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       # taz.de -- „Bild“-TV im Kabelnetz: Die Bild-Bams-Glotze
       
       > Ab dem 22. August gibt es die „Bild“ auch über Kabel und Satellit. Dafür
       > holt die Zeitungen sogar Protagonisten aus der Versenkungen zurück.
       
   IMG Bild: Dann kann das Blatt doch jetzt eingestellt werden, oder? „Bild“
       
       Bei Springer wird im Rahmen einer „Mein Arbeitsplatz soll schöner
       werden“-Initiative eine Laien-Theater-Gruppe gefördert. So was ist ja
       bekanntlich gut fürs Betriebsklima und setzt auch schon mal ungeahnte
       Talente frei. Aktuell lässt sich das im Trailer für den Start von Bild TV
       als richtig echtem Fernsehsender bewundern. [1][Am 22. August sendet das
       Bild-Team] ihr milde hyperventilierendes Programm nämlich nicht mehr nur im
       Netz, sondern auch über Kabel und Satellit.
       
       Um das der staunenden Weltöffentlichkeit wahrhaftig und live
       näherzubringen, spielen sie also mal Redaktionschef*innensitzung. Da
       werden Phrasen geklopft, dass es wehtut. [2][Bild-Chef Julian Reichelt] hat
       beim Sprechen immer was im Mund. „Warum schmatzt er den so, erst kauen,
       dann sprechen!“, sagt die Mitbewohnerin. Soll wohl authentisch wirken.
       Chefreporter Paul Ronzheimer ist dabei. Ihm schicken alle
       Politiker*innen immer alles aufs Handy, bevor es in ihrem eigenen Hirn
       ankommt. Er bekommt natürlich ’ne Exklusivmeldung. Claus Strunz, der früher
       mal die Bild am Sonntag machen durfte und dann in der Versenkung
       verschwand, ist auch wieder dabei. Er darf allen ernstes sagen: „Lasst uns
       live-haftiges Fernsehen machen.“
       
       „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu enthüllen“, meint die
       Mitbewohnerin trocken. Damit im Wahljahr auch ja nichts schiefgeht, wird
       der neue Kanal schnell mal zur Bild-Partei, die die Zuschauer*innen
       wählen sollen. „Weil wir da hingehen, wo andere wegsehen“, und dann rennt,
       erraten, Paul Ronzheimer mal wieder mit Helm durchs Krisengebiet. Aber sie
       gehen echt da hin, wohin niemand will. Deswegen taucht im Trailer
       Altkanzler Gerhard Schröder beim Frisör und mit einer gepimpten Renterweste
       in der Küche auf. Thomas Gottschalk ist als US-Experte kurz vor irgendwas
       mit den US-Wahlen reingeschnitten „weil wir kein Blatt vor den Mund nehmen
       und unbeugsam sind“. Hä?
       
       Dann sagt Strunz noch: „Ein Bollwerk der Demokraten“, was sie selbst bei
       Springer anscheinend lustig finden. Schließlich sagt Strunz sonst so
       demokratiefördernde Sätze wie „Populismus ist das Viagra der Demokratie“.
       Jedenfalls fragt die Moderatorin im nächsten drangeklatschten Ausschnitt
       „Wo bleibt der Aufschrei?“ Dieses „Programm“ droht jetzt 24/7. Wobei die
       alles bestimmende „News-Show“ zum Glück nur Montag bis Freitag von 9 bis 14
       Uhr läuft.
       
       [3][Als Axel Springer 1952 die Bild-Zeitung] erfand, war sie für ihn die
       „gedruckte Antwort auf das Fernsehen“. Wenn Bild jetzt selber so ’ne Art
       Fahrstuhl-TV wird, können sie ja zumindest die gedruckte Ausgabe
       einstellen.
       
       9 Jul 2021
       
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   DIR Steffen Grimberg
       
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