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       # taz.de -- 3x3-Basketball bei Olympia: Anarchische Korbjagd
       
       > Die Open-Air-Basketballvariante feiert Olympiapremiere. Der in Regeln
       > gegossene Straßensport soll die Spiele für die Jugend attraktiv machen.
       
   IMG Bild: Mehr Streetcredibility als in der Halle: Testlauf beim 3x3-Basketball in Tokio
       
       Heidelberg taz | Dusan Bulut hat schon Basketball-Hallen von innen gesehen.
       Er hat vor knapp 15 Jahren auch probiert, in der herkömmlichen Variante
       beim Spiel fünf gegen fünf sein Glück zu finden. 2007 meldete er sich für
       den Draft in der nordamerikanischen Profiliga (NBA) an, wurde aber nicht
       ausgewählt.
       
       Das Scheitern war rückblickend kein Nachteil, denn heute ist der Serbe der
       weltweit bekannteste 3x3-Spieler und einer der Stars bei der olympischen
       Premiere der Sportart. „Ich habe mich im ersten Moment in das Spiel
       verliebt“, sagt der 35-Jährige, der mit der serbischen Mannschaft als
       Medaillenkandidat ins Rennen geht. In Tokio sollen Bulut und alle anderen
       Athleten dafür sorgen, dass die Beliebtheit der Trendsportart
       voranschreitet.
       
       „Das hat etwas von Beachvolleyball“, sagt Albert Kuppe. Der Heidelberger
       weiß, wovon er spricht, denn er gehörte in den vergangenen Jahren zum
       kleinen Team der deutschen Nationalmannschaft. In der Hallenvariante hat er
       mehr als zehn Jahre bei verschiedenen Klubs in der zweiten Liga gespielt,
       gerade ist er mit Heidelberg in die Bundesliga aufgestiegen. Im Sommer
       „zockte“ er draußen.
       
       Tatsächlich erinnert die junge Sportart – im Jahr 2010 gab es den ersten
       offiziellen Wettbewerb durch den Weltverband Fiab – an die
       [1][Volleyball-Variante im Sand], der Court steht oft mitten in der Stadt.
       Die 3x3-Variante kommt zu den Menschen und ist dadurch – auch für Sponsoren
       – attraktiv. Mit einem Brausehersteller aus Österreich hat eine weltweit
       bekannte Marke die Sportart für sich entdeckt. Dusan Bulut beispielsweise
       hat einen gut dotierten Vertrag bekommen, der ihm jährlich eine
       sechststellige Summe einbringt. Hinzukommen Preisgelder bei den weltweit
       stattfindenden Turnieren. Ähnlich wie in der Profi-Tour im Tennis finden
       wöchentlich Veranstaltungen statt.
       
       ## Sport als Event
       
       Bulut hat mit der serbischen Mannschaft vier Mal die Goldmedaille bei der
       World-Tour gewonnen, der inoffiziellen Weltmeisterschaft. Die gleiche Farbe
       soll die Medaille haben, die er nach der olympischen Premiere in Tokio um
       den Hals gehängt bekommt. Doch es geht für 3x3-Basketball in Japan um mehr,
       die Spiele sollen der Sportart einen weiteren Schub geben. Der Abstinenz
       von Zuschauern zum Trotz, denn wie viele Event-Sportarten lebt die
       Basketball-Variante eigentlich von der Atmosphäre am Court.
       
       Dennoch sagt Matthias Weber: „[2][Die Olympischen Spiele] werden der
       Sportart einen Push geben und ich hoffe, dass Deutschland im Sog davon
       etwas abbekommt.“ Weber ist seit zweieinhalb Jahren Disziplinenchef beim
       Deutschen Basketball-Bund (DBB) und damit für die Entwicklung bei den
       Herren und Damen zuständig. Von der [3][Qualifikation für die Spiele] in
       Japan waren beide Teams weit weg, in den kommenden Jahren erhofft sich
       Weber einen Schub: „Es gibt viel Entwicklungspotenzial.“
       
       Das Spiel ist einfach gehalten und schnell zu verstehen. In jeder
       Mannschaft stehen drei Spieler, ein vierter kann bei jeder Unterbrechung
       „fliegend“ eingewechselt werden. Es wird maximal zehn Minuten lang auf
       einen Korb gespielt. Wer 21 Punkte erreicht hat, gewinnt. Für einen
       erfolgreichen Wurf in Korbnähe gibt es einen Zähler, außerhalb einer 6,25
       Meter entfernten Linie gibt es zwei Punkte. Freiwürfe zählen einen Zähler.
       Die Mannschaft hat für ihren Angriff zwölf Sekunden Zeit.
       
       Die Zeit für einen Angriff ist im Vergleich zur Hallenvariante halbiert.
       Das sorgt dafür, dass weniger taktiert werden kann, es weniger Spielzüge
       gibt. Insgesamt wirkt das Spiel anarchisch – der Stärkere gewinnt. Das ist
       wörtlich zu verstehen, denn die Variante ist deutlich körperbetonter als
       der Hallensport. „Es ist kämpferischer“, sagt Weber.
       
       Man erinnert sich beinahe zwangsläufig an seine eigenen
       „Basketball-Erfahrungen“ irgendwo mit Freunden, ohne Regeln und mit viel
       Spaß. Für die Fans ist das attraktiv, es ist maximale Action geboten. Das
       Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die neue Sportart deshalb in
       sein Programm aufgenommen. Die Spiele sollen ja moderner werden und
       attraktiv für ein junges Publikum sein.
       
       Bundestrainer Weber, vor seinem Engagement beim 3x3 Coach im
       Hallen-Basketball, ist längst zu einem Fan der neuen Sportart geworden.
       „Ich werde mir so viel wie möglich im TV oder im Stream anschauen“, sagt
       der 43-Jährige. Am 28. Juli werden in Tokio die ersten Olympiasieger
       gekürt. Wer Gold holt mag Weber nicht vorhersagen, er ist aber überzeugt:
       3x3-Basketball wird der Gewinner sein.
       
       20 Jul 2021
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Michael Wilkening
       
       ## TAGS
       
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