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       # taz.de -- Verkehrspolitik in Frankreich: Paris wird sicherer und leiser
       
       > In Frankreichs Hauptstadt gilt fortan Tempo 30. Viele ignorierten die
       > neue Regelung zwar am ersten Tag, doch eine breite Mehrheit steht
       > dahinter.
       
   IMG Bild: In Paris gilt ab jetzt Tempo 30, das finden viele Bewohner*innen gut
       
       Paris taz | Was in deutschen Großstädten [1][als ausgeschlossen gilt], ist
       jetzt – nach Brüssel, Madrid oder Barcelona – auch auf (fast) allen Straßen
       der französischen Hauptstadt Paris Realität: ein [2][Tempolimit von 30
       Kilometern pro Stunde].
       
       Ausgenommen von der neuen Geschwindigkeitsbegrenzung sind nur eine wenige
       Durchfahrtachsen, die Avenue des Champs Élysées, wo es vorerst bei Tempo 50
       bleibt, sowie außerdem die Ringautobahn „Périphérique“, auf der die
       Fahrzeuge weiterhin mit maximal 70 Kilometern pro Stunde verkehren dürfen.
       
       Am ersten Tag ignorierten jedoch viele Motorrad- und Pkw-Lenker*innen die
       neue Regelung, sei es, dass sie angeblich davon keine Kenntnis hatten, oder
       weil sie sich aus Ablehnung dieser Maßnahme zur Verkehrsberuhigung
       vorsätzlich darüber hinwegsetzten.
       
       Diejenigen, die das verordnete Tempo 30 brav, aber oft nicht ohne
       Anfangsprobleme einzuhalten versuchen, fallen auf. Sie sind vorderhand
       wenigstens noch klar eine Minderheit. Vielleicht auch, weil am ersten Tag
       keine besonderen polizeilichen Kontrollen zu beobachten waren.
       
       ## Auto-Verein will Entscheidung rückgängig machen
       
       Der Grünen-Vizebürgermeister Daniel Belliard hatte diese
       Geschwindigkeitsbegrenzung schon im letzten Frühling als Umsetzung eines
       Wahlversprechens der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo
       angekündigt, die generell eine Verminderung der fossil betriebenen
       Fahrzeuge im Zentrum der Hauptstadt anstrebt.
       
       Belliard erklärt die damit verfolgten Zielsetzungen: „Der erste Grund für
       Tempo 30 ab dem 30. August ist die Sicherheit. Die
       Geschwindigkeitsbegrenzung erhöht die Sicherheit der Fußgänger,
       Fahrradfahrer und verletzlicher Personen.“ In der letzten Dekade seien im
       Jahresdurchschnitt 18 Menschen bei Unfällen mit Lkw, Pkw und Motorrädern
       ums Leben gekommen, in diesem Jahr bereits fünf.
       
       Sein zweites Argument ist nicht die Umwelt- oder Klimapolitik, da
       anscheinend diesbezüglich kaum weniger CO2-Ausstoß zu erwarten sei, sondern
       der Lärm: Die Senkung von 50 auf 30 Kilometern pro Stunde halbiere die von
       der Bevölkerung empfundene Belästigung durch den Verkehrslärm.
       
       Dass damit der gesamte Straßenverkehr stark verlangsamt werde oder gar neue
       Staus geschaffen würden, hält die rot-grüne Stadtregierung für
       unwahrscheinlich, denn bereits heute liege das reale Durchschnittstempo bei
       einer Autofahrt durch die Innenstadt bei weniger als 20 Kilometer pro
       Stunde. Dennoch möchten Vereine wie „Rouler libre“ („Frei fahren“) mit
       einer gerichtlichen Beschwerde die an sofort geltende Senkung der
       Höchstgeschwindigkeit wieder rückgängig machen.
       
       Ihnen steht indes eine Mehrheit von 61 Prozent der Pariser Bevölkerung
       gegenüber, die laut einer Umfrage die Verkehrspolitik unterstützt. Die
       Befragten mit hohen Einkommen befürworten diese mit nur 54 Prozent deutlich
       weniger als die Bürger*innen mit niedrigen Einkommen (74 Prozent). Auch
       unter jenen, die sich selbst als Autofahrer bezeichnen, ist die Zustimmung
       mit 36 Prozent geringer.
       
       30 Aug 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Kampf-gegen-Verkehrsdreck-in-Berlin/!5650172
   DIR [2] /30-Jahre-Tempo-30/!5055029
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Rudolf Balmer
       
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