# taz.de -- Rechte für Menschen mit Behinderung: Inklusion ist ein Menschenrecht
> Wohnraum muss barrierefrei sein, damit Menschen mit Behinderung
> selbstbestimmt leben können. Doch das scheitert zu oft an hohen Kosten.
IMG Bild: Ob dieser Junge ein selbstbestimmtes Leben führen wird, hängt von Politik und Gesellschaft ab
Seit 12 Jahren ist die [1][UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland]
in Kraft. Durch diese werden Menschen mit Behinderung gleichwertige
Lebensverhältnisse und Chancengleichheit zugesichert. Dabei handelt es sich
keineswegs um Sonderrechte. Es sind Menschenrechte, die den Lebensumständen
behinderter Menschen Rechnung tragen.
Dazu gehören natürlich auch die freie Wahl des Wohnortes, der Wohnform, des
Arbeitsplatzes – für nichtbehinderte Menschen meist selbstverständliche
Lebensrealität. Die letzten Legislaturperioden waren jedoch eine schallende
Ohrfeige für behinderte Menschen. Selbstbestimmt mit Assistenz in der
eigenen Wohnung leben zu können, steht immer noch unter Kostenvorbehalt.
Behinderte Menschen müssen mit ihrem Vermögen und Einkommen diese Assistenz
und Selbstbestimmung erkaufen.
Ist das teurer, heißt es oft: „Ab ins Heim!“ Auf Plakaten wird das Thema
[2][Behinderung als Mahnung], Bedrohung und Schicksalsschlag diffamiert:
Fährst du zu schnell Auto – Rollstuhl. Lässt du dich nicht impfen –
Rollstuhl. Trinkst du [3][zu viel Bier – Rollstuhl]. Hört endlich auf,
Behinderung abzuwerten. Hört endlich auf, behinderten Menschen ein
selbstbestimmtes Leben abzusprechen. Sperrt sie nicht in Heime, sondern
sorgt für mehr barrierefreien, bezahlbaren Wohnraum, bessere
Unterstützungsformen und echte Wahlfreiheit.
Lasst Menschen im Rollstuhl nicht vor 6 Uhr am ICE auf dem Bahnsteig ohne
[4][Einstiegshilfe] stehen, sondern veranlasst den Bau stufenloser Züge.
Lasst Apps auf dem Smartphone so programmieren, dass blinde Menschen
alleine eine Pizza bestellen können. Hört auf damit, neue Sonderschulen,
Behindertenwerkstätten und Wohnheime zu bauen – in denen am Ende gefoltert
und gemordet wird.
Wir fordern echte Teilhabe und Mitbestimmung, statt einer
einrichtungsorientierten Fürsorgepolitik, die behinderte Menschen in ihren
Rechten beschneidet und sie um ihre Existenz bangen lässt.
Behindertenpolitik, die keine Menschenrechtspolitik ist, ist keine
Behindertenpolitik!
28 Jul 2021
## LINKS
DIR [1] https://www.behindertenbeauftragte.de/SharedDocs/Publikationen/UN_Konvention_deutsch.pdf?__blob=publicationFile&v=2
DIR [2] https://www.dvr.de/service/medien/plakate
DIR [3] https://www.dvr.de/service/medien/landstrassenplakate
DIR [4] https://www.bahn.de/p/view/service/barrierefrei/gehbehindert.shtml
## AUTOREN
DIR Alexander Ahrens
## TAGS
DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
DIR Ausgrenzung
DIR Inklusion
DIR Diversity
DIR Behinderung
DIR Leben mit Behinderung
DIR Bremen
DIR Schwerpunkt Zeitungskrise
DIR Theodor W. Adorno
DIR tazbehinderung
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Barrierefreiheit in Bremer Bädern: „Seit Jahren Pflichtverletzungen“
Der Petitionsausschuss der Bürgerschaft hat die Bremer Bäder wegen
mangelnder Barrierefreiheit gerügt. Die SPD will dem nachgehen.
DIR Journalismus mit Behinderung: Eine Chance für Inklusion
Technischer Fortschritt in Coronazeiten kann mehr Teilhabe für Menschen mit
Behinderung bedeuten. Nur: Digital heißt nicht immer barrierefrei.
DIR Adorno-Vorlesungen: Theologisierung von Rassismus
Um „Eugenische Phantasmen. Behinderung, Macht, Moral“ ging es diesmal an
der Universität Frankfurt. Referiert hat Historikerin Dagmar Herzog.
DIR Tod von Menschen mit Behinderung: Ableistische Gewalttat
Eine Mitarbeiterin eines Wohnheims in Potsdam soll vier Menschen mit
Behinderung getötet haben. Betroffene äußern Kritik an der
Berichterstattung.