URI:
       # taz.de -- Grünen-Wahlkämpferin Baerbock: Irgendwie dabei
       
       > Grünen-Co-Chefin Baerbock will Kanzlerin werden. Sagt sie. Doch
       > SPD-Kandidat Scholz führt die Umfragen an, Baerbock steht nur auf Platz
       > drei. Und nun?
       
   IMG Bild: Annalena Baerbock steigt aus dem grünen Wahlkampfbus
       
       Es sind ein paar schwierige Minuten für Annalena Baerbock. Einige Meter vor
       der Bühne in Kiel entfernt brüllt ein Herr los, der halb über dem
       Sperrgitter hängt. Seine Brille sitzt schief, das Haar ist wirr, der
       Mundschutz hängt ihm unter dem Kinn. „Es ist eine Frechheit, nicht die
       Wahrheit zu sagen!“ Foltermord, Impfungen, Geoengeneering, der Wind reißt
       ihm die Worte aus dem Mund.
       
       Baerbock hält inne, hört ein paar Sekunden zu, pickt sich dann etwas
       heraus. Nein, zum Glück gebe es noch kein Geoengeneering, ruft sie.
       „Klimaschutz bedeutet Kohleausstieg, und wenn auch Sie dafür sind, freut
       mich das sehr.“ Erleichterter Applaus, zwei Sicherheitsbeamte mit Knopf im
       Ohr und eng sitzenden Sakkos schieben den Herrn, der nun laut die
       Nationalhymne singt, von der Bühne weg.
       
       Cool bleiben, das Ding durchziehen, weitermachen. Das ist das, worum es für
       die Kanzlerkandidatin der Grünen geht. Annalena Baerbock tourt mit ihrem
       zwanzig Leute starken Tross durch Deutschland, drei, vier Auftritte pro
       Tag, oft 16 Stunden von morgens bis spätabends. Townhall-Meetings auf
       Marktplätzen, Termine bei Firmen, Initiativen, Regionalzeitungen. Die
       Grünen haben dafür extra einen grasgrünen Reisebus gemietet, so groß wie
       der der deutschen Fußballnationalmannschaft.
       
       Darin gibt es Stockbetten für Nachtfahrten, eine Bordküche, eine trendige
       Lounge mit Sesseln und Zimmerpflanzen für Hintergrundgespräche und
       Social-Media-Filmchen. Alles sollte möglich sein in dem ersten
       Kanzlerinnen-Wahlkampf der grünen Geschichte.
       
       Alles möglich? Tja nun.
       
       Es gibt zwei Deutungen, wie der Wahlkampf läuft. Die eine ist, dass die
       Grünen trotz allem ganz gut dastehen. Die andere, dass sie es gerade
       versemmeln. Aber der Reihe nach.
       
       In Kiel reißt der Himmel auf. Die weiße Stena-Line-Fähre liegt fest vertäut
       auf der Förde, ein Hafenkran dreht sich, eine Taube tut so, als ob sie eine
       Möwe sei – und segelt lässig in einer Windböe. Die Kieler
       Bundestagsabgeordnete [1][Luise Amtsberg] ruft ins Mikrofon, dass Baerbock
       „wie Arsch auf Eimer“ nach Kiel passe. „Wir trotzen dem Sturm, bis die
       Sonne wieder scheint. Dafür bist du das Sinnbild, Annalena.“
       
       Das Sinnbild tritt lächelnd auf die Bühne. Baerbock, schwarzes Kleid,
       auberginefarbene Lederjacke, spricht über die Kraft, die in Deutschland
       stecke. Diese Kraft, die vor über hundert Jahren auf diesem Platz gewirkt
       habe, sie brauche man nun, um Deutschland zu erneuern. Sie redet auf dem
       Platz der Kieler Matrosen, der an den [2][Matrosen- und Arbeiteraufstand im
       Jahr 1918] erinnert. Jener löste die Novemberrevolution aus, die zum Sturz
       der Monarchie führte. Schönes Bild, eigentlich.
       
