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       # taz.de -- Desiderius-Erasmus-Stiftung: Steinbach auf Mission Feigenblatt
       
       > Die Vorsitzende der AfD-nahen Erasmus-Stiftung verteidigt sich gegen
       > Bestrebungen, die Stiftung von öffentlicher Förderung auszuschließen.
       
   IMG Bild: Applaus vom rechten Rand. Die parteilose Erika Steinbach auf einer AfD-Podiumsveranstaltung
       
       Berlin taz | Erika Steinbach ist sichtlich darum bemüht, handzahm zu
       wirken. Und es klingt auch zunächst harmlos, was die Vorsitzende der
       AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung sagt: Ihre Stiftung wolle sich für
       Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit einsetzen. Sie sagt
       das vor meterhohen Regalen voller alter, dicker Bücher mit verzierten
       Buchrücken. Steinbach hat die Presse am Dienstagnachmittag in die
       Bibliothek des Konservatismus nach Charlottenburg geladen, um ihre Stiftung
       als konservativ-bürgerlich zu verteidigen.
       
       Dabei konterkariert der Ort bereits das, was sie sagt: Die Bibliothek ist
       der zentrale Knotenpunkt der Neuen Rechten in Berlin, eröffnet 2012 unter
       anderem vom Junge-Freiheit-Chef Dieter Stein, finanziert von einem rechten
       Mäzen. In den Büchern finden sich die Werke der konservativen Revolution –
       von extrem rechter Literatur bis zur Sonderabteilung Antifeminismus,
       genannt „Lebensrecht“, ist alles dabei. Bei Veranstaltungen vernetzen sich
       hier AfDler*innen, die Neue Rechte und selbsternannte
       „Lebenschützer*innen“. Aber hier traten auch schon CDUler wie Wolfgang
       Bosbach und Mechthild Löhr auf.
       
       Der 2019 verstorbene Politikwissenschaftler Wolfgang Gessenharter, Experte
       auf dem Feld der Neuen Rechten, [1][schrieb diesem Ort eine
       Scharnierfunktion zwischen Rechtsextremismus und Konservatismus zu]: „Es
       gibt nichts Seriöseres als eine Bibliothek. Wo könnte man den Nationalismus
       besser salonfähig machen als hier?“
       
       Dass Steinbachs Stiftung ein ähnliches Ziel verfolgt, davor hatten
       zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter der Zentralrat
       der Juden, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Antonio-Amadeu-Stiftung und
       die Bildungsstätte Anne Frank in einem [2][„Manifest der
       Zivilgesellschaft“] gewarnt. Über 60 Vereine, Organisationen und Prominente
       [3][haben mittlerweile unterzeichnet].
       
       ## Pikante Details werden weggelassen
       
       Die Aufklärungskampagne will verhindern, dass die von der AfD als
       anerkannte Parteistiftung mit dem bevorstehenden Wiedereinzug der AfD in
       den Bundestag staatliche Förderungen in Millionenhöhe kassieren wird. Die
       Stiftung sei selbst eine Netzwerkorganisation der Neuen Rechten, ihre
       Mitglieder betrieben Revisionismus, Hetze und Holocaust-Relativierung.
       Deswegen fordert die Kampagne ein Stiftungsgesetz, das die Förderung an
       rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien knüpft.
       
       Vor einem solchen Gesetz hätte sie keine Angst, sagt Steinbach. Sie wirkt
       aber aufgrund der Aufklärungskampagne durchaus angefasst. „Wenn ich lese,
       was verbreitet wurde, muss ich sagen: Es ist einfach unverfroren, uns
       abzusprechen, dass wir für unsere Demokratie eintreten.“
       
       Um das zu bekräftigen, stellt Steinbach die Karrierewege einzelner
       Vorstände vor, lässt dabei aber pikante Details weg. So erzählt sie von der
       honorigen Vergangenheit des stellvertretenden Stiftungsleiters Klaus Peter
       Krause bei der FAZ und der Fazit-Stiftung, der bei der CDU ausgetreten ist
       und mittlerweile AfD-Mitglied ist. Gleichzeitig blendet Steinbach aber
       seine jüngeren publizistischen Tätigkeiten aus: Etwa, dass Krause gerne mal
       den menschengemachten Klimawandel leugnet oder von „politischem Missbrauch“
       der Coronakrise schreibt und dabei mit Begriffen wie „Neue Weltordnung“ um
       sich wirft.
       
       Auch erwähnt sie nicht durchaus schrille Mitglieder der Stiftungskommission
       wie die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Angelika Barbe, welche die
       Maskenpflicht mit dem Tragen eines Judensterns verglich.
       
       ## Richtungskampf wie in der AfD
       
       Innerhalb der Erasmus-Stiftung gibt es einen ähnlichen politischen
       Richtungskampf wie in der AfD. Während Steinbach mit dem als gemäßigt
       geltenden Meuthen-Lager sympathisiert und versucht, die wachsende Bedeutung
       des extrem rechten Björn Höcke innerhalb der AfD herunterzuspielen („Nur
       ein Regionalfürst aus Thüringen“), wurde in der Stiftung vergangenes Jahr
       [4][Erik Lehnert aus dem Vorstand ausgeschlossen], weil er Geschäftsführer
       des vom Verfassungsschutz beobachteten [5][Instituts für Staatspolitik
       (IfS)] ist.
       
       Dass mit [6][Jan Moldenhauer] weiter ein regelmäßiger Referent und Autor
       des extrem rechten Thinktanks im Vorstand ist, hält Steinbach auf Nachfrage
       der taz dennoch für unbedenklich.
       
       7 Jul 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.spiegel.de/spiegel/bibliothek-des-konservatismus-in-berlin-wo-die-rechten-eine-neue-republik-planen-a-1132494.html
   DIR [2] /Organisationen-verfassen-Manifest/!5779211
   DIR [3] https://www.stiftungstrick-der-afd.com/manifest-der-zivilgesellschaftlichen-organisationen/
   DIR [4] /IfS-Geschaeftsfuehrer-Erik-Lehnert-geht/!5688764
   DIR [5] /Buch-ueber-Institut-fuer-Staatspolitik/!5726382
   DIR [6] /Streit-in-AfD-naher-Erasmus-Stiftung/!5696793
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Gareth Joswig
       
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