URI:
       # taz.de -- Wahlsieger SPD: Wieder oben
       
       > Die Leidenszeit der Sozialdemokratie ist beendet. Olaf Scholz dringt auf
       > das Kanzleramt – auf Samtpfötchen.
       
   IMG Bild: Blumen für den Wahlsieger. Olaf Scholz lässt sich im Willy-Brandt-Haus feiern
       
       Berlin und Essen taz | Olaf Scholz verzieht am Sonntagabend in der Berliner
       Runde keine Miene, als [1][Christian Lindner] die Grünen umgarnt. Der
       FDP-Chef sendet eine überraschende Botschaft: Wir beide, Grüne und
       Liberale, machen aus, wer unter uns Kanzler wird. Verkehrte Rollen also.
       Dabei hat die SPD doch die Wahl gewonnen, sie ist zum ersten Mal seit 2002
       stärker als die Union. Scholz’ Mimik bleibt unbewegt. Keine Reaktion. Ist
       das Schwäche? Oder Kalkül?
       
       Ralf Stegner fühlt sich großartig. Er hat in Pinneberg das Direktmandat
       gewonnen. Stegner (61) zieht erstmals in den Bundestag ein. Es ist
       gleichzeitig ein Comeback – 2019 war der selbstbewusste SPD-Linke aus dem
       Parteivorstand geflogen. In der neuen SPD-Fraktion werden 48 Jusos
       vertreten sein, 26 davon haben ihren Wahlkreis gewonnen. Fast ein Viertel
       der SPD-Fraktion ist damit jünger als 35 Jahre – ein Novum.
       
       Auch Carsten Schneider (45) fühlt sich „sehr gut“. Er hat in Erfurt direkt
       gewonnen, eigentlich ein CDU-Wahlkreis, und dabei noch die Grüne
       Kathrin-Göring Eckardt und Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow hinter sich
       gelassen. „Wir wurden lange ja nur noch mit Mitleid bedacht, haben aber
       unbeirrt weitergemacht“, sagt Schneider, der als parlamentarischer
       Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion einen Schlüsselposten innehat.
       Die Sozialdemokratie, die als Relikt des 20. Jahrhunderts galt, ist wieder
       auf der Bühne. „Dieser Sieg verändert die politische Landkarte in Europa“,
       so Schneider vollmundig.
       
       Erfolge also überall. Aber was ist der Sieg wert?
       
       Vielen Sozialdemokraten ist aufgefallen, wie verhalten [2][Scholz] am
       Sonntagabend auftrat. Die Hoffnung der SPD ist, dass die Zeit für sie
       arbeitet. Dass der brüchige Friede in der Union nicht halten wird. Dass
       Laschet in einer Panikattacke gestürzt wird, sich ein Machtvakuum auftut
       und eine Jamaika-Koalition damit an Attraktion verliert. Dass den Grünen
       klar wird, dass sie nicht mit dem zerzausten, innerlich gespaltenen
       Wahlverlierer Union regieren können.
       
       Diese Wahl war ja ein Ruck nach links – weg von der Union, hin zu SPD und
       Grünen. SPD, Grüne und FDP haben gewonnen, die Union hat verloren. Das soll
       sich am Ende auch in der neuen Bundesregierung widerspiegeln.
       
       ## In der Herzkammer der Sozialdemokratie
       
       Der Pullover, den der Sozialdemokrat [3][Dirk Heidenblut] am Abend der
       Bundestagswahl trägt, ist eine Liebeserklärung ans Ruhrgebiet: „Ruhrpott“
       prangt auf dem dunkelblauen Sweater, „meine Heimat, meine Liebe“, und
       natürlich „auf Kohle geboren“. Mehr Ruhrgebiet geht nicht – denn der
       60-Jährige tritt für die Sozialdemokraten im traditionell roten Essener
       Norden und Osten an.
       
       Lange qualmten hier im Stadtteil Katernberg die Schlote der Kokerei
       Zollverein. Jetzt ist die Zeche Weltkulturerbe – und Heidenblut Favorit im
       Rennen um den Bundestagswahlkreis Essen II. „Ich bin immer positiv“, sagt
       der einstige Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) deshalb,
       als er am Sonntagabend gegen 17.30 Uhr bei der Wahlparty seiner SPD
       ankommt.
       
