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       # taz.de -- Werder Bremen gegen Schalke 04: Doppelter Krimi in Bremen
       
       > Durch einen umstrittenen Elfmeter erreicht Werder gegen Schalke 04 ein
       > 1:1. Für mehr Aufregung sorgt die Impfpass-Affäre um Ex-Trainer Markus
       > Anfang.
       
   IMG Bild: Es war ein Kampfspiel zwischen Werder Bremen und Schalke 04
       
       Bremen taz | Das Aufreger-Thema Fußball und Corona ist seit dem Wochenende
       um eine Wendung reicher. Die Erfindung der Geisterspiele, Karl-Heinz
       Rummenigges „Bundesliga first“-Vorschlag für die Impfkampagne, [1][Joshua
       Kimmichs Impf-Verweigerung] – all das verblasst hinter dem Verdacht, ein
       Bundesliga-Trainer könnte seinen Impfpass gefälscht haben.
       
       Schauplatz dieses Kriminal-Stückes ist ausgerechnet das Weser-Stadion, das
       vierzig Jahre lang als einer der letzten Horte der Harmonie im
       Profi-Fußball galt. Selbst [2][der Abstieg in die 2. Bundesliga] löste hier
       keine nennenswerten Turbulenzen aus. Doch nun holten die Grün-Weißen den
       großen Vorsprung der Liga-Konkurrenten HSV und Schalke 04 in den
       Disziplinen Chaos, Drama und Skandale binnen zweier Tage ein.
       
       Am späten Donnerstagabend [3][teilte der Verein mit], dass die
       Staatsanwaltschaft gegen Trainer Markus Anfang Ermittlungen eingeleitet
       hatte. Er solle dem Gesundheitsamt ein gefälschtes Impfzertifikat vorgelegt
       haben. In der gleichen Erklärung wies Anfang die Vorwürfe zurück. Am
       Freitagmittag stärkte Sportchef Frank Baumann dem Trainer den Rücken, am
       Abend rückte dann die Polizei im Weserstadion an und forderte die Impfpässe
       von Anfang und seinem Co-Trainer Florian Junge.
       
       ## Business as usual ist unmöglich
       
       „Dort wurde uns eine sehr klare Indizienlage übermittelt“, sagte Werders
       Vorstandschef Klaus Filbry, ohne Details zu nennen. Nach Angaben mehrerer
       Medien sollen im Nachweis des Trainers die Chargennummer des Impfstoffs und
       ein Impfdatum unstimmig sein. Noch in der Nacht baten Anfang und Junge um
       die Auflösung der Verträge.
       
       Das alles passierte vor einem Spiel, das sportlich wieder Aufstiegseuphorie
       wecken sollte und in dem der Gegner unter Flutlicht vor ausverkauftem Haus
       Schalke 04 hieß. Das, was sich dann im Stadion abspielte, erinnerte an eine
       der Parallelhandlungen, wie sie in TV-Krimis gerade sehr beliebt sind.
       
       Die Stadionregie bemühte sich zunächst mit Gewinnspielen und
       Promi-Interviews um Business as usual. Das erste Zeichen setzten die Fans,
       als die Mannschaftsaufstellung verlesen wurde und der kurzfristig vom Co-
       zum Cheftrainer beförderte Daniel Zenkovic den größten Applaus bekam.
       Anschließend zeigten die Ultras, dass sie in der Zeit der Geisterspiele
       nichts von ihren choreografischen Fähigkeiten verlernt haben. Die gesamte
       Ostkurve verschwand unter einem einzigen Tuch, auf dem in Riesenlettern
       unter anderem „Magico Werder“ und „Our will is unbreakable“ zu lesen war.
       
       Auf dem Rasen entwickelte sich ein abwechslungsreiches Kampfspiel, das von
       zwei leidenschaftlichen Fan-Lagern befeuert wurde – auf Bremer Seite mit
       einer deutlichen „Jetzt erst recht“-Botschaft. Das Tempo nahm in der
       zweiten Halbzeit noch zu, da beide Teams die Stellungen im Mittelfeld
       weitgehend auflösten und die Angriffswellen sich abwechselten – mit den
       besseren Chancen für die Gastgeber. „Wenn wir da einen kühlen Kopf
       bewahren, wäre ein Sieg heute auch verdient gewesen“, sagte Stürmer Marvin
       Ducksch. Taten sie aber nicht und so wurde die Schlussphase zum sportlichen
       Krimi.
       
       Erst konnte Werder-Keeper Jiri Pavlenka einen Gewaltschuss des
       eingewechselten Rodrigo Zalazar nur zu Simon Terodde abklatschen, der per
       Kopf abstaubte. Werder drängte auf den Ausgleich und erhielt in der achten
       Minute der Nachspielzeit von Tobias Stieler per Videobeweis einen Elfmeter
       zugesprochen, den Niclas Füllkrug sicher verwandelte. Die [4][Schalker]
       fühlten sich um den Sieg „betrogen“ (Sportchef Peter Knäbel) – ein Wort,
       das an diesem Wochenende in Bremen Hochkonjunktur hatte.
       
       Im anderen Film ist Werders Sportchef Frank Baumann, der Markus Anfang laut
       eigener Aussage nach einem „professionellen Recruiting-Prozess“ eingestellt
       hatte, wieder auf Trainersuche. Am häufigsten wird der Name „Ole Werner“
       genannt, der erst vor zwei Monaten bei Werders nächstem Gegner Holstein
       Kiel aus sportlichen Gründen zurückgetreten war.
       
       Für Werder ist „die Akte Markus Anfang“ laut Klaus Filbry „geschlossen“.
       Für die Staatsanwaltschaft gilt das nicht. „Falls sich die Vorwürfe
       bewahrheiten sollten, wäre die persönliche Enttäuschung riesig“, sagte
       Torschütze Füllkrug.
       
       21 Nov 2021
       
       ## LINKS
       
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   DIR [3] https://www.werder.de/aktuell/news/profis/20212022/anfang-und-jung-treten-zurueck-20112021/
   DIR [4] /Gelsenkirchener-Stadtteil-Schalke/!5767977
       
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   DIR Ralf Lorenzen
       
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