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       # taz.de -- Betriebsratsgründung bei Laverana: Über 30 Jahre zu spät
       
       > Der Naturkosmetikhersteller Laverana hat seit seiner Gründung 1987 keinen
       > Betriebsrat. Nun sitzen Gewerkschaft und Geschäftsführung an einem Tisch.
       
   IMG Bild: Glamouröse Öffentlichkeitsarbeit: Ein Model auf der Modemesse Lavera Showfloor 2014 in Berlin
       
       Hannover taz | „Naturkosmetik für alle und überall“ – das ist die Vision
       des Naturkosmetikherstellers Laverana aus der Region Hannover. Nachhaltig,
       klimaneutral und sozial will die Firma durch niedrige Preise eine
       „Demokratisierung der Produkte“ für Kund*innen weltweit erreichen.
       Laverana labelt sich seit 2019 „klimaneutral“. Neben Ökologie stehe auch
       Soziales im Mittelpunkt, schreibt die Firma über sich selbst.
       
       Was sich nicht auf dem Onlineauftritt, in keiner Werbebroschüre und auf
       keiner Cremetube findet: Nachhaltigkeit und Mitbestimmung gibt es bei
       Laverana offenbar für Arbeiter*innen nur bedingt. In dem
       Familienunternehmen, das 1987 in Rethen gegründet wurde, gibt es bis heute
       keinen Betriebsrat. Dabei arbeiten mehr als 400 Mitarbeiter*innen über
       drei Standorte in der Region Hannover verteilt für die Firma.
       
       Seit über 100 Jahren steht Arbeitnehmer*innen in Deutschland nach dem
       Betriebsverfassungsgesetz die Gründung eines Betriebsrates zu. Bei dem
       Ökokosmetikhersteller sollen jedoch in der Vergangenheit mehrere solcher
       Versuche verhindert worden sein, heißt es von der Industriegewerkschaft
       Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE).
       
       Nun, mehr als 30 Jahre nach der Gründung des Unternehmens, rückt die
       erstmalige Gründung eines Betriebsrats bei dem Kosmetikhersteller näher.
       Die IG BCE und die Geschäftsführung des Unternehmens haben Gespräche für
       eine Betriebsratswahl an allen drei Standorten von Laverana aufgenommen.
       Zudem soll über einen Tarifvertrag Mitbestimmung verhandelt werden.
       
       „Wir freuen uns sehr, dass wir nun endlich gemeinsam mit den
       Laverana-Kolleg*innen auf dem Weg sind, einen Betriebsrat zu wählen und das
       Unternehmen in die Tarifbindung zu führen“, sagt Gewerkschaftssekretärin
       Regina Karsch von der IG BCE über die anstehenden Prozesse.
       
       Und auch aus dem Unternehmen selbst heißt es: Man werde „die
       Betriebsratswahl selbstverständlich unterstützen“. Den Vorwurf, solche
       Wahlen seien zuvor verhindert worden, weist die Rechtsabteilung von
       Laverana zurück. „Es trifft weder zu, dass Mitarbeitern oder
       Mitarbeiterinnen im Zusammenhang mit der aktuell geplanten Gründung eines
       Betriebsrats gekündigt wurde oder gekündigt werden soll, noch war dies in
       der Vergangenheit der Fall.“ Über vorige Versuche, einen Betriebsrat zu
       gründen, habe man keine Kenntnis gehabt.
       
       Laverana gilt als sehr erfolgreich. Das Magazin Die Deutsche Wirtschaft
       schätzte den Jahresumsatz 2020 auf rund 232,8 Millionen Euro. 2019 kürte
       die Marken-Enzyklopädie Deutscher Standard den Naturkosmetikhersteller zur
       Marke des Jahrhunderts. Das Unternehmen befindet sich im Besitz der Familie
       des Firmengründers Thomas Haase.
       
       Gründe für einen Betriebsrat scheint es aus Arbeitnehmer*innensicht
       einige zu geben – zumindest wenn man den Bewertungen auf dem Portal
       „Kununu“ Glauben schenkt. Dort können Mitarbeiter*innen ihre
       Arbeitgeber*innen öffentlich einsehbar bewerten.
       
       Im März schrieb dort etwa eine Person, die angibt im Werk in Barsinghausen
       in der Produktion gearbeitet zu haben: „Hier ist gefühlt alles wichtiger
       als der Angestellte.“ Das Image stehe für das Unternehmen an erster Stelle,
       die Bezahlung lasse zu wünschen übrig, deswegen verließen
       Mitarbeiter*innen regelmäßig das Unternehmen. „Nach außen hui, nach
       innen pfui“, das sei der Zustand bei Laverana.
       
       So sehen das auch andere Personen, die bei Kununu eine
       Arbeitgeber*innen-Bewertung abgegeben haben: „Eine so schlechte
       Kommunikation habe ich bis jetzt in keinem anderen Unternehmen erlebt“,
       schreibt eine*r. Andere kritisieren: „Gehaltserhöhung geht nach Gesicht“
       oder dass einige Vorgesetzte „sehr respektlos“ mit dem Personal umgingen.
       Ganz unten findet sich noch eine Warnung: Angeblich gehe die Firma gegen
       schlechte Bewertungen auf dem Portal anwaltlich vor.
       
       Michael Linnartz, Leiter des IG-BCE-Bezirks Hannover, sagt, es sei Zeit,
       dass sich Laverana der sozialen Verantwortung stelle und Betriebsratswahlen
       im Unternehmen nicht im Weg stehe. „Nachhaltigkeit beinhaltet neben der
       ökologischen auch immer die soziale Dimension“, sagt Linnartz.
       
       Und auch für das Unternehmen sei die Gründung gut: „Die Unternehmen, die
       über Betriebsräte und Gewerkschaften verfügen und Konflikte
       sozialpartnerschaftlich regeln, sind auf lange Sicht am Markt
       erfolgreicher.“
       
       29 Jul 2021
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Michael Trammer
       
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