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       # taz.de -- Verpfiffenes Spitzenspiel?: Komplexe Situation
       
       > Wegen einer vermeintlich läppischen Gelb-Roten Karte gerät nach dem
       > 1:0-Sieg der Gladbacher gegen Dortmund Schiedsrichter Aytekin in die
       > Schusslinie.
       
   IMG Bild: Der Dortmunder Thorgan Hazard beschwert sich
       
       Gladbach taz | Nur kurz gaben sich die Anhänger von Borussia
       Mönchengladbach nach dem Sieg ein letztes Mal den negativen Emotionen hin,
       die zu einem prägenden Motiv des Duells gegen den BVB geworden waren.
       Inmitten der Erfolgsgesänge brüllten sie noch einmal ihre Schmähungen gegen
       Marco Rose. Sie hatten nicht nur die Dortmunder, sondern auch ihren
       ehemaligen Trainer mit 1:0 besiegt, der nach seinem Wechsel von der einen
       zur anderen Borussia unter vielen Gladbacher Anhängern jedes Ansehen
       verloren hat.
       
       Nun feierten sie nicht zuletzt, dass ihr Zorn und ihre Rachegelüste
       tatsächlich irgendwie geholfen hatten. Sogar [1][Schiedsrichter Deniz
       Aytekin] hatte sich in der aufgewühlten Atmosphäre dazu hinreißen lassen,
       der Partie aus einem Impuls der Verärgerung heraus eine neue Richtung zu
       geben, als er Mahmoud Dahoud mit einer gelb-roten Karte des Feldes verwies.
       
       Die Vorkommnisse aus jener 40. Minute wurden im Nachgang zum
       Schlüsselmoment erklärt. Der bereits mit einer gelben Karte verwarnte
       Dahoud hatte nach einem Foul und dem fälligen Pfiff des Unparteiischen
       reflexhaft abgewunken, woraufhin er eine zweite Karte gezeigt bekam.
       „Völlig übertrieben“ sei diese Strafe, fand der Dortmunder
       Lizenzspielerchef Sebastian Kehl, und selbst der Gladbacher Trainer Adi
       Hütter räumte ein, dass er sich „geärgert hätte“, wenn einer seiner Spieler
       nach so einer Allerweltsaktion vom Platz geflogen wäre. Die Tektonik des
       gesamten Spiels veränderte sich danach, die bereits vorher etwas besseren
       Gladbacher wurden endgültig zur dominierenden Mannschaft. Und Aytekin
       musste sich nach dem Abpfiff rechtfertigen.
       
       ## „Habe ein Zeichen setzen wollen“
       
       Man könne schon sagen, dass der Platzverweis „einzeln betrachtet zu hart
       ist“, sagte er, doch „in der Summe war dieses Abwinken zu viel“. Er habe
       „ein Zeichen setzen wollen“. Zuvor hatte bereits Raphaël Guerreiro einen
       Foulpfiff mit einer ähnlichen Geste kommentiert, woraufhin Aytekin die
       Mahnung aussprach, bei der nächsten Aktion dieser Art gelb zu zeigen.
       „Dieses ständige Abwinken möchte ich einfach nicht mehr für mich“, sagte
       er. Seine Warnung hatte er allerdings gegenüber Guerreiro und nicht
       gegenüber Dahoud ausgesprochen, Dortmunds Kapitän Mats Hummels bezeichnete
       die Entscheidung daher als „falsch“. Erstaunlicherweise war es Rose, der
       die klarsten Worte zu dieser Szene fand.
       
       Die Situation sei „komplex“, sagte er, und „Herr Aytekin hat natürlich
       Recht damit, dass wir das nicht brauchen.“ Rose berichtete von seinen
       eigenen Erfahrungen als Schiedsrichter bei Trainingsspielen, in deren
       Rahmen er abfällige Gesten nie akzeptiere. Allerdings gehe es um eine
       „Linie“, die an dieser Stelle fehle. „Der Grundsatz ist richtig“, sagte
       Rose, „aber dann muss ich das auch in allen Stadien machen und an allen
       Spieltagen“.
       
       Aytekin jedoch hatte diese Linie nicht einmal in diesem Spiel
       durchgehalten, weil er auf Guerreiros Verhalten zunächst nur mit einer
       mündlichen Ermahnung reagierte und dann Dahoud direkt zum Duschen schickte.
       Es bleibt der Eindruck, dass hier der Schiedsrichter ein Topspiel, das hoch
       relevant für die Tabelle und den Titelkampf ist, in seinem eigenen Kampf
       für bessere Manieren genutzt hat.
       
       Zum Zeitpunkt des Platzverweises führten die Gladbacher nach einem Treffer
       von Denis Zakaria bereits mit 1:0, und in Überzahl retteten sie diesen
       knappen Vorsprung mit viel Hingabe und getragen von der Energie des
       Stadions ins Ziel. Er habe „viel mehr Leidenschaft, Begeisterung und
       Emotion gesehen“, als in den etwas blutleeren vorangegangenen Partien,
       sagte Gladbachs Trainer Adi Hütter. Sebastian Kehl räumte unterdessen ein,
       dass der BVB ganz unabhängig vom Platzverweis „nicht gut genug“ gewesen
       sei.
       
       Besonders die Offensive war erschreckend harmlos, nachdem sich der Kapitän
       Marco Reus sowie der Torjäger Erling Haaland im Abschlusstraining verletzt
       hatten und ausfielen. Die Dortmunder bringen daher eine ernüchternde
       Erkenntnis mit vom Niederrhein: Wenn Reus und Haaland fehlen, haben sie ein
       massives Problem im Angriff.
       
       26 Sep 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Deniz_Aytekin
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Daniel Theweleit
       
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