       Die Gesellschaft ist weiter, als die Große Koalition denkt, glaubt die
       Grünen-Spitze. Es brauche nur einen Stupser, dann beginne die ökosoziale
       Wende von selbst. Bereit, weil ihr es seid. Auf dem gut gefüllten Platz in
       Kiel funktioniert das gut. Baerbock wird nach dem Grundeinkommen gefragt,
       nach Agrarsubventionen oder der Cannabis-Legalisierung. Den Leuten geht es
       um Inhalte, niemand will etwas zu ihren Patzern wissen, den zu spät
       gemeldeten Nebeneinkünften, dem geschönten Lebenslauf, dem
       zusammengestoppelten Buch.
       
       Am Ende klatschen die meisten freundlich, die junge Frau mit Tuch im Haar
       und Coffee-to-go-Becher, das Rentnerpärchen in Allzweckjacken, der Vater,
       der sich sein Baby vor die Brust geschnallt hat. Kleine, nicht
       repräsentative Umfrage im Publikum. Wie war sie?
       
       Ein junger Mann mit blondem Dreitagebart sagt, Baerbock sei ihm zu vage
       geblieben, etwa bei der Pflegepolitik. Ihn hätte auch interessiert, was sie
       mit den schmutzigen Kreuzfahrtschiffen machen wolle. Die neben ihm stehende
       Frau glaubt, die Grünen handelten in der Regierung sowieso anders, als sie
       vorher sagten. Sie hätten nichts dagegen getan, dass Schrebergärten neben
       einem Ikea für eine Ortsumgehung planiert worden seien. Die Sache mit den
       Plagiaten? Halten beide für aufgeblasen.
       
       ## Die Pläne sind nicht aufgegangen
       
       Die Grünen liegen in Umfragen zwischen 16 und 20 Prozent, klar hinter
       [3][Olaf Scholz] und seiner SPD. Gleich mehrere Grundannahmen von Baerbock
       und Mit-Spitzenkandidat [4][Robert Habeck] wurden pulverisiert. Weder gibt
       es einen Zweikampf mit der Union um die Führung des Landes, noch haben sie
       die Sozialdemokraten als führende Kraft der linken Mitte abgelöst.
       Stattdessen müssen die Grünen kämpfen, in Schlagweite zu bleiben. Aber wie?
       
       Baerbock gießt sich in der Bus-Bordküche heißes Wasser ein und tunkt einen
       Teebeutel in die Tasse. „Ich komme ja aus dem Sport“, sagt sie. „Nach einer
       schwierigen ersten Halbzeit gibt man nicht einfach frustriert auf. Man
       atmet durch, schüttelt sich, geht raus – und gewinnt das Spiel.“ Baerbock
       sprang als Jugendliche auf dem Trampolin, aber sie spielte auch Fußball.
       
       Beim ersten Fernsehtriell der Kanzlerkandidaten vom letzten Sonntag gelang
       ihr das Sich-Schütteln gut. Annalena Baerbock argumentierte im Studio in
       Berlin-Adlershof faktensicher. Sie wirkte freundlich, frisch und dynamisch
       neben dem unterkühlten Olaf Scholz und dem aggressiven [5][Armin Laschet].
       Bei ihrem einminütigen Schlussstatement kam sie als Einzige hinter dem
       Stehpult hervor und verringerte so die Distanz zu den ZuschauerInnen. Der
       Auftritt war nicht so sensationell, wie es die Grünen-Fankurve auf Twitter
       behauptete – aber schon ziemlich gut.
       
       In einer Forsa-Umfrage unter 2.500 Befragten kürten die Zuschauer direkt
       nach dem Triell Scholz zum Sieger, hinter ihm kam Baerbock, dann Laschet.
       Bei der Frage „Wen fanden Sie alles in allem am sympathischsten?“ waren
       Scholz (38 Prozent) und Baerbock (37 Prozent) fast gleichauf, während
       Laschet mit 22 Prozent abgeschlagen auf dem dritten Platz landete.
       
       Gute Werte sind das für Baerbock. Bei Fernsehauftritten sind die Infos aus
       den Parteiprogrammen weniger wichtig als der Sympathiefaktor. Und ihr Ziel
       hat sie erreicht. Allen zeigen, dass mit den Grünen weiter zu rechnen ist.
       
