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       # taz.de -- Entwicklungen im Ukraine-Konflikt: Zurück an den Verhandlungstisch
       
       > Die EU sichert der Ukraine Solidarität im Konflikt mit Russland zu. Auch
       > die USA sollen an einer Friedenslösung mitwirken.
       
   IMG Bild: Konflikthaft: Russische Militärübung in der Nähe der ukrainischen Grenze am 14. Dezember
       
       Kiew taz | Beim Gipfel der Östlichen Partnerschaft im Europäischen Rat am
       Donnerstag versicherten die EU-Regierungschefs der Ukraine ihre
       Solidarität, warnten Russland vor einer Beeinträchtigung der territorialen
       Integrität der Ukraine, eine konkrete Mitgliedsperspektive wurde jedoch
       weder der Ukraine noch einem anderen Land der Östlichen Partnerschaft in
       Aussicht gestellt.
       
       Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski dankte Deutschland und
       Frankreich [1][für die Unterstützung der Ukraine] angesichts der
       militärischen Bedrohung durch Russland. Man sei an Verhandlungen mit
       Russland interessiert, Kiew wünsche sich jedoch eine präventive
       Verschärfung der westlichen Sanktionen gegen Moskau, um eine weitere
       Eskalation zu vermeiden, berichtet Golosameriki.com, das russischsprachige
       Webportal des staatlichen Auslandssenders der USA Voice of America.
       
       Es scheint wieder Bewegung in den stockenden Verhandlungsprozess um eine
       Regelung des mörderischen Konfliktes in der Ostukraine zu kommen. Und es
       scheint auch, dass die Ukraine mit ihren Vorstellungen von gewissen
       Veränderungen in diesem Prozess zunehmend international Gehör findet.
       
       Insbesondere missfällt der ukrainischen Regierung jedoch, dass
       Vereinbarungen vorsehen, dass der Ukraine erst nach Kommunalwahlen im
       umkämpften Donbass die Kontrolle über die ukrainisch-russische Grenze dort
       übergeben wird. Damit, so argumentiert Kiew, könnten die prorussischen
       Separatisten die Wahlen kontrollieren und manipulieren.
       
       ## USA sind bereits aktiv
       
       Außerdem möchte die Ukraine die USA mehr in den Verhandlungsprozess
       einbinden. Doch laut deutschem Außenministerium ist vor allem die OSZE in
       die Konfliktlösung eingebunden sowie „[2][ihre im Juni 2014 eingesetzte
       Trilaterale Kontaktgruppe] (OSZE, Ukraine, Russland)“. Politisch begleitet
       wird dieser Prozess von den Staaten des sogenannten „Normandie-Formats“,
       also Deutschland, Frankreich, Ukraine und Russland.
       
       Doch die USA sind bereits mittendrin in den Verhandlungen um eine Regelung
       zur Ukraine. Und hier ist insbesondere die Shuttle-Diplomatie der
       stellvertretenden Staatssekretärin für europäische und eurasische
       Angelegenheiten der US-Regierung, Karen Erika Donfried, bemerkenswert.
       
       Am 14. Dezember, berichtet das Portal strana.best, hatte sie in der Ukraine
       mit dem Leiter der Präsidialadministration Andriy Jermak, Außenminister
       Dmytro Kuleba und dem stellvertretenden Leiter der ukrainischen Delegation
       bei der Minsker Kontaktgruppe, Andriy Kostin, gesprochen. Tags darauf traf
       sie in Moskau mit Russlands stellvertretendem Außenminister Sergei Rjabkow
       und dem stellvertretenden Generalstabschef Dmitri Kosak zusammen. Sofort
       danach flog sie zum Gipfeltreffen nach Brüssel.
       
       Doch der ukrainische Politologe Wolodimir Fesenko ist wenig optimistisch.
       Das einzige Ziel, das sich realistischerweise umsetzen ließe, sei ein
       Waffenstillstand, so Fesenko in der Tageszeitung Nowoje Wremja.
       
       ## Kleine Ziele setzen
       
       Nach einem Treffen von Wolodimir Selenski mit Bundeskanzler Olaf Scholz und
       Emmanuel Macron in Brüssel, auf dem offensichtlich keine verbindlichen
       Vereinbarungen getroffen worden sind, erklärte der Pressedienst des
       ukrainischen Präsidenten laut apostrophe.ua, dass man sich einig gewesen
       sei, die beim letzten Gipfeltreffen im Normandie-Format vereinbarten
       kurzfristigen Ziele, wie Einhaltung des Waffenstillstandes,
       Gefangenenaustausch und Öffnung von zwei weiteren Übergangspunkten zu den
       „Volksrepubliken“ umzusetzen.
       
       Seit 2014 herrscht zwischen der ukrainischen Zentralmacht und von Russland
       materiell und militärisch unterstützten Aufständischen in der Ostukraine
       Krieg. Über 13.000 Menschen kamen dabei ums Leben. 1,5 Millionen Menschen
       sind auf der Flucht.
       
       16 Dec 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://EU%20bereitet%20massive%20Sanktionen%20vor
   DIR [2] https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/ukraine-node/-/201850
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bernhard Clasen
       
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