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       # taz.de -- ZDF-Krimi „Ein starkes Team“: Ostdeutsche Popkultur im Zweiten
       
       > Seit der Wende war Peter Kniesbeck hinter Gittern und kaum ist er frei,
       > muss die Polizei sein Leben schützen – im ZDF-Krimi „Ein starkes Team“.
       
   IMG Bild: Das war knapp: Kniesbeck (André Hennicke, r.) entgeht einem zweiten Mordanschlag
       
       Ist ja schon ein bisschen dicke, den Film zum Sound von „Wenn ein Mensch
       lebt“ von den [1][Puhdys] beginnen zu lassen – und anderthalb Minuten
       später ist einer tot. Direkt vor dem Gefängnis. Nur leider der Falsche. Der
       Bewährungshelfer musste dran glauben. Gemeint war Peter Kniesbeck (herrlich
       aus der Zeit gefallen: André Hennicke), nach 30 Jahren frisch entlassen,
       die Zeit nach der [2][Wiedervereinigung] kennt er nur hinter Mauern.
       
       Das Berliner „Starke Team“ aus Garber (Florian Martens) und Wachow
       (Stefanie Stappenbeck) hat nun die doppelte Aufgabe, Kniesbeck zu schützen
       und herauszufinden, wer ihn umbringen will – und wo die Beute von damals
       landete.
       
       Wegen Kniesbecks Vorgeschichte haben die beiden gleich jede Menge
       Verdächtige: die ganze Bande, die 1990 einen der Geldtransporter überfiel,
       der frische D-Mark zwecks Währungsunion geladen hatte. Und dabei einen
       Unbeteiligten umbrachte. Dazu kommt eine dubiose Berliner
       Grundstücksspekulation und eine, die 1990 für die Staatsbank der DDR
       gearbeitet hat.
       
       Also eine rundum sehr berlinerische Geschichte. Gut, die Dialoge sind
       bisschen hölzern. Viele Sätze der Kategorie: „Wir gehen hier jetzt lang und
       sagen dabei, dass wir hier langgehen – sicherheitshalber.“
       
       Aber Dauer-TV-Krimiautor mit irrwitzigem Pseudonym Leo P. Ard und
       Dauer-TV-Krimiregisseur Ulrich Zrenner erzählen diese Wendezeitgeschichte
       überraschend aufmerksam. Man muss schon dankbar sein, wenn ein
       DDR-Sozialisierter wie Otto Garber im Hauptprogramm sagen darf, als Kind
       wollte er „[3][Kosmonaut]“ werden.
       
       Dazu kommt hierbei ein unaufdringlich passender Soundtrack, auch das lange
       unvorstellbar: vom „Solo Sunny“-Titelsong, den Renate Krößner zur Stimme
       von Regine Dobberschütz mimte, über „Come Between Delights“, auch von
       Dobberschütz, „Leine los“ von Gundermann und Seilschaft, „Alt wie ein Baum“
       von den Puhdys bis hin zu „Mein alter Freund“ von City und ja: „Sandmann,
       lieber Sandmann“. Der Folgentitel entpuppt sich nur als falscher BAP-Alarm.
       
       Überhaupt verändert sich in den ÖR-Filmen gerade etwas, mehr Sensibilität
       für ostdeutsche Popkultur: zuletzt etwa in der „Theresa Wolff“-Folge „Home
       Sweet Home“ in der ZDF-Mediathek (danke, Kollege Weissenburger!) und in der
       famosen Brandenburger ARD-Miniserie „Tina mobil“ mit Gabriela Maria
       Schmeide.
       
       Ja, wir sind ein bisschen vom ZDF-Krimi weggerutscht (Fall wird gelöst!),
       aber Jegliches hat seine Zeit, Leben und Sterben und Streit.
       
       27 Nov 2021
       
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