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       # taz.de -- Zapatisten in Berlin: Auf der Suche nach Verbündeten
       
       > Derzeit reist eine zapatistische Delegation durch Europa, für eine Woche
       > sind acht Compañeros in Berlin. Am Freitag wollen sie demonstrieren.
       
   IMG Bild: Mitglieder der zapatistischen Armee beim Jahrestag des zapatistischen Aufstands 2018
       
       Berlin taz | Als sich die acht Zapatisten, die zuvor unauffällig an einem
       Biertisch saßen, auf eine Bühne am Oranienplatz gerufen werden, ertönt
       langanhaltender, warmherziger Applaus. Mehrere hundert Menschen sind am
       Mittwochnachmittag zu der ersten öffentlichen Veranstaltung der
       [1][indigenen Delegation aus dem südmexikanischen Chiapas in Berlin]
       gekommen. Die Männer, die ihre Gesichter allesamt hinter Masken und unter
       schwarzen Basecaps verbergen, werden als „Compas“, als Freunde vorgestellt.
       Viele im Publikum verbinden mit ihnen die Hoffnung auf eine bessere Welt,
       jenseits von Kapitalismus, Unterdrückung und Umweltzerstörung.
       
       Die Zapatisten, die seit ihrem bewaffneten Aufstand 1994 gegen den
       mexikanischen Zentralstaat ihren Anspruch auf autonome und
       basisdemokratische Selbstorganisierung verteidigen, sind in diesen Wochen
       in Europa unterwegs. Mitte Juni landeten die ersten von ihnen nach
       50-tägiger Seereise in Spanien, 500 Jahren nach der Rückkehr von
       Christopher Kolumbus. So richtig los ging die groß organisierte [2][„Reise
       für das Leben“ als 177 Zapatisten Mitte September in Wien aus dem Flugzeug
       stiegen]. Mehr als 70 touren in diesen Wochen durch Deutschland, nach einem
       großen Treffen im Wendland nun aufgeteilt in 13 kleinen Teams.
       
       Auf ihrer Suche nach Verbündeten ist ihr Programm prall gefüllt. In sechs
       Tagen Berlin-Aufenthalt haben die Guerilleros zahlreiche Treffen mit
       politischen Gruppen der radikalen Linken und migrantischen
       Selbstorgnisation, dazu Kulturveranstaltungen, Ankunfts- und
       Abschiedszeremonien. Jeder Termin ist zeitlich getaktet, jedes Essen und
       jede Wegstrecke zwischen Prinzessinnengärten, Bethanien und Köpi geplant,
       öffentlich ist davon nichts. Für nicht-Eingeweihte in Erscheinung tritt die
       Delegation nur zwei mal. Ton- oder Bildaufnahmen der Compañeros sind auf
       dem Oranienplatz verboten.
       
       Am Freitag wird die zapatistische Delegation demonstrieren. Unter dem Titel
       „gegen die Todesmaschinerie des kolonialen Kapitalismus“ geht es durch
       Mitte vorbei an den Sitzen von auch in Mexiko bekannten Unternehmen wie
       Heckler & Koch oder Bayer-Monsanto. Zum Auftakt am Schiffbauerdamm hin
       führt eine Schiffsdemo mit der Anarche. Im Aufruf dazu heißt es: „Ihr kamt
       mit Schiffen, um zu kolonialisieren, um Waffen zu bringen und zahlreiche
       Länder zu zerstören. Jetzt kommen wir mit dem Schilf, um uns gemeinsam
       gegen eure Versuche uns auszulöschen zu erheben“.
       
       ## Auf Traum-Reise durch Europa
       
       Auf dem O-Platz ist die Stimmung eher festlich als kämpferisch. Eine
       Ausstellung informiert über die Geflüchtetenkämpfe an diesem Ort, in einem
       Zelt können Kinder zapatistischen Geschichten lauschen und Piñata schlagen.
       Auf der Bühne nennt der erste Redner aus Chiapas die Reise einen „Traum“.
       Angesichts jahrelanger Vorbereitungen und unzähliger Steine, die ihnen
       mexikanische und andere Behörden in den Weg legten, ist sie tatsächlich ein
       besonderes Ereignis.
       
       Weitere Redner sprechen über die Lebensbedingungen ihrer Großeltern, die
       für Großgrundbesitzer auf Fincas arbeiten mussten. Ausführlich erzählen
       sie, Satz für Satz durch Übersetzer unterbrochen, wie ihre Vorfahren
       Steinhäuser errichten, Tiere in die Städte trieben und Salzsäcke schleppen
       mussten, nur Maisbrei zu Essen erhielten und ausgepeitscht wurden.
       Entwürdigt und entrechtet waren die Menschen in diesem ärmsten Bundesstaat
       Mexikos noch vor wenigen Jahrzehnten. Erst ihr Aufstand habe diesen Zustand
       beendet, so der – unausgesprochene – Subtext.
       
       Es ist eine von fünf Erzählungen, die die Zapatisten auf ihrer Reise
       teilen, „um die Geschichte ihrer Bewegung näher zu bringen“, sagt die
       Moderation im Anschluss. Welche Bedeutung sie aber für die Zuhörer habe? Es
       gebe „Gemeinsamkeiten zum Kapitalismus hier und heute“, so die Antwort,
       auch hier würden noch immer „Menschen ausgebeutet und gequält“. Der
       wirkliche Austausch der Bewegungen, lehrreiche Debatten über Strategien und
       Zusammenarbeit, findet womöglich woanders statt. In klandestineren
       Zusammenkünften.
       
       7 Oct 2021
       
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