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       # taz.de -- Bundesaußenministerin Baerbock: Zwischen allen Stühlen
       
       > Die neue Außenministerin muss gleich mehrere Hürden zum Amtsantritt
       > nehmen. EU-interne und globale Konflikte warten auf Annalena Baerbock.
       
   IMG Bild: Baerbock an dritter Station ihrer Antrittsreise als Bundesaußenministerin: Warschau
       
       Annalena Baerbock ist um ihr neues Amt nicht zu beneiden. Als grüne
       Außenministerin hat sie sich den Kampf gegen die Klimakrise auf die Fahnen
       geschrieben. Eine aktive Klimadiplomatie soll ihr Markenzeichen werden.
       Doch nun muss sie sich zuerst mit Krieg und Frieden beschäftigen. Die
       gefährlichen Spannungen zwischen Russland und der Ukraine haben schon
       [1][Baerbocks Antrittsbesuche] in Paris, Brüssel und Warschau überschattet.
       
       Sie stehen auch beim Treffen der EU-Außenminister am kommenden Montag auf
       der Tagesordnung. Auf Baerbock wartet ein Realitätsschock. Die Lage ist
       nämlich völlig anders als erwartet. Mit „Dialog und Härte“ wolle sie
       agieren, kündigte Baerbock im [2][taz-Interview] an. Das klang, als werde
       sie einen harten Kurs gegen Russland fahren – mit Wirtschafts-Sanktionen
       und einem Stopp der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Doch Sanktionen sind im
       Moment gar nicht das Thema.
       
       Sie waren vor allem zur Abschreckung gedacht, um Russland von einem
       möglichen [3][Einmarsch in die Ukraine] abzuhalten. Aktuell spricht jedoch
       wenig dafür, dass Kremlchef Wladimir Putin tatsächlich eine Invasion plant.
       Nach neuen westlichen Geheimdienst-Erkenntnissen will Putin mit seinem
       Militäraufmarsch vor allem eine Drohkulisse aufbauen, um Zugeständnisse bei
       der Nato-Osterweiterung zu bewirken. Es geht nicht um Krieg in der Ukraine,
       sondern um eine neue Friedensordnung für Europa.
       
       Die große Frage ist nun, ob diese Friedensordnung über die Köpfe der
       Europäer hinweg entwickelt wird – oder mit ihnen. US-Präsident Joe Biden
       will sich seine Partner offenbar selbst aussuchen. Über das Schicksal
       Europas soll ein „Nato-Quintett“ entscheiden, nicht die EU. Kleineren
       EU-Staaten wie Polen oder den baltischen Ländern kann dies nicht passen.
       
       Denn sie wären in diesem neuen Quintett der Großmächte nicht vertreten –
       nur mit Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien will Biden
       zusammenarbeiten, der Rest soll draußen bleiben. Für Baerbock wird es nun
       ungemütlich. Im Wahlkampf hat sie sich als überzeugte Transatlantikerin
       präsentiert und die Nähe zu den USA und der Nato gesucht. Im
       Koalitionsvertrag hat sie sich zur „europäischen Souveränität“ und zur
       engen Abstimmung mit den EU-Partnern verpflichtet.
       
       Nun sitzt sie zwischen allen Stühlen – den selbstherrlich agierenden
       Amerikanern, den bedrohlichen Russen und den frustrierten Europäern, die in
       der Ukraine-Krise an den Katzentisch verbannt worden sind. Und [4][Kanzler
       Olaf Scholz] macht ihr auch noch Konkurrenz in der Außenpolitik. Nein, um
       ihr neues Amt ist sie wahrlich nicht zu beneiden.
       
       10 Dec 2021
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Eric Bonse
       
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