       Die Essener Genoss:innen feiern im Hinterhof ihres Parteihauses in der
       Innenstadt, haben eine leicht abgeranzte Dreifachgarage in eine hippe
       Partylocation verwandelt. Davor stehen weiße, mit Luftballons geschmückte
       Zelte. In der Garage liegen Sitzkissen, den Boden bedeckt ein abgewetzter
       Orientteppich. An den Wänden hängen gerahmte Bilder berühmter
       Sozialdemokrat:innen wie Hannelore Kraft und Willy Brandt wie
       Familienfotos – Agendakanzler Gerhard Schröder findet sich verschämt
       versteckt in einer Ecke.
       
       Trotzdem kommt um 18.01 Uhr kaum Stimmung auf – auf einem riesigen
       Fernseher sieht die erste ARD-Prognose SPD und Union gleichauf. Während im
       Berliner Willy-Brandt-Haus gejubelt wird, schweigen die allermeisten der
       etwa einhundert Genoss:innen in der Severinstraße. Hier im Ruhrgebiet,
       im roten Kernland Nordrhein-Westfalens, haben sie mehr erwartet.
       
       Entspannter wird die Stimmung erst, als sich in den nächsten zwei Stunden
       der Vorsprung der SPD immer stärker herausschält. „Bei mir kann nichts mehr
       anbrennen“, lächelt Heidenblut um kurz nach 20 Uhr. Mit 37,8 Prozent wird
       er den Essener Norden am Ende holen.
       
       ## Die SPD ist zurück
       
       Heidenbluts Wahlkreis steht damit stellvertretend für das ganze Ruhrgebiet:
       Fast alle Direktmandate gewinnen hier die Sozialdemokraten. Auch bei den
       Zweitstimmen ist das Revier und sein Umland rot, ebenso Teile Ostwestfalens
       um die traditionelle SPD-Hochburg Bielefeld, der Süden Düsseldorfs und der
       größte Teil Kölns.
       
       Dort hat der in der Pandemie auf allen Fernsehkanälen omnipräsente
       SPD-Gesundheitsexperte [4][Karl Lauterbach] seiner christdemokratischen
       Konkurrentin eine bittere Niederlage beschert. Gegen Nordrhein-Westfalens
       Integrations-Staatssekretärin Serap Güler gewinnt der Mediziner den
       Wahlkreis Leverkusen – Köln IV mit satten 45,6 Prozent.
       
       Zwar bleiben der ländliche Raum Nordrhein-Westfalens, das Sauerland, der
       Niederrhein und das Münsterland schwarz. Für absolute CDU-Mehrheiten aber
       langt es auch dort nicht mehr. Selbst Friedrich Merz, Ikone des
       konservativen Wirtschaftsflügels der Union, holt im Hochsauerlandkreis nur
       40,4 Prozent – noch 2013 waren hier für die Christdemokraten mehr als 56
       Prozent drin.
       
       Für die SPD aber reicht der Sieg in den Metropolen an Rhein und Ruhr. Sie
       sind in ihrem einstigen Stammland wieder stärkste Kraft, liegen bei den
       Erststimmen mit 31,1 und bei den Zweitstimmen mit 29,1 Prozent auf Platz
       eins. Von den 155 Bundestagsabgeordneten, die das bevölkerungsreichste
       Bundesland mit seinen knapp 18 Millionen Menschen im neuen, 735
       Parlamentarier:innen umfassenden Bundestag vertreten werden, sind 49
       von der SPD und nur 41 von der CDU.
       
       Bei der Wahlparty der Essener SPD aber bleibt die Stimmung bis in den
       späten Abend verhalten. Zwar geht auch der Wahlkreis Mülheim – Essen I
       souverän an den Sozialdemokraten Sebastian Fiedler: Der Vorsitzende des
       Bunds deutscher Kriminalbeamter marschiert dort mit 36,3 Prozent durch. Das
       Rennen im Wahlkreis Essen III aber, der den reichen Essener Süden ebenso
       umfasst wie das gentrifizierte Rüttenscheid, wird zum Wahlkrimi.
       
