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       # taz.de -- Corona-Apps der Bundesregierung: Auf Google fixiert
       
       > Ohne den US-Giganten sind die Corona-Apps der Regierung nicht nutzbar.
       > Das macht es Nutzer*innen, die sich nicht überwachen lassen wollen,
       > unnötig schwer.
       
   IMG Bild: Apps der Regierung kann nur nutzen, wer sich dem Diktat des Betriebssystemherstellers unterwirft
       
       Da investiert der Staat eine zweistellige Millionensumme, um zwei Apps
       entwickeln zu lassen, die bei der Pandemiebekämpfung helfen sollen: die
       [1][Corona-Warn-App] und die CovPass-App, also den [2][digitalen Impfpass].
       Man sollte also annehmen, es wäre im staatlichen Interesse, dass möglichst
       viele Menschen diese Apps nutzen können. Ebenso liegt auf der Hand, die
       Anwendungen folglich so zu programmieren und bereitzustellen, dass sie für
       möglichst viele Menschen erreichbar und für möglichst viele Smartphones
       kompatibel sind.
       
       Tja, falsch gedacht. Zwar sind Apple-Nutzer:innen an den
       unternehmenseigenen App-Store gebunden. Bei Googles Android ist das aber
       nicht so. Und auch wenn die beiden Corona-Apps der Bundesregierung Open
       Source sind – der Programmcode also einsehbar ist –, sie sind dennoch so
       designt und bereitgestellt, dass Nutzer:innen mit älteren Geräten oder
       solchen ohne Google-Diensten außen vor bleiben.
       
       Diese Lücke haben nun schon zum zweiten Mal Programmierer:innen in
       ehrenamtlicher Arbeit geschlossen. Ende letzten Jahres für die
       [3][Corona-Warn-App] und diese Woche für die [4][Impfpass-App]. Beide sind
       damit auch außerhalb des Google-Kosmos erhältlich und nutzbar. [5][Die
       Freiwilligen haben Zeit und Aufwand in etwas gesteckt, das eigentlich
       Aufgabe der staatlichen Akteure gewesen wäre].
       
       Weiß niemand in der Bundesregierung, dass man ein Android-Telefon auch ohne
       Google-Dienste nutzen kann? Und dass das aus Privatsphäregründen ziemlich
       sinnvoll ist? Es zeugt schon von solider Ignoranz des staatlichen
       Auftraggebers, diesen Bedarf einfach zu übergehen.
       
       Die Corona-Apps sind übrigens keine Ausreißer. Egal ob es um Anwendungen
       geht, die Ministerien bereitstellen, gesetzliche Krankenkassen oder andere
       öffentliche Akteure: Nutzen kann sie in aller Regel nur, wer sich dem
       Diktat des Betriebssystemherstellers unterwirft. Das passt zur restlichen
       Technologiepolitik der Regierung, die mehr Wert auf schöne Fotos
       ([6][Flugtaxis]!) legt als auf Nutzer:innenfreundlichkeit und
       Sinnhaftigkeit. Sie macht es damit allen schwer, die sich gegen Überwachung
       wehren wollen.
       
       31 Aug 2021
       
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