       ## Wie viel Veränderung wollen die Bürger?
       
       Baerbock lehnt sich im Wahlkampfbus in ihrem Sitz zurück. „Groko versus
       Veränderung, darum geht es jetzt.“ Die Grünen müssten klar machen, dass es
       nur mit ihnen einen echten Aufbruch gebe. „Das ambitionslose
       Sich-Durchwursteln von CDU, CSU und SPD muss ein Ende haben.“ Solche Sätze
       sagt Baerbock gerade ständig. Das Problem ist nur: Viele Deutsche sehen,
       dass sich etwas ändern muss – aber zu viel Veränderung ist ihnen
       unheimlich. Olaf Scholz’ Erfolg beruht ja darauf, Sicherheit und
       Status-quo-Erhalt zu versprechen. Merkel-Raute.
       
       Wie gehen Sie mit diesem Widerspruch um, Frau Baerbock? „Schwierige Frage.“
       Debatten wie die über den höheren Spritpreis zeigten, dass Veränderungen
       immer auch mit Ängsten verbunden seien. „Da müssen wir Grünen eine kluge
       Balance halten.“ Es sei zum Beispiel richtig gewesen, dass sich die Grünen
       auf dem Programmparteitag gegen einen noch höheren CO2-Preis entschieden
       hätten. „Wer die Gesellschaft überfordert, verspielt die vorhandene
       Bereitschaft vieler Menschen, wichtige Schritte mitzugehen.“
       
       Die grüne Gratwanderung zwischen Beständigkeit und Revolution führt
       manchmal zu ungewollt komischen Momenten. Neulich veröffentlichte die
       Partei ihren [6][Wahlwerbespot]. Zur Melodie von „Kein schöner Land in
       dieser Zeit“, einem Volkslied aus dem Jahr 1840, singen da echte Menschen
       einen neu gedichteten, grenzdebilen Text („Müssen uns’re Erde wahrn, fürs
       Leben wird es hier zu warm …“).
       
       Auf Twitter ging der Spot sofort viral, in seltener Einhelligkeit lästerten
       UserInnen über das grüne Biedermeier, das einfach nur „cringe“, also
       peinlich, sei. Ein Lied der Romantik, ein Priester im Kollar, grillende
       Männer, Handwerk, Bienen und Natur, die Gesellschaft als Gemeinschaft – „so
       viel Deutschland hätte sich die CDU nie getraut“, urteilte ein
       Welt-Journalist.
       
       Genau das war Sinn der Sache. Der Spot ziele auf Menschen, die ARD und ZDF
       schauten – „also auf eine eher ältere Zielgruppe“, sagt Annkathrin Schäfer
       am Telefon, die Kampagnenchefin der Grünen. Aus dieser Gruppe habe man vor
       der Ausstrahlung „sehr gute Rückmeldungen“ gehabt. Und – singen die Grünen
       jetzt immer? „Keine Sorge.“ Schäfer lacht. „Permanente Volksliedbeschallung
       ist nicht geplant.“ Dafür muss man ihnen dankbar sein.
       
       Vor gut zwei Monaten, als der Spot aufgezeichnet wurde, wähnten sich die
       Grünen noch im Duell mit der CDU. Die Scholz-SPD hatte da noch keiner auf
       dem Zettel. Auch dazu passt die konservativ anmutende Heimattümelei. Ob
       RentnerInnen tatsächlich begeistert mitsummen, sei dahingestellt.
       
       Die Grünen haben ein Problem. Sie führen keinen Kanzlerinnen-Wahlkampf
       mehr, sondern einen Irgendwie-dabei-sein-Wahlkampf. Ohne Frage wäre ein
       Ergebnis von 17 Prozent gemessen an den 8,9 Prozent von 2017 ein Erfolg.
       Aber gemessen an den eigenen Ansprüchen, an dem, was möglich schien, und
       daran, was durch die Klimakrise auf dem Spiel steht, sind ein paar
       Ministerjobs in einer Jamaikakoalition nur so mittel-okay.
       
       ## Zwischen Baerbock und Habeck rumort es
       
       Drei Jahre lang taten Baerbock und Habeck so, als sei die SPD scheintot,
       eigentlich gar nicht mehr vorhanden. Und ausgerechnet Olaf Scholz läuft
       ihnen nun den Rang ab – und sammelt die frustrierten CDU-WählerInnen ein,
       die sie selbst begeistern wollten? Das ist schon eine besondere Ironie der
       Geschichte.
       
       Wobei man nun über die unausgesprochene Rivalität zwischen Baerbock und
       Robert Habeck sprechen muss. Fragt man Grüne, die beide kennen, nach deren
       Verhältnis, beteuern sie, jenes sei gut, lösungsorientiert oder
       professionell. Auffällig ist, welches Wort nicht mehr fällt: „vertraut“.
       