       ## Gereon Wolters muss zittern – und verliert
       
       Für die SPD fordert hier [5][Gereon Wolters], Professor für Strafrecht an
       der Ruhr-Universität Bochum und stellvertretendes Mitglied des
       NRW-Verfassungsgerichtshofs, den christdemokratischen Finanzpolitiker
       Matthias Hauer heraus. Im Jahr 2017 hat Hauer hier das einzige Direktmandat
       der CDU im ganzen Ruhrgebiet geholt – jetzt hoffen die Essener
       Genoss:innen auch im Wahlkreis Essen III auf einen Sieg.
       
       Ihre Hoffnung ist der durch und durch seriös wirkende Hochschullehrer
       Wolters. Der 55-jährige stellvertretende Vorsitzende der Essener SPD soll
       die Skandale vergessen machen, die seine Partei über Jahre erschütterten:
       Erst wanderte die graue Eminenz der Essener Sozialdemokrat:innen,
       Willi Nowack, nach Korruptionsvorwürfen ins Gefängnis. Für bundesweite
       Schlagzeilen sorgte 2016 dann die Bundestagsabgeordnete Petra Hinz: Ihr
       Lebenslauf war komplett gefälscht. Die Sozialdemokratin hatte kein Abitur,
       nicht Jura studiert, ihr juristisches Staatsexamen erfunden – und deshalb
       auch nie als Anwältin gearbeitet.
       
       Essens SPD erschien deshalb lange wie eine Partei im Zerfall. Das feine
       Netz aus Sozialdemokrat:innen in Betriebsräten, Gewerkschaften,
       Vorfeldorganisationen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund und städtischen
       Gesellschaften, das lange die Macht der Partei sicherte und das viele
       schlicht „roten Filz“ nannten, schien zerrissen. Im Rathaus regiert seit
       2015 der Christdemokrat Thomas Kufen.
       
       Auch Hoffnungsträger Wolters kann um kurz nach 18 Uhr seine Enttäuschung
       kaum verbergen. „Trauer“, das sei das Gefühl, das er jetzt spüre, nachdem
       er im Wahlkampf „so viel investiert“ habe, nachdem er „so viel gelaufen, so
       viel gekämpft“ habe, sagt er: „Ich fürchte, dass wird ein kurzer Abend für
       mich.“
       
       Um ihn herum üben sich Genoss:innen in Wahlkampfanalyse, die erklären
       soll, warum die SPD bundesweit nicht besser abgeschnitten hat, warum
       deshalb auch die Chancen in Essen III nicht gut stehen: Schröders
       Hartz-Reformen kosteten die Partei noch immer viele Stimmen, glaubt der
       Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Holsterhausen. „Bei uns wurde noch nie
       jemand von den Agenda-Aposteln, von den Schröder-Jungs eingeladen“, sagt
       der 65-jährige Berufsschullehrer Benno Justfelder über die Stimmung in
       seinem Stadtteil.
       
       Ab halb acht Uhr aber wird der Wahlabend für den SPD-Professor Wolters zur
       Achterbahnfahrt. Über zwei Stunden liegt er in den live auf die Bildschirme
       gespiegelten lokalen Auszählungen vor seinem CDU-Konkurrenten Matthias
       Hauer – mal beträgt der Vorsprung nur wenige Dutzend, mal beruhigendere 900
       Stimmen. Wolters kann wieder hoffen, auf seinem Handy erreichen ihn erste
       Glückwünsche.
       
       Die Essener Juso-Vorsitzende Sophie Kallweit analysiert dennoch nüchtern,
       warum die SPD im Bund nicht noch weiter vorn liegt. Vielleicht hätten sich
       zu viele junge Leute „auf dem Höhenflug vor zwei, drei Wochen, als uns
       manche schon bei 26, bei 27 Prozent sahen“, zu weit zurückgelehnt, fürchtet
       sie. „Vielleicht hätten wir auch das Klimathema noch weiter in den
       Vordergrund stellen müssen.“ Insgesamt sei der Straßenwahlkampf bei
       Jüngeren aber gut angekommen, sagt die Jungsozialistin.
       
