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       # taz.de -- Irakische Parlamentswahl: Wahlen ohne Nachwuchs
       
       > Die Ergebnisse der irakischen Parlamentswahl lassen keine maßgeblichen
       > Reformen erwarten. Einzig der iranische Einfluss nimmt ab.
       
   IMG Bild: Wahlsieger Muqtada al-Sadr braucht Partner für eine regierungsfähige Koalition
       
       Noch sind die Stimmen hier im Irak nicht komplett ausgezählt. Aber es gibt
       mehrere Dinge, die jetzt schon klar sind. Die vorgezogenen
       [1][Parlamentswahlen] waren vor zwei Jahren von der jungen irakischen
       Protestbewegung eingeklagt worden in der Hoffnung, endlich mit
       Reformkandidaten neuen Wind ins Parlament in Bagdad zu bringen. Nun lag die
       Wahlbeteiligung mit 41 Prozent so niedrig wie noch nie, seit nach dem Sturz
       Saddam Husseins im Land gewählt werden darf.
       
       Und es waren vor allem die jungen Wähler, die den Urnen fernblieben.
       Offensichtlich haben die den Glauben daran verloren, mit diesen Wahlen
       effektiv gegen Korruption und Misswirtschaft vorgehen zu können. Das liegt
       vor allem daran, dass es die Protestbewegung nicht geschafft hat, sich
       politisch für diese Wahlen in Parteien zu organisieren. Der neue Wind im
       irakischen Parlament wird bestenfalls ein kleines Lüftchen.
       
       Denn die [2][alten Gesichter der irakischen Politik] werden auch die neuen
       sein. Es sind vor allem wieder die alten traditionellen konfessionellen
       schiitischen Blöcke, die gewonnen haben. Aber hier gibt es eine wichtige
       Verschiebung. Die schiitischen Parteien, die direkt mit dem Iran verbunden
       sind, sind die großen Verlierer dieser Wahlen. Stattdessen hat der
       schiitische geistliche Politiker Muqtada al-Sadr mit seiner Partei
       dazugewonnen.
       
       Al-Sadr trat mit dem Versprechen an, eine vom Iran und anderen
       ausländischen Mächten unabhängigere Politik zu verfolgen. Offensichtlich
       wollen die irakischen Wähler und Wählerinnen – auch die schiitischen –
       [3][weniger Einmischung aus Teheran]. Ob al-Sadr am Ende wirklich liefert,
       bleibt abzuwarten. Fest steht, dass er zwar die größte Partei stellt,
       trotzdem aber nicht allein die künftige Politik des Landes bestimmen wird.
       Er braucht Koalitionspartner. Denkbar sind die sunnitischen Parteien oder
       die Kurden.
       
       Möglich ist auch, dass am Ende einige der unabhängigen Reformkandidaten das
       Zünglein an der Waage sein werden. Denn al-Sadr hat sich zumindest nominell
       auch das Wort „Reform“ auf seine Fahnen geschrieben. Das Schachern geht
       jetzt erst richtig los. Der Koalitions-Basar in Bagdad ist eröffnet. Es
       kann Wochen oder Monate dauern, bis die neue Koalition steht.
       
       Es ist kompliziert, aber es bedeutet auch, dass alle Parteien aus ihrer
       konfessionellen und ethnischen Ecke herauskommen müssen. Und das ist
       vielleicht der spürbarste Fortschritt, bis die US-Truppen auch dieses Land
       verlassen werden.
       
       12 Oct 2021
       
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