# taz.de -- Nabu gegen verschmutzte Gewässer: Mehr Klarheit bei Pestiziden
> Der Naturschutzbund fordert mehr Transparenz darüber, wer wie viele
> Chemikalien einsetzt. Derzeit mangelt es an einer bundesweiten Regelung.
IMG Bild: Landwirt:innen in Baden-Württemberg müssen offenlegen, wie viele Pestizide sie einsetzen
Berlin taz | Wer mit Pestiziden die Umwelt verschmutzt, muss darüber
informieren. Das hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in
Baden-Württemberg in einem Urteil vom Juni gegen die
Landwirtschaftsverwaltung erstritten, [1][fordert] es nun aber auch auf
Bundesebene. Dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim zufolge hat jedermann und
jederfrau in dem Bundesland ein Recht darauf zu erfahren, wie viele
Pestizide eingesetzt werden. Daher müssen nun Landwirt:innen in
Baden-Württemberg offenlegen, wie viele Pestizide sie einsetzen.
„Das aktuelle Urteil aus Baden-Württemberg ist ein großer Erfolg für den
Artenschutz“, sagt Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger. Er hofft, dass damit
die Grundlage für eine bundesweite Regelung gelegt ist. In zehn anderen
Bundesländern – alle Flächenstaaten außer dem Saarland und
Nordrhein-Westfalen – hat der Nabu ebenfalls das Informationsrecht
beantragt.
Die Pestizide sind der entscheidende Faktor dafür, dass in Gewässern
Insekten sterben, wie Forscher:innen vom Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung (UFZ) in einer Studie nachweisen. „Durch Pestizide wandelt
sich die Insektenvielfalt, sie gefährden unser Ökosystem“, sagt Forscher
Matthias Liess. Schnecken oder Mücken kommen mit den Giften besser klar,
langlebigere Insekten wie Köcherfliegen oder Libellen jedoch nicht. 2017
zeigte eine Studie des Entomologenvereins Krefeld, dass die Fluginsekten
zwischen 1989 und 2016 um 76 Prozent zurückgegangen sind.
Bundesweit sind Kleingewässer mit Pestiziden belastet, wie die UFZ-Studie
aus dem Juni zeigt. 81 Prozent der Gewässer überschreiten die Grenzwerte um
bis zu den 100-fachen Wert. Für die Studie haben die Forschende 101
Gewässer untersucht. Die Grenzwerte festzustellen, ist auch ein
Messproblem. „In Deutschland registrieren wir nach fünf Tagen jedes Kalb,
kennen jede Erbse. Aber bei Pestiziden haben wir keine Ahnung“, sagt
Matthias Liess vom UFZ.
## In Bayern gibt es schon Daten
Regen spült die Pestizide vor allem von landwirtschaftlichen Feldern ins
Wasser, eine untergeordnete Rolle spielen Kläranlagen und Betriebshöfe. Um
Flüsse und Bäche vor den Pestiziden zu schützen, könnten 10 Meter lange
Flächen neben dem Gewässer begrünt werden, sagt Nabu-Präsident Krüger.
Bisher fehle dafür jedoch die Finanzierung.
Der Nabu setzt nun darauf, dass sich die neue Bundesregierung mit einer
bundesweiten Regelung für den Pestizideinsatz befasst. Doch selbst wenn die
Daten von Landwirt:innen vorhanden sind, kann es noch zu Problem kommen.
Wegen eines laufenden Prozesses verfügt das Umweltinstitut München über
Spritzdaten von 1.200 landwirtschaftlichen Betrieben aus Südtirol. Diese
sind jedoch teilweise unvollständig, handschriftlich oder chaotisch,
erklärt eine Sprecherin. Das Umweltinstitut fordert daher einen
einheitlichen Standard, nach dem sich die Landwirt:innen richten müssen.
15 Sep 2021
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## AUTOREN
DIR Nathanael Häfner
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