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       # taz.de -- Lars Eidinger im Museum: Der Mann mit der Kamera
       
       > „Klasse Gesellschaft“: Die Hamburger Kunsthalle stellt niederländische
       > Alte Meister aus – kombiniert mit sehr heutigen (Kunst-)Stars.
       
   IMG Bild: Stefan Marx, ohne Titel, monopigmentierte Acrylfarbe auf Leinwand
       
       So viel Auftrieb ist selten. Wenn die Pressefrau der Hamburger Kunsthalle
       andeutet, vielleicht nicht alle Anmeldungen berücksichtigen zu können, dann
       ist an diesem Termin etwas anders als sonst. Und selbst wenn Direktor
       Alexander Klar und Kuratorin Sandra Pisot betonen, wie wichtig die eigenen
       Bestände an niederländischer Genremalerei des 17. Jahrhunderts seien, an
       „Alten Meistern“ also: Die zwei Dutzend Berichterstatter_innen sind an
       diesem Donnerstag nicht gekommen, um weitgereiste Leihgaben zu bestaunen.
       Auch nicht, weil es gelungen ist, [1][eine Ausstellung zu diesem Thema] zu
       machen ohne einen einzigen Vermeer – die hängen derzeit alle in Dresden.
       
       Nein, der eigentliche Star zeigt sich um 11.03 Uhr: Lars Eidinger ist da,
       das Haar strähnig wie neulich im [2][Frankfurter-Schule-„Tatort“];
       schluffiges Outfit, für das ihn Karl Lagerfeld gescholten hätte; leuchtend
       rote Fingernägel. „Sie kennen mich als Schauspieler“, sagt er, dabei
       fotografiere er schon viel länger. Vom lange zurück liegenden Besuch in
       einem Berliner Berufsinformationszentrum erzählt er auch, und dass am Ende
       die Empfehlung gelautet habe: „Fotograf“. Und so treffen nun eben Fotos und
       ein paar kurze Videos des Nicht-nur-Schauspielers auf die erwähnten
       Genremalereien. „Klasse Gesellschaft“ ist das alles überschrieben:
       [3][Diese Ölschinken] erzählen ja auch etwas über den Wandel einer Stände-
       in eine Klassengesellschaft.
       
       Gesellschaft aber, eben, auch, weil da [4][etwas zusammenkommt], das
       zusammenzubringen sich vielleicht nicht aufdrängt. „Alltag im Blick
       niederländischer Meister“ lautet der Untertitel, und Alltag fängt ja auch
       Eidinger in seinen Fotos ein – selten den eines gut beschäftigten
       Schauspielers, es hängen da also nicht Garderobenspiegel-Selfie und
       Premieren-Glamour. Eher die Art von spröder Schönheit, die wir alle kennen:
       Nicht-Orte und urbane Abseiten, Natur, die der Mensch verschlimmbessernd
       gestaltet hat, [5][Menschen am gesellschaftlichen Rand.]
       
       Bei allen (motivlichen) Gemeinsamkeiten gibt es natürlich Unterschiede: Wo
       ein Eidinger heute im Vorbeigehen Druckfähiges knipsen kann, seien es
       Menschen oder eine Umkleidekabine im KaDeWe, mussten ein Adriaen Brouwer
       oder Pieter de Hooch entschieden mehr Zeit im Atelier investieren. (Würden
       sie das immer noch tun? Oder wären sie selbst begeisterte
       Smartphone-Künstler?)
       
       Ach ja, Stefan Marx ist auch mit im Ausstellungs-Boot: Der ehemalige
       Wahlhamburger hat lange die Plattencover gezeichnet für das örtliche
       Houselabel Smallville oder Werbematerialien des Golden Pudel Club.
       Inzwischen lebt er in Berlin und gestaltet unter anderem Vasen für die
       Königliche Porzellan-Manufaktur. Zur Hamburger Ausstellung steuert er teils
       großformatige Wort-Kunst bei. Und im Januar soll eine Arbeit Marx' an die
       10 mal 11 Meter große Außenwand der Galerie der Gegenwart kommen, des
       jüngsten Teils der Kunsthalle: Mehr Sichtbarkeit geht kaum in dieser Stadt.
       
       Als Liedtitel gelesen, verweist sein Ausstellungs-Unter-Untertitel „I’ll be
       your mirror“, verfremdet in Weiß auf Schwarz, auf das Zusammentreffen der
       Pop-Art Andy Warhols mit der Musik von [6][Velvet Underground] in den
       1960ern. Spiegelungen wiederum, das sagt Eidinger, interessierten ihn. Und
       kommt also doch zurück zu seiner Hauptbeschäftigung, auf die er aber nicht
       reduziert werden möchte: Als Schauspieler sei er auch nichts ohne ein
       Gegenüber.
       
       26 Nov 2021
       
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