. Mit der fadenscheinigen Begründung, als
       „ausländische Agenten“ gegen Auflagen verstoßen zu haben, sind jetzt sowohl
       Memorial International als auch das gleichnamige Menschenrechtszentrum per
       Gerichtsurteil verboten.
       
       Immerhin meldete sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)
       zu Wort. Russland müsse die Umsetzung dieser Urteile so lange stoppen, wie
       die Straßburger Richter nicht über eine Klage russischer
       Nichtregierungsorganisationen gegen das Gesetz über „ausländische Agenten“
       aus dem Jahr 2013 entschieden hätten.
       
       Ob sich der Kreml von dieser Entscheidung wird beeindrucken lassen, kann
       man bezweifeln. Bislang ist Moskau Urteilen des EGMR allenfalls teilweise
       gefolgt. Zudem hat das russische Verfassungsgericht entschieden,
       Entscheidungen des EGMR zu ignorieren, sollten sie vermeintlich der
       russischen Verfassung widersprechen. Wo es um den Vorwurf des Extremismus
       geht, der Regierungskritiker*innen angehängt wird, dürfte sich mit
       kreativer Rechtsauslegung ein Hebel finden lassen.
       
       Auch auf internationalem Parkett hat Putin Punkte gemacht. Nach einem
       [2][Zwiegespräch mit US-Präsident Joe Biden] am Donnerstag dieser Woche
       soll im Januar in unterschiedlichen Konstellationen vor allem über die
       Ukraine verhandelt werden.
       
       ## Putins Geringschätzung gegenüber Europa
       
       Offensichtlich zeigt die massive Truppenpräsenz Russlands an der Grenze zum
       Nachbarn die erhoffte Wirkung. [3][Moskau redet mit den USA auf Augenhöhe].
       Damit ist der Beweis erbracht, dass Russland zurück ist auf der politischen
       Weltbühne.
       
       Putin sucht nicht zufällig den direkten Kontakt zu Washington. So bringt er
       seine Geringschätzung gegenüber Europa zum Ausdruck, dem er nur eine
       Nebenrolle im Konzert der Großen zuweist. Damit hat Putin sogar recht. Die
       Bedrohung der Ukraine zeigt mal wieder, dass die EU keine konsistente
       Strategie gegenüber Russland hat.
       
       So lange ein Dialog möglich ist, gibt es Hoffnung. Aber wie die
       verschiedenen Interessen zur Deckung gebracht werden könnten, ist mehr als
       offen. Russland die geforderten Sicherheitsgarantien zu geben und eine
       Erweiterung der Nato auszuschließen, wirkte wie ein Kotau vor Moskau.
       Gleichzeitig weiß Putin, dass die Nato im Falle eines russischen Angriffs
       auf die Ukraine keinen Finger rühren würde.
       
       So beginnt das neue Jahr wie das alte endet: mit Unsicherheit – vor allem
       für die Menschen in der Ukraine. Sie würden, sollte es zum Äußersten
       kommen, den höchsten Preis bezahlen.
       
       30 Dec 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Russische-Organisation-Memorial-verboten/!5824180
   DIR [2] /Ukrainekonflikt/!5824748
   DIR [3] /Putins-Kalkuel-und-Bidens-Beitrag/!5818687
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Barbara Oertel
       
       ## TAGS
       
   DIR Russland
   DIR Ukraine
   DIR Wladimir Putin
   DIR Memorial
   DIR Menschenrechte
   DIR GNS
   DIR Zentralasien
   DIR Wolodymyr Selenskij
   DIR Wolodymyr Selenskij
   DIR USA
   DIR Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
   DIR Russland
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Proteste in Kasachstan: Rücktritte und Gewalt
       
       Tausende Demonstranten erzwingen den Rücktritt der Regierung. Was als
       Kritik an höheren Gaspreisen begann, wurde zu landesweiten Demonstrationen.
       
   DIR Biden telefoniert mit Selenski: Diplomatie per Telefon
       
       Schon lange war Telefon in den USA bei Krisen zentral. Die bilaterale
       Absprache ist jedoch schwierig.
       
   DIR Konflikt um die Ukraine: Biden sichert Unterstützung zu
       
       Die USA sehen sich der ukrainischen Souveränität verpflichtet. Das sagt
       US-Präsident Biden dem ukrainischen Staatschef Selenski am Telefon.
       
   DIR Biden telefoniert mit Putin: Diplomatie oder Abschreckung
       
       US-Präsident Biden und der russische Staatschef Putin drohen sich im
       Ukraine-Konflikt gegenseitig. Forderungen kommen von beiden Seiten.
       
   DIR Ukrainekonflikt: Biden und Putin wollen telefonieren
       
       Putin und Biden sind am Donnerstag erneut zum Telefonieren verabredet. Im
       Januar soll es dann in Genf zu Beratungen über den Ukrainekonflikt kommen.
       
   DIR Russische Organisation Memorial verboten: Kreml reißt die Geschichte an sich
       
       Seit den 80er-Jahren hat die Organisation „Memorial“ Aufarbeitung
       sowjetischer Gräueltaten betrieben. Nun wird sie in Russland verboten.
       
   DIR Gruppe Memorial droht das Verbot: Vom Ende der Erinnerung
       
       Eine Gruppe Menschenrechtler stört die historischen Legenden des russischen
       Präsidenten. Nun soll Memorial mundtot gemacht werden.