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       # taz.de -- RTL übernimmt Zeitschriftenverlag: Konzentration!
       
       > RTL und das Magazingeschäft von Gruner + Jahr wachsen zusammen. Ein
       > Vorgeschmack auf eine Zukunft der journalistischen Megakonzerne.
       
   IMG Bild: Bald ein RTL-Betrieb: das Verlagshaus Gruner + Jahr in Hamburg
       
       Hamburg taz | Oft und gern hat RTL in den vergangenen Monaten verkündet,
       sich in der politischen Berichterstattung profilieren und das
       Nachrichtenangebot ausbauen zu wollen. Das Trash-TV-Image, das man vielen
       teilweise derben, bestenfalls provokanten Sendungen zu verdanken hat,
       findet man bei dem Kölner Sender nicht mehr zeitgemäß.
       
       Einer der wenigen bisher sichtbaren Schritte in eine andere Richtung ist
       das zweimal wöchentlich gesendete „Klima-Update“, das im Juli startete.
       Eine ehrenwerte Minisendung, aber man kann sie auch als böses Omen sehen
       für künftige Cross-Promotion-Aktivitäten.
       
       Die „Klima-Update“-Ausgabe zum Thema „Kipppunkte“ etwa findet man nicht nur
       bei RTL, sondern auch eingebunden in einen Artikel bei stern.de. Der Stern
       gehört zum Hamburger Verlag Gruner + Jahr (G+J), der wiederum dem Konzern
       Bertelsmann gehört. Dieser hält auch die Mehrheitsanteile an RTL – daher
       die Cross-Promotion. Obwohl die Sendung nur eine Minute und sieben Sekunden
       lang ist, müssen am Ende acht Sekunden für Eigenwerbung übrig bleiben:
       „Mehr dazu bei unseren Partnern. Klicken Sie rein, es lohnt sich.“ Zwei der
       drei „Partner“ gehören zur Verwandtschaft: geo.de von G+J und wetter.de,
       Teil von RTL Interactive.
       
       Solche Werbeblocks in eigener inhaltlicher Sache könnten künftig
       umfangreicher und lauter werden. [1][Ab dem 1. Januar wird RTL nämlich noch
       ein bisschen größer], die Sendergruppe verleibt sich den Verlag Gruner +
       Jahr ein – und damit auch beispielsweise geo.de. Die Magazine des Hamburger
       Traditionsverlags nebst ihrer Online-Ableger einzukaufen – es soll ein
       weiterer Schritt sein in der von RTL ausgerufenen Strategie in Richtung
       mehr Journalismus.
       
       ## Der Medienvielfalt wird das nicht guttun
       
       Die Übernahme beschlossen die Bertelsmann-Gesellschafter Anfang des Monats.
       Ziel ist unter anderem eine Bewegtbild-Offensive bei „drei große Marken“,
       wie es am Montag bei einer digitalen Mitarbeiterkonferenz des Verlags hieß:
       Stern, Gala und Geo. Verlagsangestellte sagen, Stephan Schäfer, bei G+J
       Vorstandsvorsitzender und bei RTL „Geschäftsführer Inhalte & Marken“, soll
       versucht haben, ihnen die Übernahme unter anderem mit den Worten
       schmackhaft zu machen, dass G+J im Bereich Bewegtbild nun Möglichkeiten
       offen stünden, die weder Süddeutsche, Spiegel und Zeit noch die Verlage
       Bauer, Burda und Funke hätten.
       
       Der Konzentrationsprozess, der mit der Übernahme bevorsteht, dürfte der
       [2][Medienvielfalt] in Deutschland eher abträglich sein. Ohnehin
       beeinträchtigt ist diese auf dem Regionalzeitungsmarkt, wo die mächtigen
       Verlagsgruppen – Madsack, Funke, Ippen, NOZ Medien – Zentralredaktionen
       unterhalten, die überregionale Beiträge gleich für mehrere Titel des Hauses
       produzieren. Ein weiterer Schritt zu mehr vom Gleichen: Springers Bild gibt
       es ab dem 22. August auch noch als 24-Stunden-Fernsehsender. Dieses
       Bewegtbild-Programm wäre dann das dritte des Hauses – nach N24 Doku und dem
       „Welt“-Fernsehsender. Letzterer ist direkte Konkurrenz zum
       RTL-Nachrichtensender n-tv – der mutmaßlich bald durch G+J-Inhalte
       aufgepimpt wird.
       