       Zwischen Habeck und Baerbock hat sich etwas eingeschlichen, was es früher
       nicht gab. Die Risse in der gespielten Harmonie sind unübersehbar. Zwei
       Stunden nachdem Habeck am 19. April Baerbock die Bühne als
       Kanzlerkandidatin überlassen hatte, gab er der Zeit ein sehr ehrliches
       Interview. Dies sei „der schmerzhafteste Tag“ seiner politischen Laufbahn,
       räumte er ein. „Nichts wollte ich mehr, als dieser Republik als Kanzler zu
       dienen.“
       
       Schon vor Jahren wollte Habeck ja mit den Grünen die gesellschaftliche
       Mitte neu aufrollen. In seinem 2010 veröffentlichten Buch „Patriotismus.
       Ein linkes Plädoyer“ schreibt er begeistert von den Obama-Wahlkämpfen.
       Jener kombiniere Pathos und Unangepasstheit. Ähnliches hatte Habeck für
       Deutschland im Sinn, als er sich 2017 in der Urwahl um die
       Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl bewarb – und knapp gegen Cem
       Özdemir verlor.
       
       Als Habeck im Januar 2018 zusammen mit Annalena Baerbock den Parteivorsitz
       übernahm, war das für ihn schon der zweite Anlauf. Für sie nicht.
       Wesentliche Thesen zur Neuorientierung der Grünen, die ihnen seither
       ungeahnte Erfolge bescherten, hat er schon vor Jahren aufgeschrieben. Raus
       aus der Nische, die ganze Gesellschaft adressieren, der einladende Gestus,
       die versöhnliche Sprache. Keine Angst vor Patriotismus haben, „Kein schöner
       Land“ lässt grüßen.
       
       Ob Habeck heute in ruhigen Minuten denkt, dass Baerbock gerade alles
       ruiniert? Man weiß es nicht. Er verhält sich loyal – und absolviert eisern
       ein Mörder-Programm für den Erfolg der Partei. Aber er ließ schon alle
       spüren, wie sehr ihn die Fehler nervten – etwa die peinlichen Plagiate in
       Baerbocks Buch.
       
       Als ihn die Süddeutsche Zeitung im Juli fragte, wie oft er gedacht habe,
       dass solche Fehler nicht hätten passieren dürfen, antwortete er: „Mehr als
       einmal und weniger als hundert Mal.“ Man kann also davon ausgehen, dass
       Habeck ungefähr 98 Mal „scheiße“ dachte.
       
       Was sage er Leuten, die Baerbock für eine Hochstaplerin hielten? „Annalena
       Baerbock ist eine Frau, die von den Themen und ihrer Umsetzung getrieben
       ist. Dafür geht sie hohe persönliche Risiken ein, wie man jetzt ja sieht.“
       Subtext: Das Buch war eine Riesendummheit.
       
       Dann rieb er Baerbock, die Dutzende Textstellen kopiert hatte, noch unter
       die Nase, dass das Urheberrecht für Kulturschaffende existenziell sei. Auch
       in der ZDF-Fernsehsendung „Lanz“ machte er Mitte Juli gar nicht erst den
       Versuch, die Plagiate Baerbocks zu verteidigen. In der Politik gebe es,
       weil man permanent beurteilt werde, „’ne Art Verführbarkeit, [ein] bisschen
       [auf] dicke Hose zu machen“.
       
       Auf seine freundliche Habeck-Weise meinte er, dass sich Baerbock größer
       gemacht hätte, als sie sei. Bei Sandra Maischberger sagte er Anfang August,
       dass bei der Nominierung Baerbocks die „Frauenkarte“ auch ein
       entscheidendes Kriterium gewesen sei. Das Wort setzte er mit den Fingern in
       Anführungszeichen. Sagen wir es mal so: Im Inner Circle der Grünen macht
       man aus seinem Herzen keine Mördergrube mehr.
       
       Aber ein [7][Tausch der Kanzlerkandidatur] stand nie im Raum, obwohl es
       Argumente dafür gegeben hätte. Oder präziser: Dem Autor dieses Textes hat
       in den vergangenen Wochen niemand gesagt, ernsthaft darüber nachgedacht zu
       haben. Habecks Ansage („Das ist Kokolores.“) teilten alle. Auch die, die
       ihn damals vorgezogen hätten.
       