       Kandidat Wolters geht währenddessen durch ein Wechselbad der Gefühle. Um
       kurz vor 22 Uhr sind die SPD-Hochburgen seines Wahlkreises ausgezählt – und
       trotzdem liegt der CDU-Mann Hauer plötzlich vorn. Der Hochschullehrer hat
       Essen III nicht gewinnen können. Am Ende holt Hauer 46.639 Stimmen, für
       Wolters entscheiden sich 45.609 Wähler:innen. In Prozenten heißt das 30,72
       für die CDU, 30,04 für die SPD.
       
       Wolters versucht, die Niederlage mit Fassung zu tragen. „Ich kann mit
       diesem knappen Ergebnis leben“, sagt er, nachdem er lange angespannt mit
       gefalteten Händen auf die letzten Auszählungen geschaut hat. „Es ist nicht
       peinlich für mich – und ich falle ja nicht ins Bodenlose.“
       
       „Eine Achterbahn“ sei der Wahlabend gewesen, sagt Essens SPD-Chef Frank
       Müller. „Ein lachendes, ein weinendes Auge“ habe er jetzt, freue sich für
       Heidenblut – und trauere mit Wolters. Danach macht der Landtagsabgeordnete
       seinen Genoss:innen Mut: „Wir sind wieder stärkste Kraft in Essen“, ruft
       er unter viel Applaus – bei der Landtagswahl im kommenden Mai müsse sich
       die CDU „warm anziehen“.
       
       Dass gerade Essens SPD ihren Teilsieg auch dem starken Olaf Scholz
       verdankt, weiß Müller aber auch: „Demütig“ sollten die Genoss:innen im
       anstehenden Landtagswahlkampf bleiben, mahnt er. „Eine zweite Chance“ habe
       seine Partei „von den Bürgerinnen und Bürgern bekommen“ – mehr nicht.
       
       ## Siegerlaune in Hannover
       
       In Hannover feiert die SPD in der Nordkurve, dem Biergarten am Stadion, in
       dem sonst die 96-Fans zu Hause sind. So sind sie, die Sozis in
       Niedersachsen – Schotter, Bänke, Bier und Bratwurst – bodenständig, solide
       Sachwalter, im Wahlergebnis nicht so volatil wie anderswo, aber auch nicht
       unbedingt von Visionen geplagt. Ein bisschen so wie Olaf Scholz also.
       
       Die ersten Reaktionen am Sonntagabend changieren irgendwo zwischen
       Erleichterung und Trotz. „Was haben wir uns nicht alles anhören müssen“,
       ist der Satz, der in Variationen am häufigsten fällt. Mit aller Macht haben
       sich hier viele in den letzten Wochen noch einmal in den Straßenwahlkampf
       geworfen, so präsent war sonst kaum eine Partei. Ein gewaltiger Kraftakt,
       eine große Geschlossenheit sei von der Partei ausgegangen, betont
       Ex-Generalsekretärin [6][Yasmin Fahimi].
       
       Mit Erfolg: Allein in und um Hannover hat die SPD vier Direktmandate
       abgestaubt, 25 Abgeordnete werden die niedersächsischen Sozialdemokraten
       insgesamt in den neuen Bundestag entsenden.
       
       Und zumindest zwei Wahlkreise galten dabei keineswegs als sichere Bank: In
       Hannover-Süd musste sich ein Grüner auf den letzten Metern Yasmin Fahimi
       geschlagen geben. Und im nördlichen Umland, im Wahlkreis Hannover Land I,
       verlor der CDU-Vertreter sein Direktmandat an eine absolute Newcomerin,
       Rebecca Schamber (SPD).
       
       „Die Wähler:innen haben gemerkt, dass die älteste Partei Deutschlands
       über die besten Rezepte für die Zukunft dieses Landes verfügt“, sagt
       Matthias Miersch, bisher stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im
       Bundestag, der seinen eigenen Wahlkreis zum vierten Mal gewonnen hat. Und
       hinter dieser etwas verqueren Formel verbirgt sich wohl das, was viele
       denken, aber niemand so gern offen sagen mag: Die Deutschen haben wieder
       mal ein bisschen Wandel gewählt.
       
