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       # taz.de -- Wahlprogramm der Union: Geschlossen im Ungefähren
       
       > Laschet und Söder präsentieren ihr gemeinsames Wahlprogramm. Die Union
       > strebt nach „Sicherheit im Wandel“, doch viele Fragen bleiben offen.
       
   IMG Bild: Den Zeigefinger erhebt Laschet in viele Richtungen
       
       Berlin taz | Da geben sich zwei Männer sichtlich Mühe, Geschlossenheit
       auszustrahlen. CDU-Chef Armin Laschet, gleichzeitig Kanzlerkandidat der
       Union, und Markus Söder, Vorsitzender der CSU, stehen am Montagmittag vor
       einer blauen Wand und stellen das von den Parteispitzen soeben
       verabschiedete [1][Wahlprogramm] der Union für die Bundestagswahl vor. 
       
       Laschet spricht vom „lieben Markus“, von Gemeinsamkeit und
       Entschlossenheit, Söder sagt „lieber Armin“ und betont, die „zehn
       spannenden Tage“ seien ausgeräumt und verarbeitet. Diese zehn Tage, die
       sind die Zeit, die der erbitterte Machtkampf der beiden Männer um die
       Kanzlerkandidatur der Union dauerte. Doch natürlich wissen beide: Streit
       schreckt die Wähler:innen ab.
       
       Jetzt also, [2][98 Tage vor der Bundestagswahl], setzt die Union auf
       Geschlossenheit und hat auch ein Wahlprogramm. Es ist 140 Seiten stark,
       nennt sich „Programm für Stabilität und Erneuerung“ und beginnt mit einem
       Bekenntnis zu Frieden, Freiheit, Menschenrechten – und Europa.
       
       Das Papier versucht zweierlei: Es betont die Notwendigkeit eines Neustarts
       nach der Coronapandemie, verspricht Klimaschutz, eine Modernisierung des
       Staats, Wirtschaftswachstum – ein „Modernisierungsjahrzehnt“ also, wie
       Laschet es gerne und häufig nennt.
       
       ## Kassensturz nach der Bundestagswahl
       
       Und gleichzeitig stellt es Stabilität heraus, die nur mit der Union
       gesichert sei. „Sicherheit im Wandel“ nennen CDU und CSU das. Viele
       Details aber lässt die Union dabei ebenso wie die Finanzierungsfrage
       lieber offen. Sie lehnt Steuererhöhungen ab und bekennt sich zur
       Schuldenbremse. Wo dann das Geld für Klimaschutz, Modernisierung und
       Generationengerechtigkeit herkommen soll? Die Lösung der Union: Die
       Wirtschaft soll durch ein „Entfesselungspaket“ wachsen und so mehr Steuern
       zahlen.
       
       Es sei eben eine Grundsatzfrage, sagt Laschet, ob man an den Erfolg dieser
       Methode oder an den von Steuererhöhungen glaube. Und Söder betont: Nach der
       Bundestagswahl müsse Kassensturz gemacht werden, denn mit dem Vertrauen in
       SPD-Finanzminister Olaf Scholz stehe es nicht mehr zum Besten. Sollte nach
       der Wahl also etwas nicht finanzierbar sein, hat Söder einen Schuldigen
       bereits ausgemacht.
       
       ## Söder kann die Seitenhiebe nicht lassen
       
       SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sprach im Gegenzug von „sozialer Kälte“.
       „Union wählen muss man sich leisten können“, kritisierte auch der
       Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler von den Grünen, dem derzeit
       wahrscheinlichsten Koalitionspartner. Große Zukunftsinvestitionen seien mit
       dem Programm nicht finanzierbar. Und laut Otto Fricke, Kindlers Kollege von
       der FDP, sind die Unions-Vorhaben verantwortungslos und widersprüchlich.
       
       Trotz aller betonten Gemeinsamkeit wird die CSU auch noch einen eigenen
       „Bayernplan“ vorstellen. Als Laschet, nach der Höhe des Benzinpreises
       gefragt, sich nicht ganz festlegen will, wirft Söder ein: „Also er liegt
       bei 1,55 Euro bei Benzin und bei 1,25 Euro bei Diesel.“ Ganz lassen kann
       Söder es mit den Seitenhieben offensichtlich nicht. Dabei dürfte
       Geschlossenheit für den Erfolg der Union wichtiger sein als das
       Wahlprogramm.
       
       21 Jun 2021
       
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