       ## Indirekt ist der andere Parteichef immer dabei
       
       Aber egal ob Baerbock in Kiel redet, im regnerischen Hamburg auf dem
       Jungfernstieg oder in Hannover: Robert Habeck steht indirekt immer mit auf
       der Bühne und neben ihm die Frage, ob die Grünen mit ihm besser dran wären.
       Seine Reden sind packender und nachdenklicher, seine Auftritte lässiger und
       authentischer. Baerbock bleibt eher auf den ausgetretenen, aber sicheren
       Pfaden der Parteiprosa, Habeck traut sich mehr. Das liegt an Naturell und
       Talent, aber auch an der größeren Freiheit, die eine Nummer zwei für sich
       in Anspruch nehmen kann.
       
       Der Reisebus steuert langsam durch eine Einfamilienhaussiedlung 25
       Kilometer südlich von Hamburg. Großes Hallo im Restaurant „Lieblingsplatz“
       in Seevetal. „Das ist ja die Frau Baerbock!“, „Mal nicht nur im Fernsehen!“
       Eine Kaffeegesellschaft erlebt eine Überraschung. Lange Tische,
       Blumensträuße, diamantene Hochzeit. Baerbock smalltalkt mit der Jubilarin,
       fragt, ob es schon Urenkel gebe. Sie scherzt. „Sehen Sie, das hat Ihr Sohn
       extra für Sie arrangiert.“ Gelächter.
       
       In Baerbocks Team wird auf den Wahlkampf von Gerhard Schröder 2005
       verwiesen. Jener sei auch über die Marktplätze gezogen – und habe so die
       Stimmung für die SPD gedreht. Die Plätze seien überall voll mit Leuten (die
       dann hoffentlich grün wählten), Teenager himmelten Baerbock an (die dann
       hoffentlich mit ihren Eltern redeten), Frauen flüsterten ihr zu: „Halten
       Sie durch!“ In der grünen Strategieplanung kommen recht viele Konjunktive
       vor.
       
       Abgerechnet wird dann am Schluss. Je nach Ergebnis droht ein interner
       Machtkampf zwischen Annalena Baerbock und Robert Habeck. Ampel oder
       Jamaika? Wer hat den ersten Zugriff auf ein Superministerium? Wer hat die
       Hosen an in Koalitionsverhandlungen? Habeck wird bei einem mäßigen Ergebnis
       wenig Lust verspüren, sich wieder hinter ihr einzusortieren. Und er könnte
       darauf verweisen, dass es mit ihm besser gelaufen wäre, wir hatten es
       schon. Den Grünen stehen nach dem 26. September spannende Tage bevor.
       
       Eine ehemalige Druckereihalle in Hannover, gesetztes Publikum auf
       Stuhlreihen, eine hell erleuchtete Bühne – das Redaktionsnetzwerk
       Deutschland hat zu einem Talkformat mit der Kanzlerkandidatin eingeladen.
       Sascha Harborth stellt sich ans Mikrofon. Harborth, Igelhaare, Hoodie unter
       dem Sakko, Ring im linken Ohr, war früher der Fußballtrainer von Baerbock,
       als sie mit 15 im Nachbardorf kickte. Ob ihr in der Politik ihre
       Siegermentalität von damals helfe?
       
       Eigentlich ist die Frage ein Elfmeter, eine freundliche Vorlage, die
       Baerbock nur verwandeln muss. Umso interessanter ist ihre Antwort. Sie
       seien ja damals leider nicht nur von Sieg zu Sieg geeilt, sagt sie – und
       haben in der Kreisklasse gespielt. „Man braucht ein starkes Team, auch das
       ist ja bei Mannschaftssport immer so.“ Natürlich seien die Grünen mit der
       ersten Kanzlerkandidatur ihrer 40-jährigen Geschichte ein Wagnis
       eingegangen. Aber die Herausforderungen seien so groß, dass man nicht immer
       nur sagen könne, „die Hauptverantwortung sollen mal andere tragen“.
       
       Kreisklasse, Team, Wagnis. So richtig überzeugt klingt das alles nicht
       mehr. Nach ihrem Auftritt geht Baerbock zu Sascha Harborth hinüber, um ein
       paar Minuten zu plaudern. Dann muss sie los, weiter für ein starkes grünes
       Ergebnis kämpfen.
       
