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       # taz.de -- Corona und Weihnachtsmärkte: Getrübte Adventszeit
       
       > Hätte die Politik so vorausschauend agiert wie die Betreiber der
       > Weihnachtsmärkte, müsste es keine Einschränkungen geben. Die Händler
       > trifft es hart.
       
   IMG Bild: Trauriger Anblick: Der geschlossene Weihnachtsmarkt in Dresden am 1. Dezember
       
       Das vorweg: Ich geh gar nicht oft auf [1][Weihnachtsmärkte]. Doch bei der
       Frage, ob dieses Adventstreiben geöffnet bleiben sollte, geht es nicht um
       persönliche Vorlieben. Es geht um Verlässlichkeit, um wirtschaftliche
       Existenz, und um soziales Leben geht es auch. Im August gesellte sich zur
       AHA-Regel das schärfere Prinzip 3G, einen Monat später das drastische 2G,
       das Ungeimpfte bestrafte. Geimpfte aber sollten mehr Freiheiten bekommen.
       Wer hat damals, als die Inzidenzzahlen minimal waren, an den Dezember
       gedacht?
       
       Es waren [2][private Betreiber], wie etwa auf dem Berliner Gendarmenmarkt,
       die sich zu dieser frühen Zeit für 2G entschieden – freiwillig. Sie wollten
       für ihre Gästen größtmögliche Sicherheit – und natürlich auch nicht ihren
       Umsatz und Gewinn riskieren. So viel Weitsicht von der Politik zu erwarten,
       war illusorisch. Dabei ginge es nicht um Prophetie, sondern um Erfahrungen,
       die andere Staaten schon gemacht haben. Impfzentren offenlassen, Vakzine
       bestellen, Hochbetagte schnell „[3][boostern]“.
       
       Ist kaum passiert. Trotzdem wollen politisch Verantwortliche zeigen, dass
       sie handeln. Jetzt wird intensiv geharkt im Freizeitgarten. Es geht gegen
       Clubs, Diskotheken und Volksfeste, also auch Weihnachtsmärkte. Im
       Unterschied zu den Clubs, die sich als Virenschleudern erwiesen haben,
       finden die Märkte im Freien statt und mit reichlich Coronamanagement.
       Trotzdem mussten sie schließen – in Bayern, Thüringen, Sachsen,
       Brandenburg. Die Händler baden das aus.
       
       Krösusse sind selten unter ihnen. Schon jetzt haben viele aufgegeben. Und
       es gibt noch eine andere Seite. Auch in einer Pandemie braucht es
       Lichtblicke – etwas anderes als nur Hinweise auf den Mund-Nasen-Schutz. Der
       Advent ist eine besondere Zeit, nicht nur für Kinder. Bei allen
       „Kontaktbeschränkungen“, ein Wort wie aus der Elektrotechnik, bleibt der
       Mensch ein geselliges Wesen, ausgestattet mit einer Seele, und die muss mal
       raus – zum Ballettabend, Fußball oder eben auf den Weihnachtsmarkt. In der
       Telefonseelsorge jedenfalls laufen wieder die Drähte heiß.
       
       3 Dec 2021
       
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