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       # taz.de -- Corona-Lage in den Berliner Schulen: Die Maske wirkt
       
       > Die Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen stabilisiert sich auf hohem
       > Niveau. Landeselternausschuss fordert tägliche Tests für SchülerInnen.
       
   IMG Bild: Schule, Herbst 2021: Federmappe, Maske, Schnelltest
       
       berlin taz | Am späten Montagnachmittag trifft sich erneut der
       Hygienebeirat der geschäftsführenden Bildungssenatorin Sandra Scheeres
       (SPD), um über die Coronalage in den Schulen zu beraten. Gesprächsthemen
       dürften eine Verschärfung der Testpflicht und eine Aufhebung der
       Präsenzpflicht für Kinder aus Risikofamilien sein. Jedenfalls will der
       Landeselternausschuss das auf die Agenda setzen, wie der Berliner
       Vorsitzende Norman Heise sagt. „Andere Bundesländer testen inzwischen
       täglich, wir wünschen uns diesen Weg auch für Berlin.“
       
       Das würde wohl bedeuten, dass Berlin bei den Testkapazitäten aufstocken
       müsste. Scheeres hatte nach den Sommerferien gesagt, es gebe
       Testkapazitäten für ein zweimaliges Testen pro Woche bis zu den
       Winterferien. Seit Anfang November wird allerdings bereits dreimal pro
       Woche getestet.
       
       Eine Rückkehr zum flächendeckenden Wechselunterricht oder eine Aussetzung
       der Präsenzpflicht, wie es etwa Linken-Fraktionschef Carsten Schatz
       vergangenen Woche gefordert hatte, stünde für sie nicht zur Debatte,
       betonte Scheeres am Montag: „Wir haben einen Stufenplan, und der
       funktioniert.“ Schulen wieder „pauschal zu schließen oder in den
       Wechselunterricht zu versetzen wäre eine Katastrophe, das wollen wir
       nicht“, sagte die geschäftsführende Bildungssenatorin.
       
       Dafür sei die Lage, trotz der hohen Infektionsdynamik, insgesamt zu
       heterogen an den Schulen: „Es gibt Schulen, da gibt es keinen einzigen
       Corona-Fall“, so Scheeres. Da sei Wechselunterricht nicht vertretbar: „Denn
       wir sehen ja auch, wie die Kinder und die Familien belastet waren und sind
       durch die Pandemie. Die Schulen müssen offen bleiben.“ Vielen Kindern gehe
       es nach fast zwei Jahren Pandemie „nicht gut“.
       
       ## Inzidenzen von über 900
       
       [1][Die Maskenpflicht] scheint indes zu wirken, zumindest ein bisschen: Die
       Infektionsdynamik in den Berliner Schulen bewegt sich zwar nachwievor auf
       einem hohem Niveau – doch die Zahl der positiv getesteten Fälle in den
       Altersgruppen der 5- bis 14-Jährigen stagniert seit etwa einer Woche bei
       rund 1.500 Infektionen innerhalb von 7 Tagen. Die Inzidenz liegt damit
       zwischen 850,7 und 936,4 bei den Kindern und Jugendlichen – der Berliner
       Schnitt lag am Montag bei 338,0.
       
       Insgesamt neun Schulen (Vorwoche: vier) sind inzwischen laut Corona-Ampel
       der Bildungsverwaltung wegen Quarantänefällen im Kollegium oder unter den
       SchülerInnen auf Stufe „gelb“ gesetzt und damit im Wechselunterricht. 147
       Lerngruppen (von 13.727) sind geschlossen.
       
       Die Maskenpflicht gilt seit dem 10. November wieder für alle Klassenstufen
       in Berlin. Schulschließungen sind nach dem [2][Auslaufen der bundesweiten
       Corona-Notlage ab Donnerstag] grundsätzlich vom Tisch – auch die
       Länderöffnungsklausel, mit der die Landesparlamente für einzelne, vom
       Infektionsgeschehen besonders betroffene Regionen verschärfte Maßnahmen
       anordnen können, sieht explizit keine Schulschließungen mehr vor.
       
       Fraglich ist allerdings, ob die Bildungsverwaltung nun ihren Stufenplan mit
       dem Ende der Notlagen-Bestimmungen ab dem 25. November überarbeiten muss:
       Die Berliner Corona-Ampel für die Schulen sieht nämlich vor, ab einer
       Einstufung der Schule auf „rot“ durch das jeweilige Gesundheitsamt die
       SchülerInnen wieder ins Homeschooling zu schicken. Aktuell zeigt die
       Corona-Ampel für keine Schule „rot“.
       
       Die Bildungsverwaltung äußerte sich dazu auf Anfrage vorerst nicht.
       Scheeres sagte am Montag grundsätzlich, dass man der Diskussion im
       Expertenbeirat nicht vorgreifen wolle.
       
       Unterdessen beklagen einige SchulleiterInnen die zunehmend schwierige
       Situation durch überlastete Gesundheitsämter – teilweise würde auch über
       das „Freitesten“ aus der Quarantäne sehr unterschiedlich entschieden.
       Scheeres sagte, auch das werde sicherlich nochmal Thema im Hygienebeirat
       sein: „Es ist wichtig, dass es da klare, transparente und einheitliche
       Regeln gibt.“
       
       22 Nov 2021
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Anna Klöpper
       
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