       Was die gemeinsame Zukunft von RTL und G+J angeht, steht konkret fest, dass
       mit „Stern Investigativ“ unter anderem ein neues TV-Format in Angriff
       genommen wird. Auch soll die Marke Gala stärker bei RTL präsent sein als
       bisher. Eine Kooperation gibt es hier schon: „RTL-Exclusiv“-Moderatorin
       Bella Lesnik schreibt die Editorials des Magazins. Außerdem wird sie bei
       der Gala unter dem blumigen Titel „Editor at large“ geführt.
       
       Des Weiteren soll Geo „als Marke für hochwertige Dokumentationen und
       Wissensformate“ auf unterschiedlichen RTL-Kanälen „ein neues attraktives
       Programmangebot für die ganze Familie schaffen“ (Bertelsmann-Chef Thomas
       Rabe). Das Schlagwort „Familie“ ist in Sachen RTL-Strategie in den letzten
       Wochen recht oft gefallen. Als bekannt wurde, dass die Moderatorin
       [3][Pinar Atalay] von den „Tagesthemen“ der ARD zu RTL wechselt, sagte
       Stephan Schmitter, der Geschäftsführer von RTL News: „Sie ist eine
       Topjournalistin mit Haltung“ und „ein Familienmensch mit einem spannenden
       Lebensweg“. Und Kollege Stephan Schäfer soll auf einer G+J-internen
       Konferenz im Juni gesagt haben, RTL wolle „Familienfernsehen“ mit einem
       „wärmeren Ton“ bieten.
       
       ## Die Kunst, alles immer neu zu verpacken
       
       Die Ankündigung, Geo im Fernsehen auszubauen, ist insofern bemerkenswert,
       als die Marke dort bisher nicht gerade unterrepräsentiert ist. Unter dem
       RTL-Dach gibt es mit Geo Television bereits einen Pay-TV-Sender. Und bei
       Arte läuft nun auch schon seit mehr als zwei Jahrzehnten die „Geo
       Reportage“. Bleibt die Partnerschaft zwischen dem Kultursender und Geo
       bestehen, würde Arte ab dem 1. Januar also kurioserweise die Sendung einer
       RTL-Zeitschrift ausstrahlen.
       
       Aus wirtschaftlicher Sicht mag die Bewegtbild-Offensive, die Bertelsmanns
       Strategen mit den Magazinen vorschwebt, sinnvoll sein. Nur: Was bringt sie
       dem Publikum? Journalismus wird in den bisherigen Szenarien nur noch unter
       dem Gesichtspunkt seiner Verwertbarkeit in den Blick genommen: Wie kann man
       Inhalte über Gattungsgrenzen hinweg für verschiedene Zielgruppen designen,
       verpacken und vertreiben?
       
       Es sei nun ein „nationaler Medien-Champion“ entstanden, frohlockt
       Bertelsmann-Chef Rabe. Diesen Titel wird dem neuen RTL bald Springer
       streitig machen wollen. Ende Juli verkündete das Berliner Medienhaus, „bis
       2025“ wolle man „zum führenden Medienunternehmen für Audio-Journalismus im
       deutschsprachigen Raum“ werden. Jedenfalls kann man davon ausgehen, dass in
       den nächsten Jahren Springers Tiraden gegen den öffentlich-rechtlichen
       Rundfunk nicht leiser werden.
       
       RTL (17 Radiosenderbeteiligungen in Deutschland) hofft derweil, Springers
       Angriff möglicherweise auch deshalb abwehren zu können, weil der Ankauf der
       G+J-Titel den Hörfunkern des Hauses auch inhaltliche Impulse für die
       Informationsblöcke in der Radio-Primetime am Morgen liefern soll. Auch in
       diesem Zusammenhang werden wieder Stern und Geo genannt.
       
       Mit dem Zusammenlegen von RTL mit Gruner + Jahr ist in Sachen
       Medienkonzentration das Ende aber noch nicht erreicht. Das Handelsblatt
       schreibt, Bertelsmann-Chef Rabe könne sich vorstellen, dass in zwei Jahren
       die dann journalistisch aufgerüstete RTL-Gruppe mit ProSiebenSat 1
       fusioniert.
       
       12 Aug 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Fusion-von-Medienhaeusern/!5791980
   DIR [2] /Medienkonzentration-in-Deutschland/!5738640
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       ## AUTOREN
       
   DIR René Martens
       
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