       Das wollen sie jetzt unbedingt feiern: Zu den Klängen von „We will rock
       you“ von Queen laufen gegen Viertel nach acht die Direktkandidaten und der
       frisch gewählte Regionspräsident Steffen Krach geschlossen auf. Den
       darauffolgenden Song „We are the champions“ bricht man anfangs aber lieber
       erst noch ab – wer weiß, was da noch kommt.
       
       Die sich abzeichnenden schwierigen Sondierungs- und Koalitionsgespräche
       sind durchaus geeignet, die Stimmung zu verhageln. Vor allem, weil die
       Schlüsselrolle der Grünen hier ein paar frische Wunden berührt.
       
       Dass die sich aufgemacht haben, bei den Kommunalwahlen SPD-Hochburgen zu
       erobern, stößt vielen sauer auf. Groß war die Befürchtung, dass sich das in
       der Bundestagswahl fortsetzt, wie Fahimi durchblicken lässt: „Von den fünf
       Stadtbezirken, die „ergrünt“ sind, lagen letztes Mal vier in meinem
       Bezirk“, sagt einer. Aber zum Glück würden die Wähler wohl doch
       differenzieren, um welche Wahl es hier gerade geht, und nun seien die
       Grünen wieder „auf dem Boden der Tatsachen angekommen“. Unter den Tischen
       entsteht unwirsches Füßescharren, wenn die Fernsehübertragungen allzu lange
       bei den Grünen verweilen.
       
       [7][Matthias Miersch] will das aber keinesfalls überinterpretiert wissen:
       „Es gibt doch trotzdem ein großes rot-grünes Herz hier in Niedersachsen und
       doch auch ganz viele Stellen, wo wir erfolgreich kooperieren.“
       
       Der Experte für Klima und Energie setzt voll auf die Ampel, in einer
       Jamaika-Koalition würden die Grünen doch zerrieben, glaubt er. Davon
       wiederum versteht Miersch etwas: In seinen Fachgebieten ist er in den
       letzten Jahren von der CDU/CSU oft ausgebremst worden. Noch ein Grund, das
       bisschen Wechsel tunlichst zu feiern. Und zu späterer Stunde wird „We are
       the champions“ doch noch ausgespielt.
       
       ## Olaf Scholz lockt die FDP
       
       Am Montag steht Olaf Scholz im Willy-Brandt-Haus vor einem Wald von Kameras
       und Mikros und wirkt ziemlich relaxt. Und er sagt: Der „sichtbare Auftrag“
       dieser Wahl sei, dass „die drei Wahlgewinner“, SPD, Grüne und FDP, regieren
       sollen. Es brauche eine sozial-liberal-ökologische Regierung, die für
       Fortschritt stehe und vertrauensvoll zusammenarbeite.
       
       Fortschritt und Vertrauen – das ist Scholz’ Lockangebot an die FDP. Eine
       Ampel wäre, anders als die schwarz-gelbe Regierung bis 2013, die für die
       Liberalen eine üble Erfahrung war, etwas Neues. Eine Ampelregierung müsse
       so agieren, dass sie wiedergewählt wird, sagt Scholz. Auch dieses
       Versprechen zielt auf die FDP, die 2013 nach der Streitkoalition mit Merkel
       aus dem Bundestag flog. Scholz lockt die Liberalen. Er findet es „okay,
       dass Grüne und Liberale sich treffen“.
       
       Scholz will bald mit den beiden Parteien sondieren, wann genau, bleibt erst
       einmal offen. Nichts überstürzen. Die SPD will wohl abwarten, ob die
       Konkurrenz im Konrad-Adenauer-Haus der SPD nicht doch noch den Gefallen
       tut, sich selbst zu ruinieren. Man werde die Sondierungen „pragmatisch,
       bescheiden und mit großer Professionalität“ angehen, sagt Scholz. Das hat,
       trotz aller hübsch verpackten Präsentkörbe für die FDP, dann doch eine
       Subbotschaft. Sie lautet: Die SPD wird anders sondieren als Lindner, der am
       Sonntagabend wie ein Spieler auftritt, der sein Blatt überschätzt.
       
       Stegner unterstützt Scholz’ Art, die Sache anzugehen. „Die SPD agiert, aber
       nicht auf der Bühne.“ Und: „Bei Verhandlungen muss man am Ende stark sein.“
       Es soll sein wie bei der Wahl: Erst skeptisch belächelt, dann vorne.
       
