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       # taz.de -- Hamburger Traditionslokal soll Standort wechseln: Imbiss für Zeitreisende
       
       > Die Veddeler Fischgaststätte in Hamburg soll umziehen. Zwar nur ein paar
       > Meter, aber die Betreiber fürchten, die Atmosphäre zu verlieren.
       
   IMG Bild: Umzug schön und gut – aber kommen Ofen, Fischfett und Stimmung auch mit?
       
       Hamburg taz | Auf Luftbildern sieht die [1][Veddeler Fischgaststätte] in
       Hamburg aus wie ein kleiner Würfel, den man in die Mitte einer Carrera-Bahn
       geworfen hat: nicht unbedingt der Ort, an dem man einen [2][Preisträger im
       Bundeswettbewerb Historische Wirtshäuser] erwarten würde. Die
       Fischgaststätte ist aber einer, weil sie zur Bude geronnene 50er Jahre
       darstellt. Und darum geht auch der Streit, den sie gerade ausficht: Ist es
       zumutbar, dass die Gaststätte ein paar Meter weiter in eine der alten
       Zollamtshallen umzieht?
       
       Oder verliert sie dann nicht nur den Ofen, der die besonders knusprige
       Fischpanade hervorbringt und der vermutlich keine neue Betriebszulassung
       bekommen wird, wie Betreiber Christian Butzke vermutet, sondern auch den
       alten Charme, der sich eben nicht von einem Häuschen in eine Halle umziehen
       lasse?
       
       An einem Donnerstag gegen halb eins ist drinnen erst mal kein Platz mehr zu
       bekommen. Draußen, im Sommergarten, für dessen Gartenanteil ein paar
       Blumenkästen und ein Zelt sorgen, steht eine kleine Schlange, um Essen
       mitzunehmen.
       
       Der frische Gurkensalat kostet drei Euro, zwei Fischfrikadellen kosten 7,60
       Euro. Das teuerste sind sieben Fischfiletstücke und die gebackene Scholle
       für 15,60 Euro. Das ist nicht teuer für den Rest von Hamburg, aber für
       viele der heutigen Veddeler:innen ist das viel Geld.
       
       Dann wird doch ein Platz frei, das mag daran liegen, dass man allein ist
       vielleicht auch, weil man von der Presse kommt. Denn die kommt der
       Fischgaststätte gelegen. [3][Man sammelt Unterschriften] gegen den
       drohenden Umzug, 4.651 Hamburger Stimmen hatten sie Mitte Dezember, 7.100
       brauchen sie, um in den Petitionsausschuss zu kommen.
       
       In der Fischgaststätte hängen Tüllgardinen aus jener Zeit, als Gardinen
       Kennzeichen einer gepflegten Haushaltung waren, an der Wand hängen Netze
       mit Fischen und Hummern darin sowie ein Foto des letzten
       Seeschleppdampfers.
       
       An meinem Tisch sitzt eine Mutter mit Kind und einer Freundin.
       „Vorbildlich, dass er Fisch isst“, sagt die Chefin mit Fleecejacke und Zopf
       wohlwollen, als sie an den Tisch kommt. „Wir sind nach der standesamtlichen
       Trauung hierher gekommen“, sagt die Mutter unaufgefordert, „und wir kommen
       immer, wenn wir freie Tage haben.“ Die Fischgaststätte wirkt nicht so, als
       hätte sie wie die Retro-Lokale in den hipperen Stadtteilen ihre
       Resopaltische mühselig zusammensuchen müssen, sondern nur das gut in Schuss
       gehalten, was ohnehin da war.
       
       ## Aus besseren Tagen
       
       Wahrscheinlich ist die interessantere Frage, wann sich die Betreiber
       entschlossen haben, dass es genug sei mit Veränderungen. Seit 1932 steht
       die Gaststätte hier und sie steht für eine Zeit, als die Veddel nicht ganz
       so abgehängt war wie heute.
       
       Sie war immer Arbeiterbezirk, nur ist die Arbeitlosenquote heute doppelt so
       hoch wie der Hamburger Durchschnitt – und das Einkommen nur halb so hoch.
       Das große Bauprojekt, in das die Fischgaststätte umziehen soll, wird die
       Veddel mit dem neuen Nachbarstadtteil Grasbrook verbinden und für mehr
       Infrastruktur sorgen.
       
       Die Veddel hat Penny, einen Gemüseladen und eine Apotheke, für mehr fehlt
       lohnende Kundschaft. „Die Veddeler fühlen sich immer ein bisschen
       abgehängt“, sagt Christian Butzke, der vergangenes Jahr mit seiner Familie
       aus Berlin kam, um die Gaststätte zu übernehmen. Jetzt sorgen sie sich,
       über die Brücke zu müssen, weil die neuen Läden nach Grasbrook gingen.
       
       Ins Lokal kommen heute Zeitreisende, Anhänger:innen bodenständigen
       Fischs, Tourist:innen, auch ein paar Veddeler:innen, sagt Christian Butzke.
       Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen hat kürzlich verlauten lassen,
       dass sie zwar noch einmal prüfen werde, ob alles beim Alten bleiben kann.
       Sie hat aber auch daran erinnert, dass auch andere Traditionslokale in
       Hamburg an neuen Orten weitergemacht haben.
       
       Aber vielleicht geht es gar nicht nur um die Umzugsfähigkeit der 50er
       Jahre. Vielleicht geht es darum, dass ein Veddeler durchsetzt, dass der
       Rest der Stadt sich nach ihm richtet. Und nicht andersrum.
       
       25 Dec 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://www.veddeler-fischgaststaette.de/
   DIR [2] https://www.schlenkerla.de/rauchbier/auszeichnungen/pm_09_42_historische_wirtshaeuser_in_deutschland_gekuert.pdf
   DIR [3] https://www.openpetition.de/petition/online/veddeler-fischgaststaette-retten-2
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Friederike Gräff
       
       ## TAGS
       
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