URI:
       # taz.de -- Gesundheitswesen und Erpressung: Cyberattacken mit Cliffhänger
       
       > In dieser neuen Kolumne geht es um Digitalisierung und Hypes, in
       > Deutschland und weltweit. Und da fangen wir doch gleich mal mit Lösegeld
       > an.
       
   IMG Bild: Registrierung in einem Restaurant auf Sylt mit der Luca-App
       
       Die letzten anderthalb Jahre gab es an dieser Stelle profundes
       Insiderwissen über die Medienbranche. Nun kommt alles über die neuesten
       Instagram- und TikTok-Hypes, über digitale Gadgets, Kryptowährungen und die
       Digitalisierungsschritte in Deutschland.
       
       Und um es zu Beginn gleich spannend zu machen, geht es heute um Erpressung
       und Lösegeld. Und wie in einem schlechten 18 Uhr-Krimi gibt es auch noch
       einen Cliffhänger: glaubt man den Datenschützer:innen in Deutschland,
       werden wir wohl in den kommenden Monaten sehen, wie viel Lösegeld unser
       Gesundheitsminister bereit ist zu bezahlen.
       
       Anfang Mai hatte ein Cyberangriff auf die amerikanische Pipeline Colonial
       zu Engpässen bei der Benzinversorgung in Teilen der USA geführt. Aus
       Verunsicherung hat das Unternehmen schlussendlich das geforderte Lösegeld
       von 3,6 Millionen Euro bezahlt. Bei dem Angriff auf Colonial Pipeline
       handelte es sich um eine sogenannte Ransomware-Attacke. Bei einer solchen
       Attacke dringen Hacker durch Sicherheitslücken in die IT-Systeme von
       Unternehmen ein und verschlüsseln wichtige Daten. Für die Herausgabe des
       Schlüssels verlangen sie ein Lösegeld. Oftmals drohen die Täter auch mit
       der Veröffentlichung von sensiblen Daten.
       
       [1][Ein ähnlicher Angriff hat gerade den weltgrößten Fleischkonzern JBS
       lahmgelegt]. Allerdings sind hier die Back-up-Server des Unternehmens nicht
       betroffen, externe Experten arbeiten schon daran, die Systeme daraus wieder
       herzustellen, sagen sie.
       
       ## Gravierende Mängel bei Luca-App
       
       Nun lässt sich auf Fleisch schnell mal verzichten, [2][auf die Privatsphäre
       persönlicher Daten], insbesondere unserer Gesundheitsdaten kaum. [3][Durch
       eine gravierende Sicherheitslücke in der Luca-App] könnten
       Verschlüsselungstrojaner in Gesundheitsämter geschleust werden, persönliche
       Daten ausspioniert oder ganze Gesundheitsämter lahmgelegt werden.
       
       Für jemanden, der schnell eine riesige Menge an Bitcoins, die bevorzugte
       Währung der Hacker:innen für das Lösegeld, haben möchte, scheint die
       Verlockung, ein oder mehrere Gesundheitsämter während einer Pandemie außer
       Gefecht zu setzen, groß zu sein. Und Deutschland ist keineswegs besser
       gewappnet als die USA.
       
       In Deutschland wurden auch Krankenhäuser von Hackern bereits lahmgelegt.
       Nach einer [4][Attacke auf das Computersystem der Düsseldorfer Uniklinik]
       konnte dort die Notaufnahme der Universitätsklinik nicht mehr richtig
       arbeiten. Daten mussten mit Stift und Papier oder per USB-Stick übergeben
       werden. 13 Tage lang fiel ausgerechnet dieses wichtige Krankenhaus für die
       Notfallversorgung aus.
       
       Die Problematik ist nicht neu, viele Unternehmen und Firmen rüsten auf,
       vergrößern ihre IT-Abteilungen und rüsten mit Back-up Servern nach. Doch
       die Lücken sind immer noch groß, vielen Unternehmen mangelt es auch an Geld
       für solche Investitionen. Gleichzeitig müssen die Systeme ständig
       aktualisiert werden, um stets auf dem neuesten Stand zu sein.
       
       ## Viel Glück, Jens Spahn!
       
       In der Not, fließt dann meistens Geld. Im Fall der Düsseldorfer Uniklinik
       fand sich ein Erpresserschreiben, das an die Universität und nicht an die
       Klinik gerichtet war. Als die Polizei mit den Hackern Kontakt aufnahm und
       ihnen sagte, dass sie ein Krankenhaus getroffen hätten, gaben sie den
       Entschlüsselungscode für die Rechner kostenlos heraus. So viel Glück könnte
       man Jens Spahn nur wünschen. Denn gewarnt haben ihn bis heute schon viele.
       
       7 Jun 2021
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/nach-cyberattacke-weltgroesster-fleischkonzern-faehrt-produktion-wieder-hoch-17371279.html
   DIR [2] /Cyberattacke-in-Irland/!5773456
   DIR [3] /Datenschutzexperte-ueber-die-Luca-App/!5762877
   DIR [4] https://www.handelsblatt.com/technik/sicherheit-im-netz/cyberkriminalitaet-todesfall-nach-hackerangriff-auf-uni-klinik-duesseldorf/26198688.html?ticket=ST-9998037-4jadn9fezslZlX3nufOx-ap2
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Malaika Rivuzumwami
       
       ## TAGS
       
   DIR Kolumne Digital Naives
   DIR Jens Spahn
   DIR Cyberkriminalität
   DIR Luca-App
   DIR Cyberattacke
   DIR Supermarkt
   DIR Kolumne Digital Naives
   DIR Bitcoin
   DIR Cyberkriminalität
   DIR Funke Mediengruppe
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Nach Hackerangriff auf IT-Firma Kaseya: Alles offline ist nicht die Lösung
       
       Eine Cyber-Attacke legt Supermärkte und Datenbanken lahm. Ein Grund,
       Digitales an und für sich zu verdammen, ist das nicht.
       
   DIR Knapp 800 Supermärkte in Schweden zu: Cyberangriff legt Läden lahm
       
       Der Angriff auf einen US-Dienstleister hat Auswirkungen über die USA
       hinaus. Besonders in Schweden, wo Teile des Handels die Dienste nutzen.
       
   DIR Ein Jahr Corona-Warn-App: Keine große Liebe
       
       Vor einem Jahr ging die Corona-Warn-App an den Start. Ein wirklicher Erfolg
       wurde sie nie. Auch weil es andere Konkurrenten gab.
       
   DIR Meme-Verkauf per NFT: Eher Rausch als Gold
       
       Internet-Memes wie das Video „Charlie Bit My Finger“ werden jetzt mittels
       digitaler Zertifikate teuer verkauft. Aber auch hier gilt: Vorsicht Hype!
       
   DIR Statistik zu Kriminalität im Internet: BKA registriert mehr „Cybercrime“
       
       Die Zahl krimineller Hackerangriffe stieg 2020 in Deutschland um etwa acht
       Prozent. Die Täter:innen agierten laut Behörden zunehmend professionell.
       
   DIR Hackerangriff auf Funke Mediengruppe: Kritische Infrastruktur
       
       Eine Cyberattacke blockiert seit sechs Tagen die Zeitungen des Essener
       Verlags Funke. Die Behörden stufen den Fall als besonders heikel ein.