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       # taz.de -- Polizei im Fernsehen: Die Möchtegern-MacGyvers
       
       > TV-Formate über die Polizei sind nicht nur sehr skurril. Sie vermitteln
       > auch ein fragwürdiges Bild von Polizeiarbeit.
       
   IMG Bild: Echte Polizisten auf Streife in Ulm – in der Realität oft unspektakulärer als im TV
       
       Gerade habe ich mir mal ein langes Wochenende auf dem Land gegönnt.
       Verbracht habe ich es mit Wandern, Essen, Schlafen – und Scripted Reality
       im deutschen Privatfernsehen. Scripted Reality heißt, dass
       Laienschauspieler*innen auf Polizeibeamt*innen in schlecht
       sitzenden Uniformen treffen. Ich kann da einfach nicht wegschauen. Ich
       [1][beschäftige mich viel mit der Arbeit der Polizei hierzulande], und wenn
       ich Sendungen wie „Der Blaulichtreport“, „Auf Streife“ oder „Auf Streife –
       die Spezialisten“ im Früh- oder Nachmittagsprogramm einschalte, werden
       meine Pupillen zu Popcorn-Emojis.
       
       Meist treten Polizeipärchen auf: Harry und Heinrich, Thorsten und Torsten,
       Bernd und Björn. Manchmal tauchen auch Polizistinnen auf – in den Folgen,
       die ich am Wochenende sehen durfte, konnte sich aber die polizeiliche
       Manneskraft auf ganzer Strecke entfalten. Die Geschichten, die erzählt
       werden, passen mehr in die Kategorie skurril als real. Hier die
       Überschriften der einzelnen Sendungen einer einzigen Strecke am
       Samstagmorgen: „Frau in Dessous verprügelt Spanner“, „Mann mit Sturmmaske
       enthüllt Überfall aus Liebe“ oder „Nackter Bär führt zu Ehestreit“. Das,
       was die Autor*innen dieser „Reality“ genommen haben, will ich auch!
       
       Erfunden sind allerdings nicht nur die kapriziösen Storylines, bei denen
       sixpacktragende Schauspieler in Boxershorts oder bikinitragende
       Schauspielerinnen auftauchen müssen. Irreführende Darstellungen sorgen auch
       dafür, dass das Publikum gleich ein realitätsfernes Bild von der
       Polizeiarbeit im Allgemeinen verinnerlicht. Slapstick-Verfolgungsjagden,
       sonderbare Vernehmungen, Möchtegern-MacGyvers.
       
       Oder entscheidende Details, die immer wieder vorkommen: Zwei
       Polizist*innen spazieren gemütlich in die private Wohnung einer Person.
       Und nachdem Polizist Bernd schon längst die Schwelle überschritten hat,
       fragt er nur noch mal rhetorisch, ob er reinkommen dürfe. Die Person in der
       Wohnung nickt dann erschrocken. Dabei darf die Polizei nicht einfach so in
       Privatwohnungen rein. Ohne Durchsuchungsbefehl oder erkennbar drohende
       Gefahr ist für die Polizei rechtlich betrachtet Schluss an der Türschwelle.
       
       Dann, nach einem besonders langen Wandertag – mir ist wichtig festzuhalten,
       dass ich einen aktiven Miniurlaub gemacht habe – nahm ich im Hotel wieder
       die Fernbedienung in die Hand, um den Muskelkater durch den beim Anblick
       der realitätsbefreiten Sendungen einsetzenden Kater in meinem Gehirn zu
       ersetzen. Diesmal spielte die Handlung in Berlin-Neukölln.
       
       Auf dem Bildschirm bewegten sich Polizist*innen, stiegen in Wannen,
       rannten durch die Gegend, posierten [2][bei übertrieben inszenierten
       Razzien]. Doch plötzlich tauchte Bezirksbürgermeister Martin Hikel auf. Der
       SPDler posierte vor der Kamera wie einer dieser
       Laienschauspieler*innen. Ich brauchte einen kurzen Moment, um zu
       kapieren: Es war kein Scripted-Realty-Format – sondern Realsatire.
       
       22 Jul 2021
       
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