# taz.de -- Ende des Tarifstreits bei der Bahn: Keine strahlenden Sieger
> GDL und Bahn haben sich nach mehreren Streiks geeinigt. Der Konzern
> sollte an seiner Firmenkultur arbeiten, damit künftige Konflikte nicht
> derart eskalieren.
IMG Bild: DB und GDL einigen sich auf Tarifkompromiss: Claus Weselsky und Martin Seiler von der DB
Wenn zwei sich einigen, freut sich der Dritte. Das ist das etwas kuriose
Ergebnis [1][des jetzt beigelegten Tarifkonflikts bei der Deutschen Bahn].
Denn das, was die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hart
erstreikt hat, bekommt nun die konkurrierende [2][Eisenbahn- und
Verkehrsgewerkschaft] (EVG) vom Bahnvorstand geschenkt. Für die
Bahnbeschäftigten ist das gut. Für die Verantwortlichen der EVG, die für
sich in Anspruch nimmt, die weitaus größere Interessenvertretung zu sein,
ist es jedoch ein Armutszeugnis.
Denn es ist schon absurd, dass es der kleineren GDL bedurfte, um den
Bahnvorstand dazu zu bringen, auf eine Kürzung der Betriebsrenten zu
verzichten. Nicht minder bezeichnend ist, dass es nun dank des unbeliebten
Claus Weselsky jene Coronaprämien gibt, die die EVG nur gefordert hat, ohne
bereit zu sein, dafür auch zu kämpfen.
Aber aus dem nun beendeten Arbeitskampf ist niemand als strahlender Sieger
hervorgegangen. Das Tarifergebnis ist ein klassischer Kompromiss, bei dem
zwar der Bahnvorstand etliche Zugeständnisse, aber auch die GDL klare
Abstriche machen musste. So bleibt für sie der Wermutstropfen, dass sich
die betriebliche Altersvorsorge für diejenigen, die erst ab dem kommenden
Jahr bei der Bahn anfangen zu arbeiten, verschlechtern wird.
Vor allem jedoch ist es der GDL nicht gelungen, den Anwendungsbereich ihrer
Tarifverträge auf mehr als die ihr bisher zugebilligten 16 der 300 Betriebe
des Bahnkonzerns auszudehnen. Ob sich daran noch etwas ändern wird, müssen
nun Notare und Gerichte klären.
Der Tarifabschluss ist kein revolutionärer. In anderen Unternehmen wäre er
sicherlich auch ohne drei Streikrunden und die Moderation zweier
Ministerpräsidenten erreichbar gewesen. Die Deutsche Bahn wird an ihrer
Firmenkultur arbeiten müssen, damit das bei ihr künftig auch möglich wird –
den Bahnkund:innen zuliebe. Und die beiden Gewerkschaften sollten
versuchen, [3][endlich ihr gestörtes Verhältnis zu entspannen]. Denn
gemeinsam hätten sie sicherlich noch mehr für die Bahnbeschäftigten
herausholen können.
16 Sep 2021
## LINKS
DIR [1] /Tarifstreit-bei-der-Deutschen-Bahn/!5802058
DIR [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenbahn-_und_Verkehrsgewerkschaft
DIR [3] /Neuer-Lokfuehrer-Streik-bei-der-Bahn/!5792818
## AUTOREN
DIR Pascal Beucker
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