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       # taz.de -- Coronaprävention im Privatleben: Mit Rumtee am Lagerfeuer
       
       > Mit den steigenden Coronazahlen wachsen die Risiken. Und das in der
       > Vorweihnachtszeit. Vor jedem Besuch also ein Schnelltest? Eine
       > Entscheidungshilfe.
       
   IMG Bild: Ikonisches Stäbchen im Rachen: Testen ist so wichtig wie nie zuvor
       
       Schön war sie gewesen, diese Phantasie, das [1][Coronamonster zum
       Jahresende] mit ein paar Böllerschüssen auf Nimmerwiedersehen zu
       verabschieden, [2][der Impfung sei dank], und sich über das vergangene
       Coronajahr voller Entbehrungen auszutauschen im wohligen Gefühl, dass der
       Albtraum vorbei ist. Ist er leider nicht. „Ich werde keine Silvesterparty
       besuchen. Alle Partys sind Orte, wo man sich anstecken kann“, hat Lothar H.
       Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), verkündet, „Reduzieren
       Sie Ihre Kontakte!“
       
       Die Frage lautet, wie genau das gehen soll, die Kontakte reduzieren, noch
       dazu in der geselligen Vorweihnachtszeit. Eine Möglichkeit besteht
       natürlich darin, erstmal alle Kontakte zu Ungeimpften zu kappen. Soviel
       sind das ja nicht, [3][fast 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung] in
       Deutschland sind vollständig geimpft. Leider ist unter den Ungeimpften aber
       nicht nur die abgedrehte Bekannte F., die an die Vorsehung glaubt und die
       moderne Medizin für Teufelszeug hält, sondern auch die eine oder andere
       Verwandte, die man zur Weihnachtszeit gerne getroffen hätte.
       
       M. zum Beispiel ist eigentlich warmherzig und zugewandt. M. hat eine
       Krebserkrankung hinter sich und schweres Rheuma, schluckt kiloweise
       Medikamente und hat eine tiefe Abneigung, ja Angst davor, sich „noch mehr
       ungeprüfte Chemie in den Körper jagen zu lassen“, zumal sie doch ohnehin
       „völlig zurückgezogen lebt“, wie sie sagt.
       
       M. ist immerhin bereit, dem seltenen Besuch einen soeben gemachten
       negativen Schnelltest von Lidl zu präsentieren. Der frisch gemachte
       Schnelltest, negativ, könnte zum Accessoire der Saison werden, ein
       Mitbringsel auch unter Geimpften bei Privatbesuchen. Der Auftakt jeder
       Privatparty könnte nicht ein Gläschen Prosecco, sondern sogar eine Runde
       Schnelltesten sein, wo man sich erst im Beisein der andern in der Nase
       herumbohrt und sich dann neugierig über die eigene und die Testkassetten
       der andern beugt und auf das erlösende leere Feld beim Buchstaben „T“
       hofft.
       
       ## Kinder können Virusschleudern sein
       
       Diese Art Auftakt bei Privatbesuchen ist ohnehin angesagt, wenn
       Minderjährige oder junge Ungeimpfte mit im Haushalt wohnen. Unter den 12-
       bis 17-Jährigen sind nur 40 Prozent vollständig geimpft, unter
       Grundschulkindern noch viel weniger. Dabei sind, so neueste Zahlen etwa aus
       Brandenburg, die Inzidenzen in diesen Altersgruppen sehr hoch. Kinder
       können zu Virusschleudern werden und das völlig unschuldig.
       
       Selbst durchgeführte Schnelltests bieten allerdings keine vollständige
       Sicherheit, das räumt auch [4][das Robert Koch-Institut in einem
       epidemiologischen Bulletin ein.] Die in Deutschland verfügbaren Tests
       hätten eine „klinische Sensitivät“ von 40 bis 80 Prozent, so das RKI. Die
       Sensitivität gibt an, bei wieviel Prozent der Infizierten ein Test die
       Viruslast auch erkennt. Bei mindestens 20 Prozent der Infizierten tut er
       das nicht.
       
