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       # taz.de -- Antiabtreibungsgesetz in den USA: Washington gegen Texas
       
       > US-Justizminister Merrick Garland hält das texanische Abtreibungsverbot
       > ab der 6. Woche für eine „Intrige“. Er will das Gesetz zu Fall bringen.
       
   IMG Bild: Will zentral gegen Texas' Anti-Abtreibungsgesetz vorgehen: US-Justizminister Merrick Garland
       
       New York taz | Wegen „offener Missachtung von Grundrechten“ und einer
       „Intrige, um Frauen den Zugang zu Schwangerschaftsabbruch zu verwehren“,
       hat US-Justizminister Merrick Garland ein Verfahren gegen den Bundesstaat
       Texas angestrengt. Sein Ziel ist es, das in der vergangenen Woche in Kraft
       getretene texanische [1][Gesetz] 8 zu Fall zu bringen.
       
       Bei einer Pressekonferenz in Washington begründete Garland am Donnerstag,
       dass es ihm nicht nur um das Recht auf Schwangerschaftsabbruch geht. „Der
       Versuch, die Verfassung der USA aufzuheben, muss alle Amerikaner,
       unabhängig von Parteizugehörigkeiten und Politik, beunruhigen“, sagte er
       und warnte, dass daraus ein Modell werden könne, um die Grundrechte auch in
       anderen Bereichen und in anderen Bundesstaaten auszusetzen.
       
       Feministinnen und Familienplanungszentren haben die US-Regierung in den
       vorausgegangenen Tagen gedrängt, gegen das Gesetz vorzugehen. Am Donnerstag
       Abend reagierten sie erleichtert. „Dies ist ein Wendepunkt“, sagte Nancy
       Northup. Sie ist die Präsidentin des „[2][Center for Reproductive Rights]“,
       deren Organisation auch die anhängigen Klagen mehrerer Kliniken gegen das
       Gesetz gebündelt hat. Brigitte Amiri, Sprecherin der Bürgerrechtsgruppe
       ACLU, kommentierte zurückhaltender: „Dies ist eine willkommene Nachricht“.
       
       Elizabeth Graham von der Organisation „Texas Right to Life“, auf deren
       langjähriges Lobbying das radikalste Gesetz zur Einschränkung des Rechts
       auf Abtreibung zurückgeht, prognostizierte ein Scheitern des Verfahrens:
       „Der Justizminister wird feststellen, dass das Gesetz nicht gestoppt werden
       kann“. Ihre Organisation berät bereits andere republikanische Bundesstaaten
       über Möglichkeiten, das Gesetz auch bei sich einzuführen.
       
       ## Frauen stehen vor verschlossenen Türen
       
       In Texas wehrt sich der republikanische Gouverneur Greg Abbott, der das
       Gesetz vor einer Woche im Beisein von acht Frauen und mehr als 40
       mehrheitlich weißen Männern unterzeichnet hat, gegen die Kritik, dass es
       nicht einmal für Opfer von Gewalt und Inzest das Recht auf Abtreibung
       zulässt: „Wir werden die Vergewaltiger von den Straßen Texas' eliminieren“.
       
       Quer durch Texas hat das Gesetz bereits dazu geführt, dass die meisten
       ungewollt schwangeren Frauen vor verschlossenen Türen stehen. Sie können
       weder Abtreibungen noch Informationen über Abtreibungsmöglichkeiten in
       anderen Bundesstaaten bekommen. Beides ist strafbar.
       
       Die zwei Dutzend über den Bundesstaat verteilten Kliniken, die bis Ende
       August Schwangerschaftsabbrüche durchführten, sind entweder geschlossen
       oder sie konzentrieren sich auf die wenigen Abtreibungen vor Ablauf der
       sechsten Schwangerschaftswoche. Vor der Einführung des Gesetzes haben 85
       Prozent aller Abtreibungen in Texas erst nach der sechsten
       Schwangerschaftswoche stattgefunden.
       
       Die Befürworter des Gesetzes nennen es „Herzschlaggesetz“. Es verbietet
       Abtreibungen, sobald ein Herzschlag des Fötus gemessen werden kann, was in
       der Regel in der sechsten Woche geschieht – zu einem Zeitpunkt, da viele
       Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind.
       
       Diese enge Befristung steht im Widerspruch zu der Grundsatzentscheidung des
       Obersten Gerichtes aus dem Jahr 1973. Um ihr „Herzschlaggesetz“ dennoch
       durchzusetzen, haben die texanischen „Lebensschützer“ den Trick gefunden,
       nicht mit Ermittlungsbehörden, sondern mit Bürgern zu arbeiten. Wer immer
       von einer Abtreibung erfährt, kann die Ärzte und alle anderen Personen –
       inklusive Angehörige und Taxifahrer –, die beim Zustandekommen einer
       Abtreibung eine Rolle gespielt haben, anzeigen. Den [3][Denunzianten]
       winken Belohnungen von 10.000 und mehr Dollar.
       
       10 Sep 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Abtreibungsrecht-in-den-USA/!5773731
   DIR [2] https://reproductiverights.org/
   DIR [3] /Neues-Abtreibungsgesetz-in-Texas/!5792942
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dorothea Hahn
       
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