       Carsten Schneider, der gebürtige Thüringer, findet, dass es ein Unding
       wäre, „die SPD als stärkste Partei im Osten zu ignorieren“. Im Osten ist
       die SPD nach dieser Wahl die Konkurrenz zur AfD. Eine Regierung ohne SPD,
       so Schneider, wäre eine Schwächung des demokratischen Widerstands gegen die
       AfD.
       
       Also die Ampel. „Das wird klappen“, sagt Schneider. „Alles andere wäre ein
       Desaster“.
       
       27 Sep 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /FDP-bei-der-Bundestagswahl/!5803241
   DIR [2] /Scholz-im-Wahlkampf/!5802898
   DIR [3] https://www.dirk-heidenblut.de/
   DIR [4] https://www.spdfraktion.de/abgeordnete/lauterbach
   DIR [5] https://www.nrwspd.de/personen/gereon-wolters/
   DIR [6] https://www.yasmin-fahimi.de/
   DIR [7] https://www.matthias-miersch.de/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Wyputta
   DIR Stefan Reinecke
   DIR Nadine Conti
       
       ## TAGS
       
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
   DIR SPD
   DIR GNS
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
   DIR SPD
   DIR Armin Laschet
   DIR Ampel-Koalition
   DIR SPD
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
   DIR Neue Bundesländer
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
   DIR FDP
   DIR Erstwähler
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR SPD-Filz kehrt zurück: Von Genosse zu Genosse
       
       Hamburgs Finanzsenator hat einen Millionenauftrag ohne Ausschreibung an
       einen Parteifreund vergeben. Das erinnert an alte Zeiten.
       
   DIR Laschets Nachfolger Hendrik Wüst: Der Unvermeidliche
       
       Einst wurde Hendrik Wüst als Generalsekretär der CDU in NRW gefeuert. Jetzt
       soll er Ministerpräsident und Landesparteichef werden.
       
   DIR SPD und Ampel: Das Orakel von Germany
       
       Viel spricht für eine Ampelregierung auch wenn die schwierig wird. Trotzdem
       könnte Olaf Scholz werden, was Joe Biden für die USA ist.
       
   DIR SPD vor Ampel-Gesprächen: Schönmalen nutzt nichts
       
       Die SPD redet sich die mögliche Ampel-Koalition schön. Es wäre Nüchternheit
       angesagt: Mit der FDP zu verhandeln, wird für die Genossen strapaziös.
       
   DIR SPD nach der Bundestagswahl: Die neue Harmonie der Sozis
       
       Die SPD-Fraktion ist jünger und diverser als je zuvor. Und auch die
       SPD-Linke sehnt sich nach der Ampel. Doch so schnell wird es nicht gehen.
       
   DIR Wo Scholz die Wahl gewonnen hat: Aufbau Ost für die SPD
       
       Die SPD hat in Ostdeutschland viel stärker Stimmen hinzugewonnen als im
       Westen. Warum? Und: Bleibt das jetzt so?
       
   DIR Aktuelle Nachrichten zur Bundestagswahl: Laschet wankt weiter
       
       Dem CDU-Chef droht die Entmachtung, doch immerhin der Streit um den
       Fraktionsvorsitz scheint abgewendet. CSU-Chef Söder hatte zuvor Scholz zum
       Wahlsieg gratuliert.
       
   DIR Neuer Bundestag wird grüner: Klimabremser abgewählt
       
       Im neuen Bundestag verliert die Union viele Anti-Ökos. UmweltschützerInnen
       legen allgemein zu, scheitern aber auch in vielen Parteien.
       
   DIR Gespräche nach Bundestagswahl: Warten auf ein Umspringen der Ampel
       
       Grüne und FDP nehmen ihre Rolle als Königsmacherinnen ernst – und wechseln
       vom Wahlkampf- in den Verhandlungsmodus.
       
   DIR Umfragedaten zur Bundestagswahl: Über die Lager hinweg
       
       Woher kommen die Wähler*innen der SPD, was wählen die Jungen und was war
       mit dem Klima? Sechs Fakten zur Wahl und was dahinterstecken könnte.