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       # taz.de -- Rückzug der Rebellen in Äthiopien: Kein Frieden in Sicht
       
       > Tigrays Rebellen haben sich zurückgezogen und machen den Weg für
       > humanitäre Hilfe frei. Doch die äthiopische Regierung denkt nicht an
       > Frieden.
       
   IMG Bild: Ein zerstörter Panzer Nahe des Orts Damot Kebele in der Region Amhara, Anfang Dezember 2021
       
       Erst sechs Wochen ist es her, da befanden sich [1][Tigrays Rebellen] auf
       dem Vormarsch Richtung Addis Abeba. Internationale Diplomaten ließen sich
       aus der äthiopischen Hauptstadt evakuieren, Rebellen anderer äthiopischer
       Regionen vollzogen den Schulterschluss mit den Tigray-Kämpfern.
       
       Internationale Emissäre sondierten bei der äthiopischen Regierung in Addis
       Abeba und der Tigray-Führung in Mekelle, wie eine weitere Zuspitzung des
       Krieges bis hin zum Völkermord an Tigrayern im Regierungsgebiet zu
       vermeiden wäre. Eine Überlegung: Tigrays Truppen stellen ihren Vormarsch
       ein und ziehen sich nach Tigray zurück, im Gegenzug beendet [2][Äthiopiens
       Regierung] ihre Hilfsblockade der abtrünnigen Region. Dann könnten beide
       Seiten vor dem Hintergrund eines Waffenstillstands miteinander verhandeln.
       
       Nun haben sich Tigrays Rebellen tatsächlich nach Tigray zurückgezogen. Aber
       das ist nicht das Ergebnis eines Friedensprozesses, sondern folgt aus einer
       militärischen Niederlage. Frisch eingekaufte Kampfdrohnen haben Äthiopiens
       Armee zumindest vorläufig eine militärische Überlegenheit verliehen.
       Reihenweise haben sie Panzer und schwere Artillerie zerstört,
       Nachschubkolonnen bombardiert, feindliche Kämpfer massakriert. Ähnlich wie
       in Bergkarabach und in Libyen wirkten Drohnen auch im zentraläthiopischen
       Hochland kriegsentscheidend.
       
       Tigrays Rebellen stellen ihren Rückzug jetzt als Schritt in Richtung
       Frieden dar. Aber Äthiopiens Regierung denkt überhaupt nicht daran.
       Vielmehr verstärkt sie nun ihre Drohnenangriffe auch gegen die
       Zivilbevölkerung. Am liebsten möchte sie den Krieg erneut nach Tigray
       hineintragen – und diesmal den Endsieg davontragen, getreu der Devise von
       Ministerpräsident Abiy Ahmed, die Rebellen seien Terroristen, die man
       auslöschen sollte.
       
       An einer [3][Friedenslösung], die die Interessen beider Seiten
       berücksichtigt, führt kein Weg vorbei, wenn man nicht den Tod weiterer
       Zehntausender in Kauf nehmen will. Und zugleich ist dieser Weg derzeit
       unauffindbar. Es wird über Weihnachten noch viel Blut fließen in den
       äthiopischen Bergen.
       
       22 Dec 2021
       
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