# taz.de -- Gewalt bei Protesten in Niger: Wer hat in Téra geschossen?
> Augenzeugen machen die französische Armee für mehrere Tote und Verletzte
> in Niger verantwortlich. Deren Sprecher gibt Demonstranten die Schuld.
IMG Bild: Französische Soldaten der Mission Burkhane in Mali (Archivbild)
Cotonou taz | Alle Seiten sprechen von „schwerer Gewalt“ in Téra, einer gut
90.000 Einwohner*innen großen Stadt im Südwesten des Niger. Bei
Demonstrationen gegen einen Konvoi der [1][französischen Militärmission
Barkhane] – begleitet von einer Eskorte 40 nigrischer Gendarmen – sind am
Samstag 2 Menschen ums Leben gekommen, 18 wurden verletzt, davon 11 schwer.
Der Konvoi war von der ivorischen Hafenstadt Abidjan über Burkina Faso und
Niger auf dem Weg ins malische Gao, von wo aus Barkhane
Antiterrorismuseinsätze ausführt. Am Montagabend ist er dort auch
angekommen. Die nigrische Regierung von [2][Präsident Mohamed Bazoum] hat
zügig eine Untersuchung der Vorfälle angekündigt, um die Verantwortlichen
zu ermitteln.
In einem Bericht des französischen Senders TV5Monde werfen Augenzeugen der
französischen Armee massive Gewalt vor. Sie soll Tränengas gegen die
Demonstrant*innen eingesetzt und auf sie geschossen haben. Im Internet
zirkulieren Bilder von Patronenhülsen sowie Listen mit den Namen der Opfer.
Der Druck auf die französischen Streitkräfte steigt. In einem
Fernsehinterview sagt deren Sprecher Pascal Ianni, er könne auf die Frage,
ob die Demonstrant*innen durch französische Kugeln getötet wurden,
nicht antworten. Die Proteste seien „extrem gewalttätig“ gewesen. Zivile
Fahrer seien verletzt worden. Man habe versucht, besonders gewaltbereite
Teilnehmer*innen zu verjagen, um ein „echtes Drama, ein Massaker“ zu
verhindern.
## Frust über Frankreich in der Sahelzone
Eine Konsequenz hat Präsident Mohamed Bazoum möglicherweise bereits
gezogen. Am Montagabend ließ er im Radio die Umbesetzung seines Kabinetts
ankündigen, ohne dafür Gründe zu nennen. Neuer Innenminister wird Hamadou
Adamou Souley, der als Vertrauter Bazoums gilt und aus der Krisenregion
Tillabéri stammt. Der bisherige Innenminister Alkache Alhada bleibt
allerdings im Kabinett und wird Handelsminister.
Der Barkhane-Konvoi ist bereits zum zweiten Mal an der Weiterfahrt
gehindert worden. Eine Woche zuvor hatten Demonstrant*innen in Kaya im
Norden von [3][Burkina Faso] eine Blockade errichtet. Vier Menschen wurden
verletzt.
Die Proteste spiegeln die steigende Unzufrieden über die französische
Präsenz im Sahel. Trotz der großen Barkhane-Operation mit 5.100
Soldat*innen nehmen Gewalt und Unsicherheit weiter zu. Angestiegen war
der Unmut noch einmal im September, als Europa die bekannt gewordene
Kooperation zwischen Mali und der russischen Wagner-Gruppe – sie verkauft
weltweit Sicherheitsdienste und gilt als Russlands Schattenarmee – scharf
kritisierte. Sie würde im Gegensatz zu den Stabilisierungsbemühungen der
Vereinten Nationen und der Europäischen Union stehen.
Dieses Argument wird nicht nur in Mali als Bevormundung empfunden. Die
Staaten seien schließlich souverän und könnten selbst entscheiden, mit wem
sie Verträge abschließen.
30 Nov 2021
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## AUTOREN
DIR Katrin Gänsler
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