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       # taz.de -- Präsidentenwahl in Frankreich 2022: Michel Barnier will es wissen
       
       > Der konservative frühere Außenminister war Chefunterhändler bei den
       > Brexit-Verhandlungen. Nun will er französischer Staatspräsident werden.
       
   IMG Bild: Michel Barnier
       
       Paris taz | Michel Barnier wollte sich nicht zu weit von seiner Heimat in
       den französischen Alpen wegbewegen, als er am Donnerstagabend seine
       Kandidatur verkündete. „Ich bin entschlossen, Präsident eines versöhnten
       Frankreichs zu werden, die Franzosen zu respektieren und Frankreich Respekt
       zu verschaffen“, sagte der 70-Jährige, vom Lac de Bourget aus zugeschaltet,
       im Fernsehsender TF1.
       
       Der hochgewachsene [1][Konservative], der im eigenen Lager bereits eine
       Mitbewerberin und zwei Mitbewerber hat, versteht sich vor allem als
       Gegenpol zu Präsident Emmanuel Macron. Dem fast 30 Jahre jüngeren
       Staatschef wirft er vor, das Präsidentenamt einsam und von oben herab
       auszuüben. „Hier in den Bergen weiß man, dass für eine Seilschaft jeder
       nötig ist.“
       
       Die beiden Männer hatten bei den Verhandlungen über den Brexit eng
       zusammengearbeitet, doch ihr Verhältnis hatte sich abgekühlt, nachdem
       Macron Ursula von der Leyen als EU-Kommissionspräsidentin an Barnier
       vorbeiziehen ließ. Dabei hatte der einstige französische Außenminister
       deutlich mehr Erfahrung: Zweimal war er EU-Kommissar, zuletzt führte er als
       Chefunterhändler die Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus
       der EU. Dass er als „Monsieur [2][Brexit]“ einen guten Job machte, ist in
       Brüssel und den europäischen Hauptstädten unbestritten.
       
       In Frankreich ist Barnier dagegen vielen unbekannt. Und das, obwohl er
       Abgeordneter, Senator und viermal Minister war. Auch bei den Konservativen,
       denen er seit seinem 15. Lebensjahr angehört, hat der begeisterte
       Bergsteiger und Skifahrer nur wenig Rückhalt. Laut einer diese Woche
       veröffentlichten Umfrage können nur 56 Prozent der Anhängerinnen und
       Anhänger der konservativen Les Républicains Barnier überhaupt politisch
       zuordnen. Bei Ex-Arbeitsminister Xavier Bertrand, dem derzeit
       aussichtsreichsten Konservativen im Rennen um das Präsidentenamt, sind es
       82 Prozent.
       
       ## Steif und spröde
       
       Dennoch vergleichen konservative Politiker wie der frühere Abgeordnete
       Daniel Fasquelle Barnier schon mit Joe Biden. Nicht nur wegen ihres Alters,
       sondern auch, weil Barnier ähnlich wie Biden über die Lager hinweg einend
       wirken könnte. Wie der US-Präsident ist auch Barnier eher steif und spröde.
       „Die Politik muss von Würde begleitet werden. Ich fühle mich nicht wohl,
       wenn mich jemand auffordert, aus dem Nähkästchen zu plaudern oder die Leute
       zum Lachen zu bringen“, sagte er im Frühjahr dem Nachrichtenmagazin Le
       Point.
       
       Inhaltlich unterscheidet den Vater von drei Kindern nur wenig von seinen
       parteiinternen Rivalen um das Präsidentenamt. In der Einwanderungspolitik
       schlägt er einen vorübergehenden Aufnahmestopp vor, um die Regeln für die
       Aufnahme von Geflüchteten neu zu formulieren.
       
       Dem Klimaschutz, ansonsten im konservativen Lager ein Nischenthema, widmet
       Barnier mehr Aufmerksamkeit als seine Konkurrenz. Dass Barnier seine Ideen
       tatsächlich umsetzen kann, ist allerdings unwahrscheinlich: Eine Umfrage im
       Mai sah ihn lediglich bei sechs Prozent.
       
       27 Aug 2021
       
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   DIR Christine Longin
       
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