       2 Sep 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://luise-amtsberg.de/
   DIR [2] https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/revolution-191819/matrosenaufstand-1918.html
   DIR [3] /Olaf-Scholz-vor-der-Bundestagswahl/!5794166
   DIR [4] /Wahlkampf-2021/!5782522
   DIR [5] /TV-Triell-der-Spitzenkandidatinnen/!5796774
   DIR [6] https://www.youtube.com/watch?v=Em_WUdK5WKI
   DIR [7] /Gescheiterte-Gruenen-Kanzlerkandidatin/!5784037
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ulrich Schulte
       
       ## TAGS
       
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
   DIR Annalena Baerbock
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
   DIR Robert Habeck
   DIR Podcast „Vorgelesen“
   DIR GNS
   DIR Bündnis 90/Die Grünen
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
   DIR Annalena Baerbock
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
   DIR Annalena Baerbock
   DIR Lesestück Recherche und Reportage
   DIR Ampel-Koalition
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
   DIR Annalena Baerbock
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Robert Habeck im Wahlkampf: Genervt, aber loyal
       
       Robert Habeck wäre gerne selbst Grünen-Kanzlerkandidat geworden. Unterwegs
       mit einem, von dem man gerne wüsste, was er wirklich denkt.
       
   DIR Annalena Baerbock über den Wahlkampf: „Verbote bedeuten oft Fortschritt“
       
       Sie gibt sie sich noch nicht geschlagen. Die grüne Kanzlerkandidatin über
       rot-grüne Chancen, Mobilität auf dem Land und Einkäufe mit dem Lastenrad.
       
   DIR Die Linke im Bundestagswahlkampf: Vom Winde verweht
       
       Zwei Parteichefinnen in Weimar – kaum jemand interessiert’s. Eine
       Kritikerin in Schwerte – und der Platz ist voll. Die Linke hat so lange
       gestritten, dass sich Wähler abwenden.
       
   DIR Das Klima und der Wahlkampf: Weder Superman noch Peter Pan
       
       Wohl noch nie auf dem Rad gesessen? Franziska Giffey und die SPD keilen in
       Berlin gegen die Grünen. Im Bund will Olaf Scholz scheinbar mit ihnen.
       
   DIR Kanzlerkandidatur und Bundestagswahl: Mehr Utopie wagen
       
       Bloß nicht WählerInnen überfordern, lautet die Devise im Wahlkampf. Diese
       Ängstlichkeit hat etwas Lähmendes.
       
   DIR Aktivistin in der Politik: Vom Tagebau in den Bundestag
       
       Vor Kurzem hat Kathrin Henneberger noch Kohlebagger besetzt, jetzt will sie
       für die Grünen ins Parlament. Kann das funktionieren?
       
   DIR Mögliches Bündnis aus SPD, Grünen, FDP: Was kann die Ampel?
       
       SPD, Grüne und FDP könnten die nächste Regierung bilden, unter einem
       Kanzler Olaf Scholz. Nur: Da, wo es ums Geld geht, sind die Gräben tief.
       
   DIR Grüne in Baden-Württemberg: Steuermann im Shitstorm
       
       Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz führt ein
       Online-Hinweisportal für Steuervergehen ein. Dafür wird er im Netz wüst
       beschimpft.
       
   DIR Unions-Kanzlerkandidat im Wahlkampf: Laschet setzt aufs Team
       
       Mit neuen Themen und Köpfen hofft der Unionskandidat auf eine Trendwende im
       Wahlkampf. Trotz schwachem Auftritt beim TV-Triell gibt er sich gelassen.
       
   DIR TV-Triell der Spitzenkandidat:innen: Unentschieden mit einem Gewinner
       
       Einen klaren Sieger gab es in der ersten TV-Debatte nicht. Das nützt wohl
       vor allem dem Favoriten Olaf Scholz – auch wenn der etwas verschlafen
       wirkt.
       
   DIR TV-Triell der Spitzenkandidat:innen: Vom Tiger zum Ahnungslosen
       
       Vieles bleibt beim ersten Triell der Kanzlerkandidat:innen diffus.
       Doch grobe Linien werden klar – was auch an Laschets verbissen wirkenden
       Angriffen liegt.