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       # taz.de -- VfL-Geschäftsführer über Profifußball: „Das Geld muss umverteilt werden“
       
       > Ein Aufstieg von kleineren Vereinen in die oberen Ligen wird immer
       > unwahrscheinlicher, sagt Michael Welling, der Geschäftsführer des VfL
       > Osnabrück.
       
   IMG Bild: Der Abstieg ist stimmungsmäßig verdaut: Gute Laune beim VfL Osnabrück am 15. Juli 2021
       
       taz: Herr Welling, mit welchem Etat geht der VfL Osnabrück in die Saison? 
       
       Michael Welling: Der Etat des Lizenzspieler-Bereichs liegt bei 4,3 bis 4,5
       Millionen Euro.
       
       Viele Klubs verschweigen ihre Zahlen. Warum sprechen Fußballvereine so
       ungern über Geld? 
       
       Ich vermute, dass es, wenn man einfach nur Zahlen nennt, zu einem
       Äpfel-Birnen-Vergleich kommt. Man muss klarmachen, über welche Bezugsgröße
       man spricht. Spricht man nur über den Lizenzspieler-Etat? Oder muss man da
       intensiver reinschauen und gucken, ob da alle Personalkosten enthalten sind
       und Transferausgaben? Und welche Personalkosten werden inkludiert? Ist da
       zum Beispiel ein Sportdirektor enthalten? Da hat man viele Unterschiede.
       
       Welche finanziellen Einbußen hat der VfL durch den Abstieg erlitten? 
       
       Die größte Problematik, die wir haben, ist der Wegfall der Erlöse durch den
       Medien-Bereich. Das tut am meisten weh. In der Zweiten Liga waren wir am
       Ende der Medientabelle und haben etwa 9,3 Millionen Euro erzielt. In der
       Dritten Liga werden wir bei knapp einer Million Euro liegen. Das geht jedem
       Absteiger in die Dritte Liga so. In der Regionalliga ist der TV-Erlös
       gleich Null.
       
       Glauben Sie, dass es eine Art finanzielles Fair Play im Profi-Fußball geben
       muss? Oder regelt der Markt alles? 
       
       Wir müssen berücksichtigen, dass der Sport eine ganze andere Branche ist.
       Deswegen glaube ich nicht, dass man dem freien Spiel der Kräfte alles
       überlassen sollte. Wir sind in Kooperenz zu unseren Mitbewerbern –
       zusammengesetzt aus Kooperation und Konkurrenz. Keiner kann sein Produkt
       alleine anbieten. Man braucht immer einen Gegner, um ein vermarktbares
       Produkt herzustellen. Man muss über Maßnahmen nachdenken, um den
       Spannungsgrad hochzuhalten und darüber, wie man die Medienerlöse verteilt.
       Es muss zu Ausgleichs- und Umverteilungsmechanismen kommen, um die
       Attraktivität des Spiels hochzuhalten.
       
       Sie kennen durch Ihre Tätigkeiten bei RW Essen, Mainz 05 und nun dem VfL
       Osnabrück die Verhältnisse von der 1. bis zur 4. Liga. Was sind die größten
       Unterschiede zwischen den Ligen? 
       
       Die finanziellen Unterschiede sind gewaltig. Je höher man kommt, desto mehr
       Geld ist da, mit dem man agieren kann. Man hat mehr Möglichkeiten, in
       Personal oder Infrastruktur zu investieren, langfristig Projekte zu planen
       und strategische Entscheidungen zu fällen. Je tiefer man kommt, desto
       weniger ist möglich und die kurzfristige Perspektive überwiegt zu oft.
       
       Können Sie ein Beispiel nennen? 
       
       In Mainz hatten wir ein Ticketing-Team mit vier Personen, in das noch
       andere Leute involviert waren. In Osnabrück haben wir einen
       Ticketing-Manager. In der 4. oder 3. Liga muss man kreativer sein. Die
       organisatorischen und administrativen Tätigkeiten sind in der 3. Liga die
       gleichen wie in der 2. oder 1. Liga. Das unterschätzt man manchmal.
       
       Glauben Sie, dass es heute noch möglich ist, mit einer talentierten, aber
       armen Mannschaft den Aufstieg in die höheren Etagen des Fußballs zu
       schaffen? 
       
       Möglich ja, aber es wird immer unwahrscheinlicher. Es gibt aber Beispiele
       wie den SC Paderborn, die in der 3. Liga sportlich abgestiegen waren und
       nur durch den Lizenzentzug von 1860 München in der Liga geblieben sind. Und
       dann haben sie den Durchmarsch in die 1. Liga geschafft. Aber die
       Dauerhaftigkeit war das Problem. Die Spieler folgen dem Geld. Das ist auch
       nicht verwerflich. Da sollte man nicht moralisieren. Dadurch wird es aber
       schwierig, eine gute Mannschaft durch gutes Scouting aufzubauen, weil
       Wettbewerber mit anderen finanziellen Möglichkeiten die Spieler oder
       Trainer weglocken.
       
       3 Aug 2021
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Thomas Wübker
       
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