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       # taz.de -- Kandidat Laschet spricht mit Kindern: Kein netter Onkel
       
       > Im Fernsehen pampig werden, wenn Kinder wichtige Fragen stellen:
       > Unionskandidat Laschet schafft es nicht mal mehr, seine Stärken
       > auszuspielen.
       
   IMG Bild: Kanzlerkandidat im Kreuzverhör: Romeo und Pauline nahmen Armin Laschet ziemlich in die Mangel
       
       Berlin taz | Eine der wenigen positiven Zuschreibungen, die
       Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet [1][trotz aller seiner Fehltritte]
       bisher noch anhaftete, war die des netten Onkels. Der Typ, der die Kinder
       und alle anderen auf der Familienfeier zwar etwas nervt, den man irgendwie
       aber doch gern hat und der auch ein paar gute Geschichten erzählen kann.
       Freundlich und harmlos, so schien es, das kann Laschet.
       
       Doch der Kanzlerkandidat arbeitet daran, auch diese letzten Reste positiven
       Images zu zerstören. Zu diesem Schluss muss kommen, wer ein neues
       [2][Interview] der TV-Sendung „Late night Berlin“ mit Laschet anschaut.
       Befragt wird er darin von zwei Kindern, Pauline und Romeo. Hinter denen
       steht zwar erkennbar eine Redaktion, die sich möglichst fiese Fragen
       ausgedacht hat, doch klar ist: Fernsehen mit Kindern, da muss ein netter
       Onkel liefern. Doch das gelingt Laschet ganz und gar nicht.
       
       Auf die Frage „Haben Sie Polizei geschickt, um Menschen aus Baumhäusern zu
       vertreiben?“ antwortet Laschet etwa einfach mal „Nein“. Dabei hat er als
       Ministerpräsident von NRW genau das für den Hambi, den Hambacher Forst,
       veranlasst. Zur Räumung der Baumhäuser dort, offiziell aus
       Brandschutzgründen, sagte Laschet einst, als er sich wohl außer Hörweite
       von Journalist:innen wähnte: „Ich brauche auch einen Vorwand, sonst
       kann man dort nicht tätig werden. Ich wollte den Wald räumen.“ Im
       Kinderinterview versucht er seine Entscheidung trotzdem wieder über
       Brandschutzsorgen zu legitimieren, spricht über Öfen und Elektroleitungen
       und die Frage, ob man nun im Wald Häuser bauen dürfe oder nicht.
       
       Das wirkt manipulativ und so, als ob Laschet im Fernsehen Kindern
       absichtlich Unwahrheiten erzählt. Ganz sicher wirkt es nicht wie etwas, das
       ein netter Onkel tun würde. Aber genau so manipulativ macht Laschet weiter.
       
       Anschlussfrage der Kinder zur Räumung des Hambacher Forsts: „Das war gegen
       das Gesetz, oder?“ Das Verwaltungsgericht Köln hatte Anfang September
       festgestellt, dass das Vorgehen der Landesregierung im Hambi rechtswidrig
       gewesen war, die Sorgen um den Brandschutz als Begründung für die Räumung
       sei vorgeschoben worden. Laschet antwortet auf die Frage der Kinder
       trotzdem mit Nein, verweist dann darauf, dass ein Gericht das zwar so sehe,
       nun aber höhere Instanzen am Zug seien.
       
       Auch die Frage, ob er etwas dagegen habe, dass Männer Männer heiraten
       dürfen, verneint Laschet zunächst. Auf den Hinweis, er habe sich in
       Interviews schon gegen die Ehe für alle ausgesprochen, antwortet er dann:
       „Nee, das stimmt nicht.“ Stimmt aber eben doch: 2017 sagte Laschet dem
       Spiegel zum entsprechenden Gesetzesvorhaben: „Dem Antrag der SPD hätte ich
       wie Merkel nicht zugestimmt.“
       
       Wirklich fatal für Laschets Netter-Onkel-Image ist aber nicht, dass er
       teils Unwahrheiten verbreitet, sondern dass er bei Widerspruch
       offensichtlich sauer wird – auf die Kinder. Beim Thema Ehe für alle
       schleudert Laschet dem Fragesteller Romeo etwa ein passiv-aggressives „Du
       hast schon den Spiegel gelesen vor so langer Zeit?“ entgegen.
       
       Und als es um den umstrittenen CDU-Direktkandidaten in Südthüringen,
       [3][Hans-Georg Maaßen], geht, unterstellt Laschet den offensichtlich
       bestens informierten Kinder, sie würden Maaßen ja gar nicht kennen. Deren
       Frage, warum einer wie Maaßen für die CDU antritt, beantwortet Laschet
       dagegen so unkonkret, dass er eigentlich gar nichts sagt.
       
       Im Fernsehen sauer werden, weil Kinder wichtige Fragen stellen? Definitiv
       nichts, was ein netter Onkel tun würde. Den allerletzten Beweis dafür, dass
       Laschet so weit von einem netten Onkel entfernt ist wie vom Mond, liefern
       dann die Fragen der Kinder, bei denen ein netter Onkel richtig auftrumpfen
       müsste. „Wie würdest du heißen, wenn du ein Drache wärst?“ sollte eine
       solche Steilvorlage sein. Laschets lasche Antwort: „Keine Ahnung.“
       
       15 Sep 2021
       
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