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       # taz.de -- Drogenboss in Kolumbien gefasst: Von der Guerilla zum Golfclan
       
       > Nach der Verhaftung des Drogenbosses Dairo Antonio Úsuga alias „Otoniel“
       > befürchten viele nun Machtkämpfe und eine Welle der Gewalt.
       
   IMG Bild: Foto für die Presse: Dairo Antonio Úsuga nach seiner Festnahme am 23. Oktober
       
       Bogotá taz | Der „am meisten gefürchtete Drogenboss der Welt“ ist gefasst.
       Für Kolumbiens Präsidenten Iván Duque markiert die Festnahme von alias
       „Otoniel“ das „Ende des Golf-Clans“. Doch den Menschen in den Regionen wird
       sie wohl eine neue Gewaltwelle bringen.
       
       Dairo Antonio Úsuga alias Otoniel wurde in einem Waldgebiet nahe der Grenze
       zu Panama gefasst, teilte die Regierung am Samstag mit. Dies sei der bisher
       „schwerste Schlag gegen den Drogenhandel in unserem Land in diesem
       Jahrhundert“, sagte Präsident Iván Duque.
       
       An der gemeinsamen Operation Osiris von Polizei, Luftwaffe und Heer waren
       500 Sicherheitskräfte und 22 Hubschrauber beteiligt. Informationen von den
       USA und Großbritannien sollen sie zu Otoniels Dschungelversteck geführt
       haben. Ein Polizist kam bei der Operation ums Leben.
       
       Präsident Duque verglich die Festnahme von Otoniel mit der Aktion, die zur
       Tötung von Drogenbaron Pablo Escobar im Jahr 1993 geführt hatte. „Otoniel
       war der am meisten gefürchtete Drogenboss der Welt, ein Mörder von
       Polizisten, Soldaten und Aktivisten und Rekrutierer von Minderjährigen“,
       [1][sagte Duque].
       
       ## Gute Bilder für die Öffentlichkeit
       
       Jahrelang hatten die Sicherheitskräfte Otoniel gesucht. Die USA hatten ein
       Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt – und warten auf seine
       Auslieferung. Kolumbien hatte umgerechnet etwa 800.000 Dollar für Hinweise
       geboten.
       
       Die von der Festnahme verbreiteten Bilder sind befremdlich. Alias Otoniel
       sieht auf ihnen geradezu unschuldig aus, fast heiter. Auf dem einen liegt
       er mit nacktem Oberkörper wie ein erlegtes Stück Wild auf dem Boden. Ein
       weitverbreitetes Foto ist ein Selfie, das ein lächelnder Soldat mit ihm im
       Militärhubschrauber aufnahm.
       
       Dass es die Bilder gibt, ist einerseits wichtig: Zu oft blieben nach
       solchen Erfolgsmeldungen der Regierung Zweifel, ob diese den Tatsachen
       entsprachen. Gerade bei früheren Militäroperationen gegen Guerilleros waren
       die mutmaßlichen „Ziele“ nach den Bombardierungen nicht mehr zu erkennen,
       viele Fragen blieben offen.
       
       Laut Sergio Guzmán, Direktor von Colombia Risk Analysis, ist es ein Erfolg,
       dass Otoniel lebendig gefasst wurde, da dies auf eine ausgeklügelte
       Operation mit Infiltration schließen lasse.
       
       ## Nur Otoniel hat den Golfclan noch zusammengehalten
       
       Gleichzeitig lenken die Bilder davon ab, dass mit der Personalie das
       Problem nicht gelöst ist. Denn dass Otoniels Festnahme „das Ende des
       Golf-Clans“ markiert, wie Präsident Duque verkündete, ist mehr als
       zweifelhaft. Jemand wird nachrücken, das steht fest. Die Zeitung [2][El
       Espectador] nennt bereits mehrere mögliche Nachfolger.
       
       Nach allem, was bekannt ist, war der in Antioquia geborene Otoniel mit 16
       zuerst Mitglied der linken Guerilla EPL (Volksbefreiungsarmee), dann kurze
       Zeit in den Reihen der FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) und
       später Mitglied der rechten Paramilitärs AUC (Kolumbianische
       Selbstverteidigungskräfte).
       
       Der heute 50-Jährige hatte 2012 die Führung des Golf-Clans übernommen,
       nachdem sein Bruder Juan de Dios bei einem Polizeieinsatz getötet worden
       war. Der Golf-Clan ist auch bekannt als Autodefensas Gaitanistas de
       Colombia (AGC). Er soll über 1.200 bewaffnete Mitglieder verfügen, die zum
       größten Teil ehemalige Mitglieder rechtsextremer paramilitärischer Gruppen
       sind.
       
       Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Indepaz ist der Golf-Clan in
       fast 300 Städten und Gemeinden in Kolumbien aktiv. Der Clan ist neben dem
       Drogenhandel in illegalen Bergbau verwickelt, verantwortlich für
       Vertreibungen und ermordet Bürger- und Menschenrechtlerïnnen.
       
       Analystïnnen und Menschenrechtsgruppen gehen davon aus, dass auf Otoniels
       Festnahme eine Zunahme der Gewalt folgen wird. Laut Elizabeth Dickinson vom
       Thinktank Crisis Group ist das ein Muster in Kolumbien, wenn die Nummer
       eins einer Organisation ausgeschaltet wird: In dem Moment eskalieren sowohl
       interne Machtkämpfe als auch Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen
       kriminellen Gruppen, die ins vermeintliche Machtvakuum stoßen wollen. Es
       ist bekannt, dass der Golf-Clan bereits innerlich zersplittert war – und
       nur durch Otoniel zusammengehalten wurde.
       
       25 Oct 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://twitter.com/infopresidencia/status/1452039171774820354?s=20
   DIR [2] https://www.elespectador.com/judicial/lo-que-viene-para-el-clan-del-golfo-tras-la-captura-de-otoniel/)
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Katharina Wojczenko
       
       ## TAGS
       
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