       „Ein negatives Testergebnis schließt eine Infektion nicht aus“, warnt das
       RKI und fordert, nach wie vor die berühmten AHA-L-Regeln einzuhalten. Was
       bedeutet, Maske auf, Abstand halten, Hände waschen, Lüften. Lüften: Im
       Winter ein unbeliebter Ratschlag.
       
       Die Schutzmaßnahmen sind eine ganz persönliche Kombi. Endgültige
       Sicherheiten gibt es nicht. Impfen zum Beispiel: Leider nicht mehr so
       effektiv wie vor der Verbreitung der hochansteckenden Deltavariante des
       Virus, aber besser als nichts.
       
       ## AstraZeneca nach 5 Monaten unwirksam
       
       Laut dem [5][jüngsten Wochenbericht des RKI] sind unter den
       Corona-Infizierten – bis zum Alter von 59 Jahren – rund 42 Prozent geimpft
       gewesen. Unter den Corona-Patient:innen in den Krankenhäusern aber war der
       Anteil der Geimpften deutlich geringer. Der Impfeffekt als Schutz vor
       schweren Verläufen ist da. Aber eben begrenzt, auch zeitlich.
       
       Wer mit BioNTech geimpft ist, hat nach einem halben Jahr nur noch 47
       Prozent Impfschutz. Wer AstraZeneca bekam, ist nach einem halben Jahr gar
       nicht mehr geschützt, so [6][eine schwedische Studie.] Wer nur mit Astra
       vorliebnehmen musste, sollte schon nach fünf Monaten, die anderen nach
       sechs Monaten eine Auffrischungsimpfung erhalten.
       
       Man sollte immer ein paar Schnelltests und eine gewisse Auswahl an Masken
       zuhause haben. Maske ist nicht gleich Maske. In Bayern muss man jetzt
       wieder im öffentlichen Nahverkehr die unangenehmen, aber protektiveren
       FFP-2-Masken tragen, davor reichten auch die hellblauen dünnen Fähnchen,
       „medizinische Maske“ genannt, aus, um U-Bahn fahren zu dürfen. In Berlin
       darf man zwar im Supermarkt mit den Hellblauen einkaufen, soll aber in der
       U-Bahn eine FFP-2-Maske tragen.
       
       FFP-2-Masken gelten als sicherer und sind daher in der anschwellenden
       vierten Welle vorzuziehen. Ansonsten ist es eine persönliche Entscheidung,
       wo man hingeht. Ins Restaurant mit Geimpften? Wenn die letzte Impfung aber
       AstraZeneca war und schon länger zurückliegt? Soll man vielleicht vorher
       zuhause einen Schnelltest machen und die andern auch? Kann man.
       
       ## Lagerfeuer in Waschtrommel
       
       Vielleicht geht man auch in die Geschäfte zum Geschenkekauf besser mit
       FFP-2-Maske und nicht unbedingt am Samstag um 14 Uhr, wenn das Deltavirus
       begeistert in Form von Aerosolen durch die Menge fliegt. Ins Kino? Ja,
       vielleicht, aber nur in den großen unausgelasteten Filmpalast in die
       Nachmittagsvorstellung, wenn die Reihen leer sind.
       
       Private Treffen mit den Freund:innen? Kann man, womöglich mit Schnelltest
       vorher. Vielleicht aber auch wieder in der Variante „Nomadland“: Man packt
       sich warm ein, Thermoskanne mit Rumtee dazu und wandert plaudernd durch die
       Dämmerung. Vielleicht kann man bei irgendjemandem im Garten ein Lagerfeuer
       entfachen.
       
       Als Feuerkorb eignet sich die ausgebaute Waschtrommel einer ausrangierten
       Waschmaschine, das machen Camper in den USA auch so. Improvisation ist
       gefragt. Das jedenfalls passt auch zur Weihnachtszeit.
       
       18 Nov 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Nachrichten-in-der-Coronakrise/!5815223
   DIR [2] /Deutschland-in-der-Coronakrise/!5812174
   DIR [3] https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Impfquoten-Tab.html
   DIR [4] https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/17_21.pdf?__blob=publicationFile
   DIR [5] https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenbericht_2021-11-11.pdf?__blob=publicationFile
   DIR [6] https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3949410
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Barbara Dribbusch
       
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